Schnupfen: Anwendungen

Muttermilch gegen Schnupfen?

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Dass Muttermilch (lac maternum) sehr gesund sein soll, sagt nicht nur die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sondern ist auch von vielen Forschern mehrfach bewiesen worden: Sie schützt vor Allergien, hilft bei Magen-Darm-Infekten und transportiert Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme, Hormone und Abwehrstoffe. Warum Muttermilch bei Babys auch gegen Schnupfen (Rhinitis) hilft, auf was bei der Anwendung geachtet werden sollte und welche hilfreiche Tipps es gibt, wird im Folgenden dargelegt.

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Leidet ein Säugling trotz des Nestschutzes durch die Mutter an einem infektionsbedingten Schnupfen, können die Beschwerden durch die gesundheitsfördernde Wirkung der Muttermilch gelindert werden. Muttermilch enthält im Vergleich zu Kuhmilch weniger Eiweiß, mehr Kohlenhydrate (Laktose), mehr Vitamine A/ C/ D/ E, Enzyme wie Lysozym, die die Abwehr unterstützen und von Immunzellen gebildet werden und Antikörper (Immunglobuline, vor allem IgA). Besonders die beiden letzteren Stoffe sind bei der Behandlung von Schnupfen wichtig, der durch Viren und Bakterien verursacht wird. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen der Muttermilch im Zusammenhang mit der Therapie von Schnupfen zählen unter anderem:[1]

a) Lysozym: hat eine antibakterielle Wirkung, denn es zerstört Bakterienwände.

b) Laktoferrin: bindet Eisen. Da Bakterien das Eisen zum Wachstum brauchen, können sie sich nicht entwickeln (antibakteriell).

c) Antikörper (IgA): sorgen für Nestschutz (sog. Leih-Immunität). Da sich die Immunabwehr des Säuglings erst im Laufe der ersten 3-6 Monate entwickelt, sorgen die Antikörper der Mutter in dieser Zeit für einen Schutz vor Infektionskrankheiten beim Kind. Bei Schnupfen bewirken sie ein Abschwellen der Schleimhäute.

d) Freie Fettsäuren (z.B. Capryl- und Caprinsäure): sind Zersetzungsprodukte der Milchfette, die bei Lagerung entstehen. Diese freien Fettsäuren lösen die Hülle von manchen Viren auf, ohne den Eiweißmantel zu zerstören. Ohne die Hülle kann sich das Virus aber nicht mehr an andere Zellen binden und infizieren; die freien Fettsäuren haben somit eine antivirale Wirkung.[2]

Kühle Milch (auf 4° gekühlt) wirkt dabei ähnlich effektiv wie ein Desinfektionsmittel mit 80-prozentigem Alkohol.[3]

Anwendung und Dosierung

Alleine das regelmäßige Trinken der Muttermilch unterstützt das Immunsystem bei einer Infektionskrankheit. Eine weitere Möglichkeit besteht in der lokaen Nutzung der Muttermilch in Form von Nasentropfen, die mehrmals täglich auf die Nasenschleimhäute aufgetragen werden können. Neben dem antientzündlichen Effekt werden so die geschwollen Schleimhäute feucht gehalten und beruhigt. 

Am einfachsten gelingt dies folgendermaßen:[4] [5]

  • die Muttermilch sanft mit der Hand aus der Brust ausstreichen
  • die Milch in einem Glas auffangen
  • mit einer Pipette vorsichtig einen Tropfen in jedes Nasenloch geben

Alternativ zur Muttermilch können auch Nasentropfen aus physiologischer Kochsalzlösung, Meersalz-Nasentropfen oder andere Präparate aus der Apotheke angewandt werden. Dabei ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass die jeweiligen Mittel für die entsprechende Altersgruppe geeignet sind.

Zu beachten

Abgepumpte/ ausgestrichene Muttermilch sollte nicht länger als 48 Stunden im Kühlschrank gelagert werden, da die Keimbelastung mit der Zeit zunimmt.

Bei verschnupften Babys heilt die Erkrankung meistens nach zwei bis zehn Tagen auch ohne Behandlung vollständig aus. Verschwinden die Beschwerden nicht oder verschlimmern sich sogar noch, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden.[6]

Schnupfen bei ganz jungen Säuglingen (in den ersten vier Lebenswochen) ist nicht harmlos und sollte immer vom Kinderarzt behandelt werden, da es zu erheblichen Atembehinderungen kommen kann. [7]


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen