Husten In der Schwangerschaft: Krankheitstypen

Reizhusten nachts (Schwangerschaft)

© PantherMedia / Karel Miragaya

Nächtlicher Reizhusten stört den Nachtschlaf und kann damit die Stimmung des gesamten nächsten Tages beeinflussen. Tritt der Husten in der Schwangerschaft auf, wird verständlicherweise doppelt genau auf die Symptome geschaut und lieber auf Nummer sicher gegangen. Welche Ursachen bei Schwangeren zu einem Reizhusten führen können, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist und was es bei der Behandlung zu beachten gibt, wird in folgendem Text erklärt.

Ursachen für nächtlichen Reizhusten in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft ist der häufigste Grund für Reizhusten ein normaler Infekt der Luftwege. Dieser kann entweder durch Viren, beispielsweise Rhino-, Adeno- oder Parainfluenzaviren, ausgelöst werden oder eine bakterielle Ursache haben. Neben Husten kann sich dieser Infekt mit einer verstopften oder laufenden Nase, Kopf- und Gliederschmerzen und gelegentlich Fieber zeigen. Da sich während der Schwangerschaft das Immunsystem stark verändert, um richtig auf das ungeborene Kind reagieren zu können, tendieren manche Schwangere zu einer erhöhten Infektanfälligkeit [1]. Der Husten kann sich nachts verstärken, wenn die Raumluft zu trocken ist oder sich vermehrt auf den Hustenreiz konzentriert werden kann.

Nicht selten führt eine Allergie zu nächtlichem Reizhusten. Insbesondere eine Allergie gegen Hausstaubmilben tritt häufig nachts auf, wenn man durch Decken, Kissen und Matratze von Stoff umgeben ist. Reizhusten kann außerdem ein Vorbote eines Asthmas bronchiale sein, das mit Husten- und Atemnotattacken und Schwierigkeiten beim Ausatmen (mit einem charakteristischen Ausatemton, dem Giemen) verbunden sein kann. Gerade in der Schwangerschaft ist es wichtig, die Asthmatherapie gut einzustellen, da sonst ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Frühgeburten besteht [2].

Oft leiden Schwangere unter Schnupfen oder einer verstopften Nase (Schwangerschaftsrhinitis). Verantwortlich dafür ist die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft. Im Liegen läuft dabei eventuell Schleim in den Rachen und kann so einen Hustenreiz auslösen und damit die Ursache für nächtlichen Reizhusten darstellen [3]. Auch eine verstärkte Mundatmung und damit verbunden trockenere Schleimhäute können einen Reiz darstellen.

Ein häufiger Grund für nächtlichen Reizhusten ist die gastroösophageale Refluxkrankheit, die häufig unter ihrem Hauptsymptom, dem Sodbrennen, bekannt ist. Dabei steigt durch einen zu schwachen Muskelring am Übergang von Speiseröhre zu Magen Magensäure in die Speiseröhre hinauf und führt dabei zu dem charakteristischen Brennen hinter dem Brustbein. Über körpereigene Reflexe kommt es dabei gelegentlich zu einem Hustenreiz. Zusätzlich kann, gerade im Liegen, und damit häufig nachts, die Magensäure am Übergang zwischen Speise- und Luftröhre die Atemwege reizen und so zu Reizhusten führen. Das Risiko, an einer Refluxkrankheit zu leiden, erhöht sich durch eine Schwangerschaft, da sich durch das Wachsen des Kindes der Druck im Bauch erhöht und so auch mehr Druck auf den Muskelring am Magen ausgeübt wird. Dieser Effektverstärkt sich noch einmal im Liegen und somit in der Nacht [4].

Behandlung von Reizhusten in der Schwangerschaft

Allgemein gilt bei der Behandlung von Erkrankungen in der Schwangerschaft, dass der Arzt lieber einmal zu viel als einmal zu wenig aufgesucht werden sollte. Ein normaler Erkältungsinfekt ist jedoch auch in der Schwangerschaft harmlos und kann, gerade wenn er ohne Fieber auftritt, zu Hause behandelt werden. Treten jedoch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen zusammen mit dem Reizhusten auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden, da es sich dann beispielsweise auch um eine Grippe (Influenza) handeln kann, die für Mutter und Kind gefährlich werden kann.

Da für viele Medikamente zu wenig Testergebnisse vorliegen, um sie bedenkenlos in der Schwangerschaft zu empfehlen, sollte im Zweifelsfall immer der Frauenarzt mit einbezogen werden. Auch Fachärzte, z.B. Hals-Nasen-Ohren- oder Lungenfachärzte, kennen sich häufig mit der Behandlung von Schwangeren in ihrem Fachgebiet, also z.B. bei Allergien und Asthma, aus und können beraten, welche Medikamente weiter genutzt und welche vermieden werden sollten.

Der Griff zu pflanzlichen Medikamenten erscheint oft die risikoärmere Wahl. Doch auch hier sollte in der Apotheke immer auf die Schwangerschaft hingewiesen werden, da einige pflanzliche Wirkstoffe die Schwangerschaft negativ beeinflussen können. Im ersten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) können pflanzliche Hustensäfte auf Efeu- oder Thymianbasis (z.B. Prospan®, Thymipin®, Aspecton®) Linderung verschaffen [5]. Tees feuchten die Schleimhäute an und verhindern so einen neuen Hustenreiz. Das Lutschen von Pastillen (z.B. isla-moos®, Lemocin®, Ipalat®) legt einen schützenden Film auf die Schleimhäute, damit kleine durch den Husten entstandene Reizungen nicht eine erneute Hustenattacke auslösen.

Unter strenger ärztlicher Überwachung können ab dem zweiten Trimenon auch Hustenstiller (Antitussiva) zum Einsatz kommen, wenn der Reizhusten nicht mehr zu tolerieren ist oder langfristig den Nachtschlaf stört. Diese enthalten die Wirkstoffe Clobutinol oder Dextromethorphan(z.B. NeoTussan®, Silomat®, Hustenstiller-ratiopharm®), die teilweise zentralnervös das Atemzentrum beeinflussen. Diese Säfte dürfen jedoch nicht mehr kurz vor der Geburt angewendet werden, da sonst das Baby nach der Geburt Atemprobleme bekommen kann [5].

Liegen eine Allergie oder ein Asthma vor, sollte zuerst versucht werden, das auslösende Allergen zu vermeiden. Bei einer Staubmilbenallergie können Matratzenüberzüge im Bett helfen, ein Haustier muss eventuell zumindest für den Zeitraum der Schwangerschaft weggegeben werden [6]. Da in der Schwangerschaft versucht wird, möglichst wenig systemisch wirksame, also den ganzen Körper betreffende, Medikamente einzusetzen, sind sowohl bei Allergien als auch bei der Schwangerschaftsrhinitis Nasensprays mit Salzwasser oder einer geringen Menge Kortison empfohlen. Diese verhindern dann auch, dass Schleim in den Rachen fließt und dort Reizhusten auslöst. Eine Asthmatherapie kann weiterhin mit Betamimetika-Sprays (z.B. Sultanol®, Cyclocaps® Salbutamol, Berotec®), welche die Bronchien weitstellen, und entzündungshemmenden kortisonhaltigen Sprays (z.B. Pulmicort®, Ventolair®, Sanasthmax®) durchgeführt werden; dies sollte in enger Zusammenarbeit mit dem Lungenfacharzt geschehen. Die Behandlung fortzuführen, ist prinzipiell risikoärmer als einen Asthmaanfall zu riskieren, bei dem die Sauerstoffversorgung des Babys gefährdet sein kann [2].

Sowohl bei Schnupfen als auch bei der Refluxkrankheit kann eine Veränderung der Schlafposition dazu führen, dass sich kein nächtlicher Reizhusten einstellt. Ein auf Kissen hoch gelagerter Oberkörper vermindert den Druck des Schwangerschaftsbauches und damit den Druck im Brustkorb – der Reflux wird dadurch weniger. Zusätzlich kann Schleim aus der Nase abfließen und reizt nicht die Rachenschleimhaut. Regelmäßiges Lüften und das Öffnen der Badezimmertür können die Luft im Schlafzimmer anfeuchten und so gegebenenfalls die Schlafqualität verbessern.

Zu beachten

Häufiges Husten erfordert die Anspannung der Bauchmuskulatur. Durch die Gebärmutter und das Fruchtwasser ist das Kind jedoch gut geschützt und es muss keine Sorge bestehen, dass das Kind durch die Hustenstöße verletzt wird.

Eine normale Erkältung kann jeden erwischen, auch Schwangere. Gerade wenn weitere kleine Kinder im Haushalt leben, die aus dem Kindergarten Infektionen mit nach Hause bringen, ist eine Ansteckung oft nicht zu vermeiden, jedoch auch nicht gefährlich. Aufgepasst werden sollte jedoch bei allen Arten von „Kinderkrankheiten“ wie Windpocken, Masern und Röteln, da diese für das ungeborene Kind gefährlich werden können. Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass alle Familienmitglieder vollständig geimpft sind [7]. Auch die echte Grippe (Influenza) führt bei Schwangeren häufiger zu Komplikationen. Damit keine Gefahr für Mutter und Kind besteht, wird allen Schwangeren empfohlen, sich gegen die Grippe (Influenza) impfen zu lassen [8].

Schon aufgrund der Schwangerschaft sollte im Umfeld von Schwangeren nicht geraucht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn zusätzlich eine Hustensymptomatik besteht [9].