Husten: Klassische Arzneimittel

Cortison gegen Husten

© PantherMedia / Leung Cho Pan

Das Wichtigste in Kürze

  • Hersteller: diverse
  • Wirkstoffe: Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason, Flunisolid
  • Darreichungsform: Pulver, Aerosolspray, Autohaler
  • Rezeptfrei?: nein
  • Hilft bei: asthmatischem, hyperreagiblem Husten

Husten (Tussis) zählt zu den häufigsten Symptomen eines Infektes der Atemwege und kann entweder als trockener Reizhusten oder schleimfördernder (produktiver) Husten auftreten. Auslöser eines solchen Atemwegsinfektes sind zumeist Viren, seltener auch Bakterien oder beide Erregerklassen zugleich. Um den Husten angemessen zu therapieren, ist es wichtig, die Ursache des Symptoms bzw. der Erkrankung zu kennen. 

Cortison wird als Therapeutikum i. d. R. nur bei asthmatischem Reizhusten (Asthma bronchiale) eingesetzt. Asthma bronchiale kann entweder durch allergieauslösende Stoffe (z. B. Katzenhaare), physikalisch-chemische Reize (z. B. Rauchgas) oder durch die genannten Erreger von Atemwegserkrankungen ausgelöst werden. [1] Cortison ist im Regelfall nicht dazu geeignet, nichtasthmatischen Husten zu behandeln. Bei einer Cortisontherapie ist es wichtig, sich genau an die Vorgaben des Arztes zur Anwendung des Präparates zu halten. Im Folgenden werden die Gründe erklärt.

Medizinische Fakten

Cortison ist eine körpereigene Substanz und gehört zur Klasse der Glucocorticoide. Cortison selbst ist unwirksam, wird aber – ganz gleich ob als körpereigenes Hormon oder körperfremdes Medikament – in die wirksame Form Cortisol umgewandelt. Cortisol und seine weiteren Abkömmlinge (Derivate) dienen der Stressverarbeitung des Körpers, regulieren Wachstum und Entwicklung und haben u. a. auch Einfluss auf Entzündungs- und Immunprozesse im Körper. Cortisol wirkt als starker Dämpfer des Immunsystems und kann sowohl lokal als auch im ganzen Körper (systemisch) Entzündungen unterdrücken. [2] 

Asthma bronchiale ist eine meist temporär (wieder abebbend) auftretende entzündliche Erkrankung der Atemwege und wird hauptsächlich entweder allergisch oder infektbedingt ausgelöst. Die Grundlage der Erkrankung Asthma bronchiale besteht in einer krampfhaften Verengung der Bronchien undder kleineren Bronchiolen (Bronchospasmus), einer Schleimhautschwellung (mukosales Ödem) sowie der Produktion unnatürlich zähen Schleims durch die entzündlich veränderte Bronchialschleimhaut (Dyskrinie). [1] 

Beim Asthma bronchiale spielt das Immunsystem mit einer möglicherweise überschießenden Immunantwort eine tragende Rolle.

Bei nichtasthmatischem Husten ist die Immunantwort schwächer und weniger auf eine überschießende Verengung der Atemwege (Bronchospasmus), sondern auf die ursächliche Beseitigung der Krankheitserreger ausgerichtet.

Wirkungsweise bei Husten

Cortison, bzw. seine künstlich hergestellten Abkömmlinge Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason oder Flunisolid, können inhalativ (durch Einatmen) aufgenommen werden und über den Mund-Rachenraum (Oropharynx) in die Luftröhre (Trachea), die Bronchien und schließlich in die Lungenbläschen (Alveoli pulmonis) gelangen. 

An Ort und Stelle kann dann das Immunsystem in seiner asthmatisch-überschießenden Reaktion gedämpft werden. In der Folge können die Bronchien entspannen, die Schleimhaut kann abschwellen und der Schleim verflüssigen. Bei nichtasthmatischen Atemwegsinfekten arbeitet das Immunsystem regelhaft (normal), nicht überschießend, und konzentriert sich auf die Bekämpfung eingedrungener Krankheitserreger. Eine Gabe von Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason oder Flunisolid würde das Immunsystem genauso wie beim Asthma bronchiale dämpfen. 

Somit könnten Krankheitserreger gegen das geschwächte Immunsystem die Oberhand gewinnen und potenziell großen Schaden in den Atemwegen und darüber hinaus verursachen.

Alternativ zu Cortison können Medikamente wie Antileukotriene oder kurz- bzw. langwirksame Bronchodilatatoren angewendet werden. Für alternative Therapieformen wie Chiropraktik, Hypnose oder Heilstollentherapie konnte kein signifikanter (sicher nachweisbarer) Nutzen gezeigt werden. [3]

Anwendung & Dosierung bei Husten

In der Regel werden inhalativ verfügbare Glucocorticoide/Cortison (Spray) als Dauertherapie auf der Grundlage eines Stufenschemas angewendet, nachdem vorher kurzwirksame Medikamente wie Salbutamol (Bronchodilatator/Sympathomimetikum) verabreicht wurden. [4] 

Die Dosierung der jeweiligen Wirkstoffe wird an das Alter des Patienten und die Stärke der Beschwerden angepasst. Die Wirkstoffe Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason und Flunisolid sind in verschiedenen Applikationsformen (Anwendungsformen) erhältlich und haben spezifische Vor- und Nachteile. Jedes Applikationsgerät sollte vom verschreibenden Arzt ausführlich erklärt und vorgeführt werden, um einen richtigen, fachgerechten Gebrauch zu gewährleisten. 

Die Wirkung des Cortisons hängt von der Qualität der Einnahme ab. [3] Verschiedene Cortison-Wirkstoffe sollten nicht kombiniert werden. Selten sind in Inhalationsfertigpräparaten verschiedene Wirkstoffklassen gemischt (z. B. Salmeterol und Fluticason). [2]

Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Cortisonsprays dämpfen lokal das Immunsystem. Folglich wird bereits im Mund, wo das Spray den ersten Kontakt mit dem menschlichen Körper hat, die Abwehrfunktion des Körpers geschwächt. Potenziell können sich hier Pilze wie Hefen (Candida-Arten) ansiedeln und einen sogenannten Soor verursachen.

Um dies zu verhindern, sollte nach jeder Cortisoninhalation unverzüglich der Mund mit reichlich klarem Wasser gespült werden, um Cortisonreste zu entfernen und eine Pilzansiedlung zu verhindern. Über die Lungenbläschen gelangen ganz natürlich auch kleine Mengen der Wirkstoffe in den Körperkreislauf. Daher kann es neben den örtlichen Nebenwirkungen des Cortisons auch zu systemischen (den ganzen Körper betreffenden) Nebenwirkungen kommen. [3] 

Jedoch werden die Wirkstoffe direkt nach dem Übergang in das Blut durch die Leber gefiltert und zum großen Teil unschädlich gemacht. Daher haben Cortisonsprays i. d. R. relativ geringe Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. [2]

Gegenanzeigen & Warnhinweise

Sollten Kinder dauerhaft mit Cortisonsprays behandelt werden, sollte dasKörperwachstum regelmäßig vom Kinderarzt kontrolliert werden. Bei älteren Patienten wird eine höhere Neigung zum grauen Star (Katarakt) bei langfristiger hoch dosierter Cortisonspraygabe vermutet. [2] 

In jedem Einzelfall sollte ein Arzt genau prüfen, ob die Gabe von Cortison angezeigt ist. Gegebenenfalls sollte er auch entscheiden, ob zusätzlich, z. B. im Falle einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder bei manifestem Asthma bronchiale, die Gabe eines Antibiotikums zusätzlich nötig ist. Bei der Gabe jedes Medikaments kann es potenziell zu unerwünschten Wirkungen kommen, bei denen ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte.