Husten Beim Kind: Krankheitstypen

Starker Reizhusten (bei Kindern)

© PantherMedia / Hannes Eichinger

Normalerweise ist Husten ein Schutzreflex des menschlichen Körpers, der die oberen Atemwege von fremden oder störenden Partikeln wie Bakterien, Viren, Pollen und Schleim befreien soll. Beim Reizhusten hingegen treten durch die starke Reizung und Überempfindlichkeit der Atemwege durch den Infekt heftige und anfallartige Hustenattacken auf. Husten und Reizhusten stellen kein eigenständiges Krankheitsbild dar, sondern sind Symptome verschiedenster Erkrankungen. Dieses Symptom ist der häufigste Grund für Kinderarztbesuche. Meist tritt starker Reizhusten bei Kindern mit ständig wiederkehrenden Erkältungen, verschluckten Fremdkörpern, Kontakt zu verunreinigter Luft und einer entzündeten Kehlkopfschleimhaut (Pseudokrupp) auf. Im Folgenden wird auf Ursachen, Behandlung und Risiken von starkem Reizhusten bei Kindern eingegangen [1][6][8].

Ursachen von starkem Reizhusten bei Kindern

Erkältung (akute Bronchitis, grippaler Infekt, österreichisch: Verkühlung)

Häufig stecken sich Kinder im Rahmen enger sozialer Kontakte mit einer Erkältung an. Die Übertragung erfolgt durch eine Tröpfcheninfektion. Beim Niesen, Sprechen oder Husten gelangen kleine infektiöse Sektrettröpfchen in die Luft oder auf umliegende Gegenstände. Das Kind atmet diese ein und die Viren gelangen in den Nasen- und Rachenraum. Dort können sie sich vermehren und ausbreiten. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 5 Tagen kommt es zu einer Erkältung. Im Durchschnitt leiden Kinder im Vorschulalter an 6 bis 8 Erkältungen pro Jahr. Gerade in der Eingewöhnungszeit in Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergarten, Vorschule, Schule) können mehrere Erkältungen kurzzeitig hintereinander auftreten und die Atemwege stark reizen. Diese Infektanfälligkeit beruht darauf, dass sich das kindliche Immunsystem noch in der „Lernphase“ befindet. In der Gemeinschaftseinrichtung hat das Kind engen Kontakt zu anderen Kindern, wo durch es schnell zu einer Ansteckung oder Übertragung von Viren kommen kann. Symptome einer Erkältung äußern sich wie folgt:

  • Husten, anfangs meist trockener Reizhusten, später Husten mit Auswurf (produktiver Husten)
  • laufende oder verstopfte Nase Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen
  • leichtes Fieber
  • Ein- und Durchschlafstörungen durch das ständige Husten
  • Schmerzen in der Brust durch das ständige Husten

In der Hälfte aller Fälle können sich die Viren im ganzen Körper ausbreiten und verursachen Symptome wie starkes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl.
Vor allem wenn Erkältungen kurz hintereinander auftreten, können die Atemwege von der vorhergehenden Erkältung noch nicht vollständig erholt sein. Die Viren können die bereits angeschlagenen Schleimhäute weiter reizen und tiefer in das Gewebe vordringen. Durch diese starke Schädigung und die verminderte Schleimproduktion der Schleimhaut der Atemwege kommt es zu einer Reizung und Freilegung von Nervenendigungen. Diese werden durch die Entzündung aktiviert und verursachen den starken Reizhusten. Starke Reizhustenattacken können die Atemwege weiter belasten und sind daher unerwünscht [1][6][8].

Pseudokrupp (akute Laryngotracheitis)

Oftmals kommt es während einer Erkältung zu einer Entzündung der Kehlkopfschleimhaut mit Viren. Diese Entzündung bedingt eine Schwellung und Einengung der Luftwege im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder. Durch die anatomischen Größenverhältnisse tritt der Pseudokrupp besonders bei Kindern zwischen den 18. Lebensmonat und 5. Lebensjahr auf. Gehäuft kommt es zu Anfällen in den Herbst- und Wintermonaten. Vor allem in den späten Abendstunden können diese quälenden Reizhustenattacken auftreten. Tagsüber sind die Kinder meist beschwerdefrei. Der Pseudokrupp setzt meist ohne Vorwarnung und anfallartig durch eine akute Schwellung der Schleimhaut in den engen luftleitenden Wegen (Kehlkopf) ein. Symptome treten meist wie folgt auf:

  • starker bellender Reizhusten, anfallartig
  • Atemnot, im schlimmsten Fall droht das Kind zu ersticken
  • Angst- und Panikattacken
  • lautes Geräusch beim Einatmen, bedingt durch die verengten Atemwege
  • Heiserkeit

Wenn der Pseudokrupp während einer Erkältung auftritt, dann kommen die Symptome des Infektes noch hinzu. Die Erkrankung kann aber auch unabhängig von Erkältungen vorkommen. Verunreinigte und trockene Luft können die Atemwege bei Kindern reizen und einen Pseudokrupp-Anfall auslösen oder das Einnisten von Viren begünstigen [3][5].

Fremdkörper (Fremdkörperaspiration)

Kinder haben einen ausgeprägten Spiel- und Entdeckungstrieb. Deshalb kann es vorkommen, dass sie während des Spielens oder Essens Nüsse, Murmeln oder andere kleine Gegenstände aus Versehen verschlucken. Diese Gegenstände können in die Atemwege gelangen und je nach Größe und Beschaffenheit in den großen oder kleinen luftleitenden Wegen steckenbleiben. Falls ein verschluckter Gegenstand in den großen luftleitenden Wegen wie Kehlkopf, Luftröhre oder Hauptbronchus steckenbleibt, droht akute Erstickungsgefahr. Symptome sind starker, unstillbarer Reizhusten. Der starke Hustenreflex wird durch die Reizung der Atemwege durch den Gegenstand ausgelöst. Weiterhin kann dem Husten durch die Verletzung der Atemwege durch den Fremdkörper Blut beigemengt sein. Wenn das Kind nicht genug Luft bekommt, färben sich die Lippen, der Gaumen und die Fingernägel blau. Dies wird Blausucht (Zyanose) genannt. Sie entsteht durch die ungenügende Sättigung des Blutes mit Sauerstoff [7].

Äußere Einflüsse

Im Winter werden die Wohnräume oftmals stark geheizt. Dies kann die Luftfeuchtigkeit herabsetzen, was zu einer Austrocknung der Atemwege des Kindes führt. Dadurch wird der Schleim zähflüssiger und kann die Atemwege reizen. Viren können sich leichter einnisten. Passivrauch hat in der Nähe von Kindern nichts zu suchen, da die Atemwege angegriffen werden. Allein der Rauch kann Pseudokrupp-Anfälle hervorrufen, Asthma-Anfälle auslösen sowie die Atemwege schädigen und reizen. Die Reizung und der zähflüssige Schleim können zu einem starken Reizhusten führen [1].

Behandlung von starkem Reizhusten bei Kindern

Reizhusten tritt oftmals in der Anfangsphase einer Erkältung oder bei kurz aufeinander folgenden Infekten auf. Im Allgemeinen wird er nicht durch den Schleim in den Atemwegen ausgelöst, sondern durch die Entzündung an sich. Reizhusten wird daher am besten gelindert, wenn der auslösende Grund, die Erkältung, bekämpft wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Abschirmung der Nervenendigungen in der Schleimhaut durch Hausmittel, pflanzliche Mittel oder Medikamente. Im Allgemeinen sollen die Kinder ausreichend trinken (1 Liter pro Tag bei 3- bis 6-jährigen Kindern). Bettruhe ist für die Genesung der Kinder ebenfalls essentiell.

Erkältung

Milch mit Honig

Milch mit Honig kann den Hustenreiz stillen und die Atemwege pflegen. Beim Trinken wird der Speichelfluss angeregt. Der hohe Zuckeranteil des Honigs macht diesen dickflüssiger, wodurch er sich wie ein schützender Film über die angegriffenen Atemwege legt. Dieses Mittel soll besonders bei trockenen Reizhusten eingesetzt werden. Einen Viertelliter Milch erwärmen und 2 Teelöffel Honig hinzugeben. Gut durchmischen und abkühlen lassen, bis die Honigmilch eine angenehme Temperatur zum Trinken hat. Da Reizhusten meist Ein- und Durchschlafstörungen verursacht, kann das Kind die Honigmilch vor dem Schlafengehen trinken.
Bei Kindern unter 12 Monaten sollte kein Honig verabreicht werden. Dieser kann Spuren des Gifts Botulinumtoxin enthalten. Für ältere Kinder und Erwachsene ist dies ungefährlich, da die Magensäure das Gift unschädlich macht. Kleine Kinder produzieren noch nicht genug Säure, um das Toxin zu entgiften, und sind daher potenziell gefährdet.
Andere Hausmittel mit Honig sind Honig-Zwiebelsirup und Rosinensud [2].

Kartoffelwickel

Die wohltuende Wirkung des Kartoffelwickels beruht auf der kontinuierlichen Wärmeangabe der zerstampften Kartoffeln. Dies führt zu einer gesteigerten Durchblutung im Brustbereich, einer Stillung des Hustenreizes und zu einer Entkrampfung der Bronchien. 2–4 mittelgroße Kartoffeln sollen 20 Minuten lang gekocht werden. Danach die Kartoffeln zerstampfen, den Kartoffelbrei mittig auf ein Leinentuch geben und den Brei mit den freien Ecken des Tuches abdecken. Noch ist der Kartoffelwickel zu heiß und würde zu Verbrühungen im Brustbereich führen. Den Wickel etwas abkühlen lassen und die Temperatur mit den Händen fühlen. Sobald die Temperatur angenehm ist, ein Tuch auf die Brust des Kindes legen und darauf den Kartoffelwickel. Solange auf der Brust liegen lassen, bis der Wickel abgekühlt ist [2].

