Grippe: Häufige Fragen

Grippemittel ohne Paracetamol

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Die echte Grippe (Influenza) wird in der Regel lediglich symptomatisch behandelt. Dazu gibt es eine Vielzahl verschiedener Grippemittel wie Dolormin® Compact oder Grippostad® C. Sie senken das Fieber und helfen, Schmerzen zu lindern. Die meisten von ihnen basieren auf der Grundlage der Wirkstoffklassen Paracetamol oder Ibuprofen.

Bei einem schweren Verlauf der Influenza stehen außerdem noch bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente gegen Viren (Virustatika) zur Verfügung. Beispiele sind Amantadin oder Oseltamivir, die die Vermehrung der Viren behindern.

Welche Grippemittel es ohne den Wirkstoff Paracetamol gibt, wie sie wirken und welche Risiken bestehen, wird im folgenden Text dargelegt.

Medizinische Faktenlage

Es werden immer neue Medikamente gegen die echte Grippe hergestellt. Dabei arbeiten die Pharmazeuten heutzutage vor allem an der Entwicklung von speziellen Virusmitteln. Diese sind auf die Eigenschaften der Influenza-Viren abgestimmt und wirken sehr spezifisch. Ältere Grippemittel sind in der Regel darauf ausgelegt, die Symptome zu lindern und das Immunsystem zu stärken. In der Regel basieren diese frei verkäuflichen Medikamente auf der Grundlage der Wirkstoffklassen Ibuprofen oder Paracetamol. Die wichtigsten Grippemittel ohne Paracetamol sind:

  • Dolormin Compact (Brausegranulat)
  • Kontagripp Sandoz 200mg[1]
  • Infludoron® Streukügelchen[2] 

Biologischer Zusammenhang

Grippemittel wie Dolormin oder Kontagripp wirken spezifisch gegen bestimmte Symptome wie Fieber (Pyrexie) und Schmerzen, die im Verlauf einer Grippe auftreten. Medikamente, die auf Ibuprofen basieren, können im Körper in bestimmte Stoffwechselprozesse eingreifen. So beeinflussen sie zum Beispiel die Bildung der Pyrogene. Letztere sind Botenstoffe des Körpers, die bei einer Entzündung in die Blutbahn gelangen. Normalerweise liegen sie im Zellinneren verborgen. Viren oder Bakterien beschädigen Zellen der Schleimhäute, sodass die Pyrogene freigesetzt werden. Über das Blut gelangen sie ins Gehirn zum Hypothalamus, wo das Kontrollzentrum der Körpertemperatur sitzt. Die Fieber-Botenstoffe verstellen zentral den Sollwert der Körperkerntemperatur. Das Ziel dieser Maßnahme ist mäßiges Fieber. Im Blut zirkulieren Immunzellen (sog. Leukozyten) und gelöste Enzyme, die der Abwehr gegen Krankheitserreger dienen. Bei Temperaturen, die leicht über 37°C liegen, funktioniert die Immunabwehr besonders effektiv.

Die Pyrogene (z.B. Prostaglandine) werden vom Körper selbst hergestellt. Ein weiterer Angriffspunkt von Grippemitteln ist daher die Behinderung dieses Synthesewegs, denn weniger Pyrogene im Blut bedeutet auch weniger Fieber. Zu diesem Zweck bindet der Wirkstoff Ibuprofen an ein Enzym namens Cyclooxygenase(COX), das maßgeblich an der Bildung der Prostaglandine beteiligt ist.[3]

Des Weiteren wirkt Ibuprofen an bestimmten Rezeptoren von Nervenzellen, die Schmerzreize weiterleiten. Der Wirkstoff besetzt die Rezeptoren als Gegenspieler, sodass keine Reize mehr ausgelöst und damit keine Schmerzen mehr an das Gehirn weitergeleitet werden können. Insgesamt wirkt Ibuprofen damit fiebersenkend und schmerzstillend.

Risiken

Nicht immer sollte Fieber bei einer Grippe drastisch gesenkt werden. Der Körper führt bei Infektionen Fieber gezielt herbei, um die Immunzellen und chemischen Abwehrstoffe im Blut zu beschleunigen. Diese arbeiten bei leicht erhöhter Körperkerntemperatur schneller und effizienter. Die Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien werden abgetötet. Wird das Fieber künstlich gesenkt, kann dies die Grippe sogar verlängern.

Ibuprofen darf bei bestimmten Personengruppen nicht oder nur unter besonderer ärztlicher Kontrolle angewandt werden. Dies gilt insbesondere bei:

  • erhöhtem Blutungsrisiko,
  • verletzter Magen- oder Darmschleimhaut,
  • Schwangeren,
  • Personen mit einer eingeschränkten Funktion der Nieren,
  • Neigung zu allergischen Reaktionen auf Medikamente.[4]

Da Ibuprofen frei verkäuflich ist, sollten Personen, die nach der Einnahme folgende Symptome verspüren, dringend einen Arzt aufsuchen:

  • Übelkeit (Nausea)
  • Erbrechen (Emesis)
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • Magenschmerzen
  • Hautausschlag (Nesselsucht, Erythem)[5]

Alles in allem können rezeptfreie Grippemittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen die Symptome der Grippe lindern. Es handelt sich jedoch nicht um ein spezifisches Medikament gegen die Influenza-Viren. Im ungünstigen Fall wird durch das Senken des Fiebers die Krankheitsdauer sogar noch verlängert, da das Immunsystem behindert wird. Bei schweren Grippesymptomen ist zum zeitnahen Arztbesuch zu raten.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe