Husten: Klassische Arzneimittel

Antibiotika gegen Husten (grüner Schleim)

© PantherMedia / Tatiana Gladskikh

Das Wichtigste in Kürze

  • Rezeptpflichtig: Ja
  • Hilft bei Husten: Nein (nur bei bakteriellen Infektionen)

Husten tritt als häufiges Symptom einer Erkältung, Grippe (Influenza) oder Bronchitis vermehrt in den Wintermonaten auf und kann über mehrere Tage bis Wochen andauern. Es kann sich dabei um einen trockenen Reizhusten oder auch durch von schleimigem Auswurf begleiteten Husten handeln. In den allermeisten Fällen werden diese Erkrankungen durch Viren ausgelöst, primär bakterielle Infektionen sind eine Seltenheit! In manchen Fällen kann sich jedoch eine bakterielle Sekundärinfektion auf dem Boden einer viralen Entzündung entwickeln.

Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien, wodurch ihr Einsatz bei viralen Erkrankungen nicht sinnvoll ist. In diesem Text soll über den Einsatz von Antibiotika bei schleimigem Husten aufgeklärt, sowie wichtige Informationen und Tipps zu diesem Thema gegeben werden.

Medizinische Fakten

Husten gilt als Leitsymptom von verschiedensten Erkrankungen des Respirationstraktes (Atemtraktes), sehr häufig tritt das Symptom jedoch beiInfektionen der Atemwege auf. In der Mehrzahl der Fälle (etwa 90%) handelt es sich um virale Erreger (Rhinoviren, Coxsackiviren, Influenzaviren, Adenoviren), welche über Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen werden können. Die Erreger setzten sich in den Schleimhäuten des Respirationstraktes fest und führen zu Entzündungsreaktionen mit folgender Hustenreizentstehung. Bei den Erkrankungen handelt es sich in der Regel um eine einfache Erkältung, eine Influenza oder auch akute Bronchitis.

Virale Infektionen äußern sich primär durch einen trockenen Reizhusten(unproduktiver Husten), welcher im späteren Verlauf in einen von glasigem, weißem und zähem Auswurf begleiteten Husten (produktiver Husten) übergehen kann.

Zusätzlich können auch Fieber, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Schnupfen sowie Muskel- oder Kopfschmerzen als Begleitsymptome auftreten. In der Regel heilen die Beschwerden nach einigen Tagen von selbst aus, es handelt sich somit um eine selbstlimitierende Erkrankung. Sehr selten kommen primär bakterielle Infektionen mit Pneumokokken oder Haemophilus influenzae vor.[1]

Manchmal jedoch können sich Bakterien auf den durch Viren vorgeschädigten respiratorischen Epithelien festsetzen und zu schwerwiegenden Entzündungen führen- man spricht von einer bakteriellen Superinfektion.

Im Zuge von bakteriellen Infektionen zeigt sich sehr häufig eine vermehrte Schleimbildung, welche zu eitrigem, grün-gelblichem Auswurf als Zeichen der starken Entzündungsreaktion führt. Dieser Auswurf ist daher lediglich ein Hinweis auf das Vorhandensein von Bakterien!

Zudem sollte auf Symptome wie Schüttelfrost oder hohes Fieber geachtet werden, da sich eine bakterielle Lungenentzündung (Pneumonie) als gefährliche Komplikation entwickeln kann. [2] Ein Arztbesuch ist dringend zu empfehlen.

Antibiotika gehören zu den Wirkstoffklassen der Antiinfektiva und sindspezifisch gegen Bakterien gerichtete Substanzen. Sie können Bakterien entweder in ihrer Vermehrung hemmen (bakteriostatische Wirkung) oder aber abtöten (bakterizide Wirkung). Eine Wirkung gegen Viren ist nicht gegeben!

Die einzelnen Antibiotikagruppen verfügen über unterschiedliche Mechanismen Bakterien zu bekämpfen. Man unterscheidet:

  • Antibiotika mit Hemmung der bakteriellen Zellwand-Synthese, zB. Penicilline, Cephalosporine
  • Antibiotika mit Hemmung der bakterielle Proteinneubildung (Proteinsynthese), zB. Tetrazykline, Aminoglykoside, Makrolide
  • Antibiotika mit Störung der bakteriellen DNA und RNA Bildung, wodurch eine Vermehrung nicht mehr möglich ist, zB. Chinolone, Metronidazol[3]

Die Therapie mit Antibiotika ist daher nur bei bakteriell bedingten Infektionen sowie bakteriellen Superinfektionen sinnvoll, bei viral bedingtem Husten zeigt sich keine Symptombesserung.

Bei Vorkommen eines grün-gelblichen Auswurfs sollte nur bei Vorliegen folgender Risikofaktoren eine Antibiotikatherapie gestartet werden:

  • Chronische Lungenerkrankungen (COPD, chronische Bronchitis, zystische Fibrose)
  • zusätzliche Erkrankungen des Herzens, der Leber oder der Nieren
  • hohes Alter
  • zusätzliche Infektionen im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich
  • Immundefekte, Immunsuppression durch Medikamente (zB. Cortisol, Chemotherapeutika) [4]

Bei vorliegenden Risikofaktoren eigenen sich vor allem die antibiotischen Wirkstoffgruppen der Aminopenicilline, Cephalosporine, Makrolide sowie Doxycyclin. [4]

Gibt es Unsicherheit bezüglich der Therapie, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden um weitere diagnostische Maßnahmen vorzunehmen. Eine Antibiotikaanwendung bei viralen Erkrankungen sollte vermieden werden, da sie die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegenüber Antibiotika steigert und so zur Resistenzentstehung führt! [5]

Tipps

Da Antibiotika in den meisten Fällen von Hustensymptomatik, auch bei Vorliegen von grünlichem Auswurf, nicht indiziert sind, gibt es andere nicht-medikamentöse sowie medikamentöse Optionen zur symptomatischen Therapie. Auf der Seite der Medikamente bieten sich die Substanzgruppen der Schleimlöser (Sekretolytika), Hustenblocker (Antitussiva) sowie pflanzliche Arzneien (Phytopharmaka) an.

Auf der nicht-medikamentösen Seite gilt als wichtigste Maßnahme dasEinstellen von Rauchen!

Es gibt auch verschiedenste Hausmittel, wie etwa warme Getränke, Dampfinhalationen, Brust-und Wadenwickel sowie lokale Wärme, welche eine symptomatische Besserung fördern können. Obwohl keine eindeutige Evidenz zu diesen Methoden vorliegt, wird nicht davon abgeraten. [6]