Grippe: Häufige Fragen

Tabletten gegen Grippe

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Eine Grippe (Influenza) wird von Influenzaviren verursacht. Es werden drei Subtypen der Influenzaviren unterschieden: die Typen A, B und C. Die zwei Subtypen A und B sind für den Menschen von Bedeutung. Auf der Virenoberfläche finden sich verschiedene Glykoproteine (zuckerhaltige Eiweiße). Zwei davon, das Hämagglutinin (H) und die Neuraminidase (N), können in unterschiedlichen Formen vorkommen und bedingen dadurch unterschiedliche Krankheitsverläufe der Grippe. Die Bezeichnung (Nomenklatur) der verschiedenen Grippeviren richtet sich danach, welche Form der beiden Glykoproteine auf dem jeweiligen Virus vorhanden ist, z.B. H1N1, H3N2. [1]

Pharmakologie

Es gibt Medikamente, welche die Freisetzung der Virus-Erbinformation hemmen und damit die Vermehrung der Viren stoppen, sogenannte Virustatika.

Amantadin

Dieses Medikament richtet sich spezifisch gegen Influenza-A-Viren. Amantadin hemmt die Freisetzung der Viren-Erbinformation („Uncoating“) in die Wirtszelle. [2]

Einnahme: 

Amantadin wird zur Vorbeugung (Prophylaxe) angewandt. Daher sollte es vor Ausbruch der Krankheit eingenommen werden. Amantadin wird in Form von Tabletten in der folgenden Dosierung eingenommen: [3]

Dosierung:

  • Erwachsene: 2 x 100 mg oder 1 x 200 mg
  • Erwachsene über 65 Jahren: 1 x 100 mg (wegen möglicher Störung der Nierenfunktion)
  • Kinder ab 10 Jahren: 2 x 100 mg
  • Kinder ab 5 Jahren: 1 x 100 mg

Mögliche Nebenwirkungen: 

Neurologische (die Nerven betreffend), gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffend) und Herz-Kreislauf-Beschwerden können vor allem bei Überdosierung auftreten. Dazu gehören:Unruhe, Tremor, Verwirrtheit, Krämpfe, Übelkeit/Mundtrockenheit, Erbrechen und Durchfall (Diarrhoe), Schwindel (orthostatische Dysregulation) und Veränderungen im EKG. Da bei diesem Medikament häufiger Nebenwirkungen auftreten, ist Amantadin nach den Neuraminidasehemmern die Therapie der 2. Wahl. [2]

Zusätzliche Info: 

Amantadin wird auch im Rahmen der Parkinson-Therapie eingesetzt.

Neuraminidasehemmer

Neuraminidasehemmer, z.B. Oseltamivir, Zanamivir, richten sich gegenInfluenza-A- und Influenza-B-Viren. Sie hemmen bei ihnen das Enzym (biochemischer Katalysator) Neuraminidase (= Sialidase). Die Neuraminidase spaltet Glykoproteine (Eiweiße mit Zuckergruppen) auf der Zelloberfläche und ermöglicht so die Ablösung der neusynthetisierten (neu produzierten) Viruspartikel von der Wirtszelle. [4]

Einnahme: 

Neuraminidasehemmer werden sowohl zur Vorbeugung (Prophylaxe)als auch zur Therapie einer Grippe-Infektion angewandt. Zanamivir wird alsInhalation verabreicht und Oseltamivir wird in Form von Tabletteneingenommen. Oseltamivir ist ein sogenanntes Pro-Drug, d.h., es wird erst nach seiner Einnahme im Körper in seine wirksame Form umgebaut (metabolisiert).

Mögliche Nebenwirkungen: 

Zanamivir ist gut verträglich; bei Asthmatikern können Bronchospasmen auftreten. [3] Aufgrund der wenigen Nebenwirkungen sind Neuraminidasehemmer zur Behandlung der Influenza die Therapie der 1.Wahl.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe