Husten In der Schwangerschaft: Krankheitstypen

Husten in der Frühschwangerschaft

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Die Dauer einer Schwangerschaft wird normalerweise ab dem ersten Tag der letzten Monatsblutung der Frau bis zur Geburt des Kindes berechnet; sie beträgt etwa 40 Wochen. Dieser Zeitraum wird für gewöhnlich in Dreimonatsabschnitte eingeteilt (Trimena oder Trimester). Im ersten Trimenon nennt sich die Leibesfrucht Embryo, später heißt sie Fötus (auch Fetus). Das Kind wächst in einer stetig größer werdenden Höhle des mütterlichen Unterleibs heran und schwimmt dabei in einer dämpfenden Flüssigkeit, dem Fruchtwasser (Liquor amnii). Plötzliche Änderungen der Druckverhältnisse im Mutterleib, wie sie etwa beim Husten entstehen, werden in der Regel durch das Fruchtwasser abgefangen. Der Embryo beziehungsweise Fötus steht mit der Mutter über den Mutterkuchen (Plazenta) in ständigem Stoffaustausch. So können von der Mutter aufgenommene Stoffe wie Medikamentenwirkstoffe (oder beispielsweise auch Alkohol) auf das ungeborene Kind übertragen werden. In der Frühschwangerschaft werden alle Organanlagen des Kindes gebildet und Einflüsse von außen (z.B. Arzneiwirkstoffe) können potenziell schädliche Einflüsse nehmen. [1] Aus diesem Grund sollte am besten mit einem Arzt abgesprochen werden, wie der Husten in der Schwangerschaft behandelt werden soll.

Ursachen von Husten in der Frühschwangerschaft

Husten tritt am häufigsten als Symptom von Erkältungsinfekten der Atemwege auf und ist ein Zeichen einer Entzündung der tieferen Atemwege (ab Kehlkopf abwärts, d. h. Bronchien). Auslöser für tiefe Atemwegsinfekte sind in ungefähr 60–80 % aller Fälle Viren wie humane Metapneumo- oder Adenoviren. Deutlich weniger häufig sind Bakterien wie Streptokokken oder Pseudomonaden für einen tiefen Atemwegsinfekt verantwortlich. Neben Husten sind Schnupfen (Rhinitis), Kopfschmerzen (Cephalgie) oder Halsschmerzen typische Zeichen einer Erkältung. Teilweise geht eine Erkältung auch mit Fieber, also einer Körpertemperatur über 38 °C, einher. Erkältungen mit Husten, die durch Viren verursacht werden, können in der Regel nicht ursächlich behandelt werden. Stattdessen stehen zur vorübergehenden Linderung der Krankheitszeichen verschiedene allgemeine Maßnahmen, schonende Hausmittel sowie schulmedizinische Arzneiwirkstoffe, die in der Frühschwangerschaft zugelassen sind, zur Verfügung. [2]

Behandlung von Husten in der Frühschwangerschaft

Allgemeine Maßnahmen

Viel trinken

Die gezielte Aufnahme möglichst großer Mengen an Flüssigkeit (am besten Wasser, etwa 2–3 Liter pro Tag) sollte vor jeder anderen Therapie von Husten in der Schwangerschaft stehen. Die aufgenommene Flüssigkeit hält die Schleimhäute der Atemwege feucht und geschmeidig, sodass Reizungen gemindert werden. Zudem fördert die zugeführte Flüssigkeit die Fließfähigkeit des produzierten Schleims. Mit dem Schleim werden nicht nur abgestorbene Zellteile abtransportiert, sondern auch abwehrstärkende Substanzen wie Antikörper (IgA) verteilt. Daneben sollte auf eine relative Luftfeuchtigkeit im Raum von ungefähr 60 % geachtet werden. Ein feuchtes Handtuch über einem Heizkörper oder ein automatischer Luftbefeuchter helfen, zu trockene Raumluft zu befeuchten. [3].

Hausmittel

Tees

Erkältungstees versorgen Schwangere mit notwendiger Flüssigkeit, um die Barrierefunktion der Atemwegsschleimhäute aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus können die Wirkstoffe ausgewählter Pflanzenteemischungen lindernd auf den Husten wirken. Das Malvengewächs Eibisch (Hibiskus;Althaea officinalis) enthält bestimmte Zuckerstoffe (Glucane u. a.), die sich als Schutzfilm auf die gereizte Schleimhaut der Atemwege legen und so Reizhusten bekämpfen können.[4] In Efeu (Hedera helix) ist der bei Husten wirksame Wirkstoff alpha-Hederin enthalten. Er kann dazu beitragen, eine verkrampfte Atemwegsschleimhaut bei Husten zu beruhigen[5]. Thymian(Thymus vulgaris), bitterer Fenchel (Foeniculum vulgare) oder Schlüsselblume (Primel, Primula vulgaris) weisen ebenfalls sowohl lindernde als auch schleimauflockernde Wirkstoffe auf. [6] [7] Prinzipiell können Erkältungstees in beliebigen Mengen getrunken werden; je mehr, desto besser.


Hustenbonbons

Hustenbonbons regen den Speichelfluss an und tragen damit zur Befeuchtung der Atemwege bei. Zudem enthalten sie meist pflanzliche Wirkstoffe, die eine gereizte Atemwegsschleimhaut beruhigen können.
Isländisch Moos (Cetraria islandica) enthält pflanzliche Wirkstoffe wie Glucane, welche die entzündete Atemwegsschleimhaut beruhigen können.[8]. Wirkstoffe von Isländisch Moos sind z. B. in Klosterfrau Broncholind Halstabletten, Isla Moos Pastillen, Dallmanns Isländisch Moos-Bonbons oder Tetesept Halstabletten enthalten.
Die grau behaarte Zistrose (Cistus incanus) enthält entzündungshemmende Substanzen, die ebenfalls zur Beruhigung der bei Husten gereizten Atemwege beitragen können. [9]. Diese Wirkung zeigen auch Salbei oder Huflattich. Im Handel sind Hustenbonbons verschiedener Hersteller mit den beispielhaft erwähnten Pflanzenauszügen frei erhältlich und können in beliebiger Menge eingenommen werden. Zuckerfreie Bonbons sollten bei Erkrankungen des Zuckerstoffwechsels (Diabetes mellitus, Gestationsdiabetes) bevorzugt werden.

Inhalationen, Einreibungen, Bäder

Sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe wie ätherische Öle können als Zusatz bei Inhalationen eine Linderung des Hustens verschaffen. Thymian,Lavendel (Lavandula angustifolia), Rosmarin (Rosmarinus officinalis),Pfefferminze (Mentha piperita), Fichte (Picea spec.) oder Eukalyptus(Eucalyptus regnans) sind einige Vertreter von Pflanzen, die wertvolle ätherische Öle liefern. Salben mit ätherischen Ölen können mehrmals täglich auf Dekolleté und/oder Rücken aufgebraucht werden. Durch die Inhalation werden feine Flimmerhärchen auf der Atemwegsschleimhaut aktiviert, die zähen Schleim aus den Lungen abtransportieren. Außerdem regen Einreibungen die Hautdurchblutung an und führen zu einem wohligen Gefühl der Wärme. Alternativ zu Einreibungen können etwa 30 °C warme Bäder mit einigen Tropfen ätherischer Öle Husten und Schleim lösen.
Bei der Anwendung ätherischer Öle ist zu beachten, dass diese prinzipiell die Atemwege stark reizen können. Bei bekannten Unverträglichkeitsreaktionen, speziell gegen kampferhaltige ätherische Öle wie Pfefferminzöl, sollte auf schonendere Öle wie etwa Lavendelöl zurückgegriffen werden. [10]. Obwohl in der Literatur generell eine Wehen fördernde Wirkung von ätherischen Ölen beschrieben wird, konnte dies bislang nicht wissenschaftlich belegt werden. [11] Manche Extrakte ätherischer Öle enthalten große Mengen Alkohol. Diese Mischungen sollten in der Schwangerschaft wegen möglicher negativer Einflüsse auf das heranwachsende Kind vermieden werden.

Medikamente

Ambroxol

Bei Husten in der Schwangerschaft gilt Ambroxol aufgrund seiner sehr guten Verträglichkeit als geeignetes Arzneimittel. Der Wirkstoff ist in der Lage, mithilfe bestimmter Eiweißstoffe (Enzyme) zähen, festsitzenden Schleim in den Bronchien zu lösen. Dieser kann dann leichter abgehustet werden. Unverträglichkeitsreaktionen sind bei richtiger Anwendung und Dosierung (siehe Packungsbeilage) bislang nicht bekannt.
Medikamente mit dem Wirkstoff Ambroxol sind z. B. Ambril, Mucoangin, Mucosolvan oder Paediamuc. [12]

Bromhexin

Der Wirkstoff Bromhexin ist ein enger Verwandter des Ambroxol und bekämpft Husten mit einem identischen Wirkmechanismus über die Lösung zähen Schleims. In der Schwangerschaft wurden bislang keine schädlichen Auswirkungen von Bromhexin auf die Mutter oder das ungeborene Kind beobachtet.
Arzneimittel mit dem Wirkstoff Bromhexin sind z. B. Bisolovon, Bromhexin Krewel Meuselbach oder BROMHEXIN 8 Berlin-Chemie. [13]

Acetylcystein

Acetylcystein ist ebenfalls ein gut verträgliches Arzneimittel gegen Husten in der Schwangerschaft. Der Wirkstoff kann zähen Schleim in den Atemwegen verflüssigen, der dann leichter abgehustet werden kann. Acetylcystein sollte mit viel Flüssigkeit (mindestens ein Glas Wasser oder mehr) eingenommen werden, um so effektiv wie möglich zu wirken. Unverträglichkeitsreaktionen bei richtiger Dosierung (siehe Packungsanweisung) sind bislang nicht bekannt.
Verschiedene Arzneimittel mit dem Wirkstoff Ambroxol sind z. B. ACC, Acemuc, Acetabs, Bromuc, Fluimucil, Myxofat oder Siran. [14]

Hustenstiller (Codein, Dextromethorphan, Dropropizin, Pentoxyverin, Noscapin)

Die Hustenstiller (Antitussiva) Codein, Dextromethorphan, Dropropizin, Pentoxyverin und Noscapin sind Verwandte des Betäubungsmittels Morphin. Sie wirken über eine direkte Blockierung des Hustenzentrums im Gehirn. Ähnlich wie Morphin erstrecken sich Nebenwirkungen der genannten Hustenstiller jedoch auch auf andere Regionen im Gehirn. So kann es zu Bewusstseinseintrübungen oder einer Abflachung der Atmung kommen. Ebenso ist bei manchen der genannten Wirkstoffe ein Risiko für eine Suchtentwicklung gegeben. Die schädlichen Wirkungen können sichauf das ungeborene Kind übertragen. Hustenstiller sollten aus diesem Grund nur, wenn unbedingt nötig, und in klarer Absprache mit dem verordnenden Arzt zur Therapie von Husten in der Schwangerschaft eingenommen werden.[15]

Antibiotika

Wurden Bakterien in einem Rachenabstrich nachgewiesen bzw. besteht ein begründeter Verdacht auf eine bakterielle Infektion der Atemwege, können oder müssen gegebenenfalls Antibiotika zur Therapie des Hustens zum Einsatz kommen. Antibiotika müssen von einem Arzt verschrieben werden. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem jeweils nachgewiesenen Bakterium bzw. dem sichtbaren Behandlungserfolg einer auf Verdacht begonnenen Therapie. In der Regel sind Antibiotika, die bei Infekten mit Husten eingesetzt werden, schwangerschaftsverträglich.[16] Wichtig ist eine Einnahme genau nach den Empfehlungen des verordnenden Arztes.

Zu beachten

Husten im Rahmen eines Erkältungsinfektes ist in der Regel selbstlimitierend, das heißt, er verschwindet zumeist innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen auch ohne äußeres Zutun. Grundsätzlich stellt der Husten gewöhnlich auch keine große Gefahr für den Embryo dar. Speziell in der Frühschwangerschaft sollte jedoch prinzipiell wegen möglicher Risiken für den sich entwickelnden Embryo im Mutterleib auf möglichst schonende Therapieverfahren zurückgegriffen werden.

Es gibt nur wenige Erkrankungen mit Husten, die in der Schwangerschaftsperiode tatsächlich gefährlich für den Embryo im Mutterleib sein können. Hierunter zählt zum Beispiel die sogenannte Schwangerenlisteriose mit Beteiligung der Lunge. Eine Listeriose ist eine Infektion mit stäbchenförmigen Bakterien (Listerien). Eine Listeriose kann beispielsweise durch Verzehr von Rohmilchprodukten hervorgerufen werden. Schwangere sollten auf den Verzehr von Rohmilchprodukten in der gesamten Schwangerschaft verzichten. Eine Listeriose kann antibiotisch behandelt werden.[17]

Generell Warnhinweise für eine erkältete Schwangere sind ein blutiger Auswurf beim Husten, ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl, sehr starke Schmerzen oder ein ziehendes Gefühl im Unterleib, vaginale Blutungen beziehungsweise blutiger Ausfluss oder Fieber über 38,5–39 °C. Diese Anzeichen machen einen Arztbesuch erforderlich.

Wichtig ist auch ein aktueller und vollständiger Impfschutz der Schwangeren, um bestimmten Erkältungskrankheiten vorzubeugen. So ist z. B. die Grippeschutzimpfung für Schwangere von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen.

Die Angaben in diesem Artikel sollen als Orientierungshilfe dienen; sie ersetzen nicht die individuelle Beratung durch einen Arzt.