Grippe: Ursachen

Grippe nach Grippeimpfung

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Die Grippeimpfung (Influenzaimpfung) ist eine von der Ständigen Impfkommission (STIKO) weltweit zugelassene Impfung, welche das Risiko, an Grippe (Influenza) zu erkranken, deutlich senkt bzw. schwere Krankheitsverläufe verhindert. Im folgenden Text sollen medizinische Fakten und biologische Zusammenhänge zur Grippeimpfung im Detail erläutert werden, wobei besonders mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen nach der Grippeimpfung besprochen werden sollen.

Medizinische Fakten

Die Grippe ist eine durch das Influenzavirus verursachte, hochansteckende Infektionskrankheit, welche mit starkem Krankheitsgefühl, sehr hohem Fieber und folgeschweren Komplikationen, wie Lungenentzündung (Pneumonie) einhergehen oder sogar zum Tod führen kann.

Die effektivste Präventionsmaßnahme dagegen stellt die Grippeimpfung (Vakzination) dar. Diese wird einmal jährlich im Oktober oder November verabreicht. Das saisonale Auffrischen der Impfung (Boosterimpfung) ist dabei essenziell für den Impferfolg. Grund hierfür ist die Variabilität der Virusstruktur. Durch sich ständig verändernde Oberflächenproteine entstehen neue Virusvarianten, sodass trotz erfolgter Impfung ein Ausbruch der Grippe provozieren werden kann. Um dieses Erkrankungsrisiko so gering wie möglich zu halten, wird der Impfstoff jedes Jahr neu zusammengesetzt. Eine Grippeimpfung vor zwei Jahren schützt also nur selten vor einer Erkrankung in der aktuellen Saison.

Darüber hinaus kann sich auch kurz nach einer Grippeimpfung eine Grippe entwickeln, wenn die Infektion mit dem Virus vor dem Impfzeitpunkt lag. Nach der Ansteckung mit dem Virus entwickeln sich die ersten Symptome in der Regel erst nach zwei Tagen (Inkubationszeit), sodass fälschlicherweise eine direkt nach der Impfung auftretende Grippe als Impfversagen gewertet werden könnte.

Es ist auch zu beachten, dass der Körper nach erfolgter Grippeimpfung mindestens 10 Tage benötigt, um einen effizienten Schutz aufzubauen. Findet demnach eine Infektion mit dem Grippevirus innerhalb der ersten Tage nach Impfung statt, kann es trotzdem zum Erkrankungsausbruch kommen.

Des Weiteren kann eine abgeschwächte Form der Grippesymptomatik beobachtet werden, wenn die Grippeimpfung mit einem Lebensimpfstoff durchgeführt wurde. Anders als beim Totimpfstoff finden sich im Lebendimpfstoff abgeschwächte Viren, welche auch zu einer milden Ausprägung der Grippe im Anschluss an die Impfung führen können. In Deutschland wird jedoch meist der Totimpfstoff verwendet, da diese besser vertragen wird.

Hiervon müssen grippeähnliche Beschwerden abgegrenzt werden, welche gelegentlich nach der Grippeimpfung auftreten können. Dazu zählen folgende Symptome:

  • Geringes Fieber
  • Schwitzen
  • Frösteln
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Müdigkeit

Diese Allgemeinbeschwerden klingen klassischerweise innerhalb von 1-2 Tagen wieder ab und sind Zeichen für das Auseinandersetzen des Körpers mit dem Impfstoff. An der Einstichstelle können zusätzlich folgende Symptome im Rahmen einer Lokalreaktion beobachtet werden:

  • Schwellung
  • Rötung
  • Schmerzen[1]

Biologischer Zusammenhang

Bei einer Impfung wird der Körper mit dem Infektionserreger in einer abgetöteten (Totimpfstoff) oder abgeschwächten (Lebendimpfstoff) Form konfrontiert. Daraufhin werden spezifische Immunzellen (B-und T-Lymphozyten) gebildet, welche diesen Erreger anhand von Oberflächenmolekülen (Antigenen) wiedererkennen können. Jene Zellen bilden somit eine Art spezifisches Immungedächtnis. Bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Infektionserreger können die spezialisierten Lymphozyten diesen sofort zielgerichtet und effektiv eliminieren, wodurch der Krankheitsausbruch verhindert oder gemildert werden kann.[2]

Dies erklärt auch, warum im Falle der Grippeimpfung immer wieder neue Impfstoffzusammensetzungen und damit einhergehende jährliche Auffrischimpfungen nötig sind, um ein funktionierendes Immungedächtnis aufrechterhalten zu können. Wie bereits erwähnt, verändert das Grippevirus ständig seine Oberflächenstruktur und produziert dadurch neue Virensubtypen. Die neuen Oberflächenproteine können nicht von den Lymphozyten wiedererkannt werden, da sie auf eine andere Virusvariante spezialisiert sind. Folglich kommt es zum Krankheitsausbruch, bevor das Immunsystem auf genau diesen Virussubtypen spezialisierte Lymphozyten produzieren kann.[1]

Zu beachten

Besonders bei folgenden Personengruppen besteht erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, weshalb von der STIKO eine Impfempfehlung ausgesprochen wurde:

  • Alter > 60 Jahre
  • Schwangere
  • Alle Personen mit einem chronischen Grundleiden
    – chronische Lungenerkrankungen (z.B. COPD, Asthma)
    – chronische Herzkreislauferkrankungen (z.B. Herzinsuffizienz)
    – chronische Nierenerkrankungen (z.B. chronische Niereninsuffizienz)
    – chronische neurologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose)
    – chronische Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
  • Alle Personen mit geschwächtem Immunsystem (immunsupprimierte Menschen)
    – durch zugrunde liegende Erkrankung (z.B. HIV)
    – durch immunsupprimierende Medikamenteneinnahme (z.B. Chemotherapie, hoch dosierte Glukokortikoidtherapie)

Diese Personengruppen haben gemein, dass sie ein schwächeres Immunsystem besitzen, was nicht nur zu einem schwereren Krankheitsverlauf mit dem Grippevirus führen kann, sondern auch den Impferfolg einschränkt. Grund hierfür ist, dass durch das abgeschwächte Immunsystem nur eine reduzierte Immunantwort auf die Impfung zu erwarten ist. Ein zuverlässiger Schutz ist damit nicht gewährleistet und eine jährliche Auffrischimpfung daher von umso größerer Bedeutung.[1]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe