Husten In der Schwangerschaft: Krankheitstypen

Starker Husten (in der Schwangerschaft)

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Wenn eine Frau während der Schwangerschaft krank wird, ist dies häufig ein Grund zu großer Sorge, ob sich die Erkrankung auch auf das Kind auswirken kann. Erkältungen(grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung) sind häufig in der Schwangerschaft und nicht selten klagen die betroffenen Frauen über einen starken Husten (Tussis).Schwangere zeigen eine leicht erhöhte Ansteckungsneigung, die auf die ungewöhnliche Situation ihres Immunsystems während dieser besonderen Zeit zurückzuführen ist.Im folgenden Text soll erklärt werden, wie es zu diesem Husten kommen kann und was es für Möglichkeiten der Behandlung gibt.

Infos zum starken Husten (in der Schwangerschaft)

Das Immunsystem des Menschen besteht aus mehreren Mechanismen, die den Körper davor schützen sollen, durch eingedrungene Erreger krank zu werden. Dabei kann es, wenn es normal entwickelt ist, genau zwischen körperfremden und körpereigenen Stoffen unterscheiden. Körperfremde Stoffe gelten normalerweise als Eindringlinge und sollen unschädlich gemacht werden.

Ist eine Frau schwanger, so besteht der Fötus (das heranwachsende Kind) in ihrem Bauch allerdings nicht nur aus Teilen ihres Erbgutes (körpereigen), sondern auch aus denen des Kindsvaters (körperfremd) [1]. Hier muss das Immunsystem umschalten. Es ist gezwungen, nun auch körperfremde Strukturen zu tolerieren, damit das Kind nicht abgestoßen wird. Darüber hinaus empfängt der Fötus über die Nabelschnur einige Abwehrstoffe von der Mutter, da er diese selbst noch nicht bilden kann.
Diese Gegebenheiten zeigen, dass das mütterliche Immunsystem stark gefordert ist. So kommt es in dieser Zeitspanne häufiger vor, dass Erreger in den Körper eindringen und anstatt in ausreichendem Maße abgetötet zu werden, einen Husten, meist im Rahmen einer Erkältung, hervorrufen können [2].

Der Husten ist ein Krankheitssymptom und dient als Schutz- und Reinigungsmechanismus der Atemwege[3]. Als letzterer befördert er eingeatmete Erreger, Stäube oder Fremdkörper aus dem oberen und unterem Atemtrakt. Dieser Vorgang erklärt sich wie folgt: Aktiviert ein Fremdkörper oder ein anderer Reiz, beispielsweise durch eine Entzündung ausgelöst, eine definierte Stelle in der Schleimhaut (Rezeptor) ,wird diese Information an das Gehirn weitergeleitet. In der Folge wird die Atemmuskulatur, die Bauchmuskulatur und die Muskeln des Kehlkopfs aktiviert. Die Bauch- und Atemmuskulatur spannt sich ruckartig an und sorgt somit dafür, dass die Luft aus der Lunge ausgestoßen wird. Während die Luft den Kehlkopf passiert, entsteht das typische „Hustengeräusch“ [3]. Mit Hilfe des Hustens kann der in der Lunge gebildete Schleim herausbefördert werden.

Der Husten kann typischer Weise begleitet werden von einem Schnupfen (Rhinitis), Fieber (Pyrexie), Abgeschlagenheit sowie Kopf- (Cephalgie) und Gliederschmerzen.
Da wie oben beschrieben beim Husten die Bauchmuskulatur stark angespannt und so ein erhöhter Druck auf den Bauch ausgeübt wird, beschäftigt viele Schwangere die Frage, ob ihr Kind dadurch geschädigt werden könnte. Da sich der Fötus gut ausgepolstert in der Fruchtblase befindet und darin von Fruchtwasser umgeben wird, können diese Druckschwankungen gut abgefedert werden. Muss die Mutter husten, so wirkt das Fruchtwasser wie eine Art Stoßdämpfer und das Baby verspürt keinen schädlichen Druckanstieg [4]. Ist der Husten jedoch so stark und die werdende Mutter fühlt sich sehr beeinträchtigt, können teilweise vorzeitige Wehen ausgelöst werden.

Handelt es sich wie beschrieben nur um einen banalen Infekt, ist davon auszugehen, dass er innerhalb von vier Wochen, spätestens acht Wochen spontan ausheilt [3].

Auch wenn viele banale Infekte der Atemwege, die von starkem Husten begleitet werden, ungefährlich sind, gibt es schwerwiegende Ausnahmen. Infiziert sich die Mutter mit bestimmten Viren, kann dies eine direkte Schädigungen des Kindes nach sich ziehen. Ein Beispiel dafür sind die Ringelröteln (Parvovirus B19). Beispielsweise durch ältere Geschwister aus dem Kindergarten nach Hause mitgebracht, können sie auf die Mutter übergehen. Es zeigt sich zunächst eine unkomplizierte Erkältung. Leider wird die Erkrankung über die Nabelschnur auf das ungeborene Kind weitergeleitet. Dieses ist dann für mehrere Tage oder auch Wochen nicht fähig, rote Blutkörperchen zu bilden und bekommt eine Blutarmut (Anämie). Häufig tritt parallel zu den Erkältungsanzeichen ein roter Ausschlag auf. Wird schnell genug vom Arzt reagiert, lässt sich der Verlust an roten Blutkörperchen über eine Bluttransfusion (Blutspende) ausgleichen [4].

Ein unangenehmer Nebeneffekt des starken Hustens in der Schwangerschaft stellt eine möglicherweise auftretende Inkontinenz (Abgang von kleinen Tropfen Urins) dar. Schon durch die Gewichtszunahme des Kindes wird der Druck auf den Bauch und die Blase verstärkt. Muss die werdende Mutter husten, nimmt der Druck weiter zu, da die Bauchmuskeln zusätzlich angespannt werden. Bei 17-54 % der Schwangeren hält der Schließmuskel am Blasenausgang diesem Druck nicht mehr vollständig stand und es gehen, gerade beim Husten oder auch beim Lachen (ähnliches Prinzip), ein paar Tropfen Urin ab [4].

Behandlungen des starken Hustens (in der Schwangerschaft)

Behandlungen des starken Hustens als Teil eines banalen Infektes der oberen Atemwege:

  • Viel Schlaf, vitaminreiches Essen [6]
  • mindestens 1-2 Liter Flüssigkeit am Tag trinken Zur Lösung des Schleimes, der vermehrt bei einer Infektion der Atemwege gebildet wird, sollte viel Flüssigkeit (z.B. Kräutertee) getrunken werden, die dem Körper gleichzeitig Wärme spenden [5].
  • Inhalation z.B. mit Kamille, unbehandelten Salzen oder Fencheltee Achtung! Auf einige Zusätze sollte verzichtet werden, da sie Wehen auslösend wirken können, wie zum Beispiel: Eukalyptus, Minze, Lavendel, Salbei, Kampfer und Thymian [6]
  • Hustenlöser (zur Verflüssigung des Schleimes), wenn es der Arzt empfiehlt
    Es liegen keine fundierten Daten über die Auswirkungen von schleimlösenden Medikamenten auf eine Schwangerschaft vor, darum muss ein Facharzt entscheiden, ob es notwendig ist, ein solches Präparat einzunehmen.
  • Hustenstiller (zur Unterdrückung des Hustenreizes),wenn es der Arzt empfiehlt
    Es liegen auch hier keine fundierten Daten vor, die die Auswirkungen auf eine Schwangerschaft und gegebenenfalls auf das ungeborene Kind vorhersagen können. Darum muss auch hier unbedingt ein Arzt entscheiden, ob diese Medikamente genommen werden dürfen.

Behandlungen des starken Hustens im Zusammenhang mit schweren Viruserkrankungen

  • Sobald sich Menschen mit dem Cytomegalie-Virus, den Ringelröteln, Mumps oder ähnlichen Krankheiten im direkten Umfeld befinden, sollte der Kontakt vermieden werden [7].
  • Bei Erscheinen eines starken Ausschlages zeitgleich mit einer Erkältung sollte unbedingt unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden [7].
  • Schon vor der Schwangerschaft sollten sich Frauen untersuchen lassen, ob sie einen ausreichenden Impfschutz gegen Krankheiten wie Masern oder Röteln haben [7].

Zu beachten

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die in der Schwangerschaft eingenommen werden können, allerdings sollten diese immer von einem Arzt empfohlen werden. Sehr wichtig ist es, sich genau darüber zu informieren. Da bei schwangeren Frauen nur wenige Studien durchgeführt werden, liegen oft keine klaren Daten vor, die die Harmlosigkeit des Medikamentes auf das Kind beweist. Es sollte darum lieber auf nichtmedikamentöse Möglichkeiten zur Linderung der Beschwerden zurückgegriffen werden.