Inhalation

Die Inhalation befeuchtet die Atemwege, kann den starken Hustenreiz lindern und wirkt krampflösend. Kleine Kinder sollten auf den Schoß des Erwachsenen über einer Schüssel oder am Waschbecken inhalieren. Ältere Kinder können an einem Inhalator oder alleine über einer Schüssel inhalieren. Das Wasser darf nicht zu heiß sein, damit sich das Kind nicht verbrüht. 1,5 bis 2 Liter Wasser zum Kochen bringen und in eine Schüssel geben. Das Wasser etwas abkühlen lassen und folgende Inhaltsstoffe hinzufügen.

  • Salzinhalation: 2 Esslöffel Speisesalz in das heiße Wasser geben. Der warme, salzhaltige Wasserdampf regt die Schleimbildung an, der sich schützend über die angegriffenen Atemwege legt.
  • Kräuterinhalation: Thymian oder Salbei in das heiße Wasser geben. Die Inhaltsstoffe dieser Kräuter wirken desinfizierend und schleimlösend. Dies löst zähflüssigen Schleim und schützt die Atemwege.

Mit ätherischen Ölen sollte nicht inhaliert werden, da sie die entzündete Schleimhaut und die freiliegenden Nervenendigungen weiter reizen und dadurch starke Reizhustenanfälle auslösen können [4].

Pflanzliche Hustenstiller

Pflanzliche Hustenstiller sind frei in der Apotheke erhältlich. Zu den Inhaltsstoffen zählen unter anderem Thymian,Eibisch und Efeu. In diesen Pflanzen sind Schleimstoffe enthalten, welche die gereizten Nervenendigungen in der Schleimhaut der Atemwege kurzzeitig abschirmen können. Dadurch werden weniger Reizhustenattacken ausgelöst. Die Hustenintensität und die Schmerzen im Brustbereich nehmen ab. Handelsnamen sind unter anderem:

Efeu: Prospan® Hustensaft, Monapax® Saft (enthält Alkohol!), Bronchofit® Efeu-Hustensaft

Eibisch: Bronchostop® Hustensaft, Phytohustil® Hustensaft, Alpinamed Hustensaft®

Thymian: Bronchicum® Elixir, Hustagil® Hustensaft, Thymian ratiopharm® Hustensaft.

Pseudokrupp

Wenn ein Anfall auftritt, ist es äußert wichtig, Ruhe zu bewahren. Die Eltern müssen einen klaren Kopf behalten, um die allgemeinen Maßnahmen befolgen zu können oder im schlimmsten Fall den Arzt zu rufen. Im Allgemeinen sollte das Kind beruhigt werden, denn Erstickungsängste und Panikattacken können den Anfall verschlimmern. Wenn das Kind unter akuter Luftnot oder ständig wiederkehrenden Anfällen leidet, dann sollte sofort ein Notarzt gerufen werden[5].

  • Kind in eine aufrechte Sitzposition bringen
  • Feuchte und warme Luft erleichtert das Atmen. Im Badezimmer das Wasser der Badewanne oder Dusche heiß aufdrehen und das Kind die heißen Dämpfe inhalieren lassen.
  • Kühle frische Luft lindert die Atemnot. Fenster weit öffnen und das Kind die frische Luft atmen lassen.
  • Wenn sich das Kind beruhigt hat, ein kühles Getränk trinken lassen. Wasser oder Tee, keine Milch! Erst einmal sollte nichts gegessen werden, da große Essensbrocken einen erneuten Anfall auslösen können.

Fremdkörper

Bei einem verschluckten Fremdkörper liegt ein absoluter Notfall vor! Wenn das Kind droht zu ersticken, unter Atemnot leidet oder Blut hustet, muss sofort ein Notarzt verständigt werden. Das Kind vornüberbeugen lassen und mit beherzten Schlägen zwischen die Schulterblätter schlagen. Dadurch kann sich der verschluckte Gegenstand lockern und ausgehustet werden. Bringt dies nichts, kann der Heimlich-Handgriff angewendet werden. Das Kind anheben und ihm ruckartig zwischen Bauchnabel und rechtem Rippenbogen drücken. Achtung: Gefahr innerer Verletzungen! [7]

Äußere Einflüsse

In den Wintermonaten sollten regelmäßig die Räume gelüftet werden, damit die Wohnräume nicht zu trocken werden. Zigarettenrauch hat in der Nähe von Kindern nichts zu suchen, da dieser die Atemwege nachweislich schädigt, Reizhustenanfälle auslösen kann und die Entwicklung des Kindes beeinflussen kann.[1]

Zu beachten

Bei länger anhaltendem Reizhusten sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um eine Schädigung der Atemwege oder eine Zweitinfektion der geschädigten Luftwege mit Bakterien zu vermeiden. Blutbeimengungen beim Husten entstehen meist durch Risse in der Schleimhaut durch ständiges starkes Husten. Dies ist meist harmlos, sollte aber auch ärztlich begutachtet werden. Manchmal ist der Reizhusten noch einige Tage nach Abklingen der Erkältung durch die starke Entzündung während der Erkältung vorhanden. Hustensäfte sollten alkoholfrei sein.