Husten: Klassische Arzneimittel

"ACC" Hustenlöser

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Das wichtigste in Kürze

  • Hersteller: Hexal
  • Wirkstoff: N-Acetylcystein
  • Darreichungsform: Brausetabletten, Saft, Tabletten
  • Rezeptfrei: Ja
  • Hilft gegen Husten: Ja

ACC® ist ein Medikament, welches bei Husten mit Auswurf (produktiver Husten) den Bronchialschleim locker, sowie dieSelbstreinigung der Bronchialschleimhaut verbessert, indem es zur Regeneration der mit Flimmerhärchen besetzen Zellen beiträgt. Deshalb wird ACC® zu der Gruppe der Schleimlöser (Expektorantien) gezählt wird.

Die Wirksamkeit von ACC® wurde in aktuellen Studien mehrfach angezweifelt. Trotzdem wird das Medikament gern zur Therapie von erkältungsbedingtem Husten, aber auch chronischem Husten im Rahmen von obstruktiven Lungenerkrankungen, bei denen eine Verengung der Atemwege charakteristisch ist (z. B. Asthma bronchiale, COPD), eingesetzt. 

Dabei gilt ACC® als der am häufigsten verordnete Hustenlöser in Deutschland.
Darüber hinaus besitzt das in ACC® enthaltene N-Acetylcystein eine Wirkung als Gegengift (Antidot) bei einer Paracetamol-Vergiftung. Paracetamol zählt zu den Arzneien mit schmerzlindernder und gleichzeitig fiebersenkender Wirkung und wird deshalb häufig bei Erkältungskrankheiten eingesetzt.

Die klassische Darreichungsform von ACC®, welche rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich ist, stellt die Brausetablette dar. Jedoch gibt es gerade für Kinder auch ACC® Saft, der bereits ab 2 Jahren verabreicht werden kann.

Medizinische Fakten

Husten (Tussis) ist ein sehr häufiges Symptom, welches im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen der Atemwegeeinhergehen kann. Hierbei wird zwischen trockenem Husten, auch als Reizhusten bekannt, und produktivem Husten mit Auswurf von Schleim unterschieden. Typischerweise entwickelt sich ein produktiver Husten am Ende einer Erkältungskrankheit oder auch im Rahmen von chronischen Lungenerkrankungen zu denen die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und das Asthma bronchiale gehören.

Der von der Bronchialschleimhaut gebildete Schleim ist dabei meist sehr zähflüssig und schwer abzuhusten, weshalb Schleimlöser, wie ACC® zur Besserung der Symptomatik eingesetzt werden.

ACC® enthält den Wirkstoff N-Acetylcystein, welcher mit mehreren freien Schwefelgruppen (SH-Gruppen) ausgestattet ist. Jene Schwefelteilchen binden an die Quervernetzungen der Schleimmoleküle,aus welchen der Bronchialschleim aufgebaut ist und lösen diese auf. Dadurch wird der Schleim flüssiger (visköser) und kann leichter abgehustet werden. Die höchste Wirksamkeit besitzt ACC® dabei ca. 1-3 Stunden nach Einnahme. [1]

Allerdings zeigen aktuelle Studien, dass die Wirksamkeit von ACC® nicht sicher belegt ist. Zum einen konnte gezeigt werden, dass die Bioverfügbarkeit, also der zur Wirkung zur Verfügung stehende, prozentuale Anteil des Medikaments nach erfolgter Verstoffwechselung im Körper, nur bei 10% liegt und somit sehr gering ist. Darüber hinaus berichten weitere Studien von nur einer geringfügigen Verbesserung des Krankheitsverlaufs trotz kontrollierter Einnahme von ACC®.

Obwohl also die Wirkung von ACC® umstritten ist, wird es trotzdem im Vergleich zu anderen Schleimlösern wie Ambroxol® oder Bromhexin® noch immer sehr häufig verordnet. Im vergangenen Jahr stellte ACC® mit 70%, den am meisten verordneten Schleimlöser dar. [2] Dies mag vielleicht daran liegen, dass die Wirksamkeit nach wie vor nicht abgestritten werden kann und sich mittlerweile ACC® als Standardmedikament unter den Schleimlösern etabliert hat.

Wirkungsweise bei Husten

Die Bronchien sind, sich immer weiter verzweigende, röhrenförmige Hohlräume, welche die tiefen Atemwege bilden. Sie sind ausgekleidet mit zylindrischem Epithel, das hauptsächlich schleimbildende Becherzellen enthält. Auf dem Epithel befinden sich kleine Härchen (Flimmerhärchen), welche stetig einen kontrollierten, peitschenartigen Schlag ausüben. Durch jene Schlagbewegung wird die durch die Becherzellen gebildete Schleimschicht transportiert und damit in ihr enthaltene Noxen, wie Krankheitserreger und Schadstoffe, sowie Zellschrott beseitigt. Dieser Prozess wird als mukoziliäre Clearnace bezeichnet und stellt einen Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien dar.

Im Rahmen einer entzündlichen Erkrankung, wie sie akut bei einer Erkältungskrankheit oder chronisch bei obstruktiven Lungenerkrankungen auftritt, kommt es zu einer gesteigerten Schleimproduktion. Dadurch verdickt sich die Schleimschicht und die Härchen werden vermehrt belastet und folglich beschädigt. DerTransport des Schleims kann hierdurch sogar zum Stillstand kommen.

Durch Einnahme von ACC® wird der überflüssige, zähe Schleim abgebaut. Der Schleim (Mukos) besteht aus kleinen Schleimmolekülen (Glykoproteine), welche sich zu länglichen Fasern zusammenlagern (Mukopolysaccharidfasern). Jene Fasern sind über Querbrücken (Disulfidbrücken) fest miteinander verbunden, was dem Schleim seine zähe Konsistenz verleiht. Das in ACC® enthaltene N-Acetylcystein kann jedoch mit seinen freien Schwefelteilchen an jene Querbrücken binden und sie aufspalten. 

Dadurch lockert sich das Fasergerüst und der Schleim verflüssigt sich. Dies verbessert nicht nur das Abhusten des Schleims, sondern entlastet zugleich auch die Härchen, sodass die Selbstreinigung der Bronchien unterstützt wird. [1]

Anwendung und Dosierung

ACC® 100 mg Brausetabletten:

Kinder ab 14 Jahren, sowie Erwachsene können zweimal täglich, maximal dreimal täglich jeweils zwei Brausetabletten einnehmen.
Bei Kindern von 2 bis 5 Jahren empfiehlt sich die Einnahme von zwei- bis dreimal täglich jeweils einer Brausetablette. Kinder von 6 bis 13 Jahren können drei-bis viermal täglich jeweils eine Brausetablette zu sich nehmen.
Bei der Anwendung wird die Brausetablette in einem sauberen Glas mit Wasser vollständig aufgelöst und anschließend die Lösung ausgetrunken. ACC® sollte hierbei nach den Mahlzeiten eingenommen werden, um eine bestmögliche Verfügbarkeit des Medikaments zu erzielen und Nebenwirkung zu reduzieren.

ACC® Kindersaft:
Alternativ zur Brausetablette kann auch der Saft eingenommen werden. Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren können hiervon zwei- bis dreimal täglich je 5 ml einnehmen. Ältere Kinder von 6 bis 13 Jahren können bereits zweimal täglich 10 ml des Safts trinken.
Es empfiehlt sich gerade bei Kleinkindern die Anwendung mithilfe einer Dosierspritze zu applizieren.[3]

Die genannten Angaben zur Anwendung und Dosierung stellen hierbei lediglich Empfehlungswerte dar und können in keinem Fall die Anweisung eines Arztes ersetzen.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von ACC® treten relativ häufig gastro-intestinale Nebenwirkungen auf. Hierzu zählen:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Durchfall

Ebenfalls relativ häufig wurden allergische Reaktionen beschrieben, die bis hin zum allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) reichen können. [2]

Prinzipiell sollte die Einnahme von Schleimlösern nicht gleichzeitig mit Hustenstillern (Antitussiva) erfolgen, da dadurch beide Wirkungen stark beeinflusst werden. Schleimlöser lockern den Schleim und erleichtern das Abhusten von Schleim, während Hustenstiller, den Hustenreiz unterdrücken. Aus diesem Grund sollte die Anwendung von Schleimlösern über den Tag erfolgen und zur Nacht ein Hustenstiller eingenommen werden.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Bei chronischem Husten oder Husten, der länger als 10 Tage anhält, sollte die Einnahme von ACC® nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Alternativen

Hustenlöser mit dem Wirkstoff ACC werden weiterhin von den Firmen ratiopharm® (NAC-ratiopharm® akut 600) sowie von der 1 A Pharma GmBH (NAC-600 akut – 1A Pharma®) angeboten.