Husten In der Schwangerschaft: Krankheitstypen

Starker Reizhusten (Schwangerschaft)

© PantherMedia / Jiri Hera

Starker Reizhusten kann während der Schwangerschaft verschiedene Ursachen haben. Die Ursache kann zum einen in den anatomischen und normalen (physiologischen) Veränderungen während einer Schwangerschaft liegen, zum anderen aber auch ohne Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen. Zu den häufigsten Ursachen, die nicht im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft stehen, zählt eine Influenza (Grippe) oder Erkältung. Starker Reizhusten ist eine typische Begleiterscheinung zu Beginn einer Erkältung oder Influenza (Grippe). Während einer Schwangerschaft kann starker Reizhusten jedoch auch häufig durch die Refluxkrankheit (gastroösophagealen Reflux, GERD), bei der der Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt, ausgelöst werden. Vor allem im dritten Schwangerschaftsdrittel (3. Trimenon) kann diese auftreten.Im folgenden Abschnitt wird näher auf die beiden Ursachen gastroösophagealer Reflux und Erkältung bzw. Grippe eingegangen. Es werden die wichtigsten Ursachen sowie die Behandlung dieser Ursachen und relevante Tipps besprochen[1].

Ursachen von starkem Reizhusten während der Schwangerschaft

Bei einem Reizhusten handelt es sich um ein sehr allgemeines Symptom. Daher kommt es sehr stark auf den Zusammenhang an, in dem es auftritt, um auf die Ursache schließen zu können. Sehr häufig wird beständiger Reizhusten durch eine Erkältung oder Grippe (Influenza) ausgelöst. Im Rahmen einer Schwangerschaft kommt auch häufig ein gastroösophagealer Reflux (GERD) vor. Daneben kann Reizhusten auch durch Allergien, Chemikalien, Asthma und andere Erkrankungen ausgelöst werden [2].

Bei einer Erkältung oder einer Influenza handelt es sich in beiden Fällen um Infektionskrankheiten. Eine Erkältung verläuft im Allgemeinen mit schwächeren Symptomen als eine Influenza und wird durch eine Reihe verschiedener Viren und zum Teil auch Bakterien verursacht. Die Grippe (Influenza) kann in seltenen Extremfällen sogar lebensgefährlich werden und wird durch Influenzaviren verursacht. Der Reizhusten entsteht in beiden Fällen als schützender Reflex, um die Krankheitserreger aus dem Rachen zu entfernen und eine Infektion der unteren Atemwege zu verhindern. Durch diesen Reflex kann Schlaflosigkeit und Müdigkeit als Begleiterscheinung entstehen. Ausgelöst wird der Reizhusten wahrscheinlich durch eine Entzündung des oberflächlichen Gewebes der Nase und des Rachens, die sich weiter Richtung Kehlkopf und Luftröhre ausbreitet. Durch die Entzündung werden spezielle Entzündungsmoleküle (Entzündungsmediatoren) gebildet, die das Gewebe unter anderem sensitiver machen. Die Moleküle führen so zu einer Übersensibilisierung der wahrnehmenden (sensorischen) Nerven. Dadurch kann schon das Einatmen von Luft ausreichen, um den Hustenreflex auszulösen. Typische Begleiterscheinungen einer Erkältung sind außerdem Halsweh, tränende Augen,Niesen, Schnupfen (Rhinitis), verstopfte Nase, Kopfweh und ständiges Kältegefühl. Bei einer Influenza können zusätzlich Symptome wie Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit auftreten [3].

Wenn ein gastroösophagealer Reflux den Reizhusten auslöst, dann ist die eigentliche Ursache für den Reizhusten der aufsteigende Magensaft. Der Magensaft hat einen stark sauren pH-Wert und kann das Gewebe außerhalb des Magens schädigen. Bei einem gastroösophagealen Reflux kann Magensaft austreten und die Speiseröhre hinaufrinnen. Wenn der Magensaft bis in die Nähe des Kehlkopfs gelangt, kann Reizhusten die Folge sein. Zu den Begleiterscheinungen eines gastroösophagealen Refluxes zählen Sodbrennen (vor allem im Liegen), Schmerzen und Druckgefühl im Bereich des Magens, Luftaufstoßen, Übelkeit,Erbrechen, Aufstoßen von Mageninhalt (Regurgitation),Heiserkeit und Herzbrennen. Diese Symptome werden durch Faktoren wie Rückenlage, Nikotinkonsum, Alkoholkonsum, Kaffeegenuss, Anstrengung, Adipositas, große und späte Mahlzeiten, Stress sowie Schwangerschaft verschlimmert. Im Rahmen einer Schwangerschaft spielt aber vor allem das Stadium der Schwangerschaft eine wichtige Rolle, da der Magen mit Fortschreiten der Schwangerschaft immer stärker nach oben gedrückt wird [4].

Behandlung von starkem Reizhusten während der Schwangerschaft

Nachdem starker Reizhusten eine Reihe von Ursachen haben kann, muss sich auch die Behandlung nach der Ursache richten. Wenn der starke Reizhusten während der Schwangerschaft durch einen gastroösophagealen Reflux (GERD) ausgelöst wird, stehen klassische Arzneimittel zur Verfügung, aber auch allgemeine Maßnahmen können massiv helfen, den Rückfluss (Reflux) einzuschränken. Zu den allgemeinen Maßnahmen zählen unter anderem Verzicht auf Kaffee und eine Nikotin- und Alkoholkarenz. In der Schwangerschaft kann es auch hilfreich sein, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen, damit der Magensaft nicht die Speiseröhre hinauflaufen kann. Ebenfalls relevant ist der Verzicht auf späte Mahlzeiten, eine Ernährungsumstellung auf kleine kohlenhydrat- und fettarme Mahlzeiten und eine Gewichtsabnahme. Gewisse Arzneimittel können ebenfalls den Verschluss (Sphinkter) zwischen Magen und Speiseröhre negativ beeinflussen und damit den gastroösophagealen Reflux erleichtern. Zu diesen sphinkterdrucksenkenden Medikamenten gehören zum Beispiel Anticholinergika (unterdrücken die Wirkung von Acetylcholin im parasympathischen Nervensystem),Spasmolytika (gegen Verkrampfung) Nitropräparate (erweitern unter anderem Blutgefäße zum Beispiel im Fall von Herzproblemen) und Kalziumantagonisten (z. B. gegen Bluthochdruck durch Senkung des Kalziumeinstroms). Wenn diese Arzneimittel eingenommen werden und ein gastroösophagealer Reflux besteht, ist es sinnvoll, diese Arzneimittel abzusetzen. Als Bedarfstherapie stehen bei gastroösophagealen Reflux Protonenpumpeninhibitoren (z. B. Omeprazol) zur Verfügung. Protonenpumpeninhibitoren hemmen die Bildung von Säure (Salzsäure) im Magen. Auch Antazida oder H2-Rezeptorantagonisten können verschrieben werden. Bei Antazida handelt es sich um Substanzen mit einem basischen pH-Wert, die, nach der Einnahme, im Magen den Säuregehalt reduzieren. H2-Rezeptorantagonisten ähneln dem Histamin und blockieren Histamin-Rezeptoren. Diese sind ebenfalls für die Sekretion von Magensäure zuständig, die nach Einnahme des Arzneimittels nicht mehr derart intensiv stattfindet. All diese Arzneimittel sollten immer nur kurzfristig (bei Beschwerden) eingenommen werden [5][6].

Auch eine Erkältung oder eine Grippe (Influenza) kann unter anderem von einem starken Reizhusten begleitet werden. Für die Behandlung eines Reizhustens, der durch eine Erkältung oder Grippe ausgelöst wird, stehen sowohl eine Reihe von wirksamen Hausmitteln als auch klassische Arzneimittel zur Verfügung. Generell bezieht sich der Behandlungsschwerpunkt bei einer Erkältung oder Grippe sowohl bei klassischen Arzneimittel als auch Hausmitteln stark auf die Linderung der Symptome. Die Beschwerden werden solange reduziert, bis der Körper einen Weg findet, die Infektion effektiv zu bekämpfen.
Folgende Hausmittel helfen einen starken Reizhusten zu bekämpfen:

  • Honigmilch mit/ohne Butter
  • Rettich-Honig
  • Vollbad mit Thymianöl oder Thymianaufguss
  • Dampfinhalation mit Kamille
  • Zwiebelsirup
  • Zwiebelsaft mit Kandis
  • Brustwickel mit Magerquark
  • Tee: Anistee, Fencheltee, Thymiantee, Hustentee-Mischung, Eibischwurzeltee
  • Brustkompresse mit Lavendelöl, Latschenkiefernöl oder Eukalyptusöl [7]

Aus schulmedizinischer Sicht werden zur Hustenbekämpfung vor allem hustenreizlindernde Arzneimittel (Antitussiva) eingesetzt. Diese wirken direkt auf den Hustenreiz und hemmen ihn. Während der Schwangerschaft können unter anderem Codein,Dihydrocodein und Dextromethorphan eingesetzt werden. Alle drei Wirkstoffe sind mit dem Wirkstoff Opium verwandt und können bei missbräuchlicher Verwendung abhängig machen. Dextromethorphan hat nur ein schwaches Abhängigkeits- und Suchtpotenzial. In den verabreichten therapeutischen Dosen wirkt es weder die Atmung unterdrückend (atemdepressiv) oder schmerzhemmend (analgetisch). Codein und Dihydrocodein sind, noch spezieller eingeordnet, Morphin-Derivate. Im Körper werden Codein und Dihydrocodein in Morphin umgewandelt. Beide Wirkstoffe haben ein mögliches Potenzial abhängig zu machen und bei längerer, missbräuchlicher Einnahme können Atemdepression (Abnahme der Atemfrequenz und folgend Sauerstoffunterversorgung) und opiattypische Entzugserscheinungen bei Neugeborenen auftreten[8]. Ein Arzt wird diese Substanzen nie in einer kritischen Dosierung an Schwangere verschreiben. Gefahr besteht allerdings bei Eigenmedikation.

Die direkte Bekämpfung eines Reizhustens liegt natürlich auf der Hand, aber in vielen Fällen wird die Wirkung von allgemeinen Maßnahmen unterschätzt. Gleich wie bei einem gastroösophagealen Reflux gibt es Möglichkeiten, den Beschwerden entgegenzuwirken, ohne stark in den Stoffwechsel eingreifen zu müssen. Zu diesen Maßnahmen zählen unter anderem häufiges Lüften, viel zu trinken, das Vermeiden von zu raschen Temperaturänderungen, das Reduzieren von direktem Personenkontakt, das Essen von viel Obst und Gemüse, die Einnahme von Zink, häufiges Händewaschen und regelmäßige Bewegung und an der frischen Luft [9].

Zu beachten

Bevor Arzneimittel während Schwangerschaft eingenommen werden, sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Arzneimittel können während einer Schwangerschaft eine veränderte Wirkung zeigen und die Mutter oder auch das Kind irreversibel schädigen.

Während einer Schwangerschaft sollte lieber einmal zu oft als zu wenig ein Arzt aufgesucht werden. Wenn während der Schwangerschaft starker Reizhusten auftritt und länger als eine Woche bestehen bleibt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Um Erkältungen und die Grippe in der Gesellschaft sinnvoll unter Kontrolle zu halten, empfiehlt es sich während der Winterzeit häufig die Hände zu waschen. Wenn man sich angesteckt hat, sollte der direkte Personenkontakt reduziert werden [9].