Grippe: Impfstoff

Grippeimpfung & Quecksilber

© PantherMedia / Khuntnop Asawachiwantorngul

Immer wieder werden Gerüchte über Zusammenhänge zwischen quecksilberhaltigen Impfstoffen und neurologischen Schäden laut.[1] Ob tatsächlich ein gesundheitsrelevanter Einfluss besteht und wie diese Gerüchte entstehen, wird im folgenden Text erklärt.

Medizinische Fakten

Quecksilberverbindungen werden in Impfstoffen als Konservierungsmittel verwendet, um auch in suboptimalen Lagerungs- und Transportprozessen die Sicherheit und Effektivität des Impfstoffs sicherzustellen und die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen in der Impfstoffflüssigkeit zu verhindern. Eine früher oft verwendete Substanz ist Thiomersal. Auch in Grippeimpfstoffen war lange Zeit Thiomersal als Konservierungsmittel enthalten. Diese werden jedoch nur benötigt, wenn der Impfstoff in Fläschchen enthalten ist, aus denen mehrere Impfdosen gezogen werden. Aus einer Flasche werden dann zum Beispiel zehn Personen geimpft oder eine Person wird aus dem Fläschchen mehrfach geimpft. Da hier die Gefahr einer Keimverschleppung (Kontamination) durch das mehrmalige Einstechen mit der Kanüle höher ist als bei einzeln verpackten Impfdosen, kann hier noch nicht komplett auf das Konservierungsmittel Thiomersal verzichtet werden.[2] Solche Mehrfachampullen werden heutzutage jedoch meist nur noch im Rahmen von Impfprogrammen in Entwicklungsländern verwendet, in denen ein starkes Konservierungsmittel von Vorteil ist, weil unter Umständen die Kühlkette bei mangelhafter Infrastruktur nicht gesichert werden kann und die Mehrfachampulle zudem einen Kostenvorteil bietet.[3] In den meisten Industrienationen werden für die Grippeschutzimpfung einzeln verpackte Spritzen, die den Impfstoff schon enthalten, verwendet. Dies führt dazu, dass in den meisten hierzulande verwendeten Grippeimpfstoffen keine Quecksilberverbindungen mehr genutzt werden.[4] Mittlerweile wird zudem der komplette Impfkalender der Schutzimpfungen im Kindesalter mit Quecksilber-freien Impfstoffen durchgeführt. Die Entwicklung von weiteren Thiomersal-freien Impfstoffen wird weiterhin vorangetrieben.

In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut für die Überprüfung der Impfstoffsicherheit zuständig. Dieses Institut prüft regelmäßig Hypothesen, nach denen ein Zusammenhang zwischen Quecksilberverbindungen und Autismus, Entwicklungsstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen bestehen soll. Nach Analysen der Impfsicherheitsdaten stellte das Institut fest, dass Quecksilberverbindungen zwar in sehr seltenen Fällen lokale allergische Reaktionen auslösen können, jedoch kein Zusammenhang zu neurologischen Erkrankungen nachweisbar war.[5] Während Quecksilber zwar grundsätzlich nieren- und nervenschädigend (nephro- und neurotoxisch) sein kann, ist dies nur bei einer etwa 1000-100.000-fach erhöhten Dosis als sie in Impfungen zu finden ist, zu erwarten. Der maßgeblich größere Anteil des aufgenommenen Quecksilbers stammt aus der Nahrung und dem Trinkwasser. Die Risiko-Nutzen-Berechnung des Paul-Ehrlich-Instituts kommt zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko einer zurzeit nicht nachweisbaren Schädigung des Nervensystems überwiegt.

Wie entstehen die Gerüchte?

Ein häufiger Grund für die Entstehung von Gerüchten wie dem oben genannten ist die Verallgemeinerung und Vereinfachungen von chemischen Sachverhalten. So wurden beispielsweise die meisten Tests und Studien zur Schädlichkeit von Quecksilber mit dem in der Natur häufig vorkommenden Methylquecksilber durchgeführt. Die Ergebnisse wurden dann auf das in Thiomersal enthaltene Ethylquecksilber übertragen. Neue Studien zeigen jedoch, dass diese Annahme eher nicht zu halten ist, da Ethylquecksilber sehr viel schneller aus dem Körper ausgeschieden wird und somit einen kleineren Teil als Methylquecksilber zur Quecksilberanreicherung im Körper ausmacht.

Auch fehlen häufig die Relationen: Quecksilbergrenzwerte für Trinkwasser sind beispielsweise deshalb so niedrig gesetzt, weil von einer relativ großen Menge an aufgenommenem Trinkwasser pro Person ausgegangen werden muss. Dies steht in starkem Gegensatz zur Aufnahme von einer (einmaligen) Impfung. Ein anderes Beispiel ist der Fischkonsum: So enthält etwa eine normale Portion Schwertfisch über zehn mal mehr Quecksilber (und zwar das schlechter auszuscheidende Methylquecksilber) als eine Grippeimpfung aus einem Mehrfachfläschchen.[6]Letztendlich geht es also oft um eine Nutzen-Risiko-Abwägung, die im Falle der Grippeimpfung klar auf der Seite des Nutzens liegt.

Zu beachten

Bestehen Allergien gegen Inhaltsstoffe von Impfungen, sollte dies mit dem Arzt besprochen werden. Meist gibt es dann einen Alternativimpfstoff. Generell ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner für Fragen rund um das Impfen und insbesondere die Grippeimpfung; gegebenenfalls können auch Apotheker über die Bestandteile der Impfstoffe informieren.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe