Husten Chronisch: Krankheitstypen

Wochenlanger Husten (festsitzend)

© PantherMedia / S. Willnow

Vor allem in der kalten Jahreszeit leiden viele Menschen unter Husten. In der Regel heilt dieser aber innerhalb von drei Wochen nach einer Erkältung oder einem Atemwegsinfekt wieder folgenlos ab. In einigen Fällen jedoch bleibt der lästige Husten auch über mehrere Wochen bestehen und beeinträchtigt die Betroffenen im Alltag. Hält der Husten mehr als acht Wochen an, sprechen Mediziner von chronischem Husten [2]. Im Gegensatz zu akutem Husten, der meist eine harmlose Ursache hat, bedarf ein chronischer Husten unbedingt weiterer ärztlicher Abklärung, denn Husten ist zwar keine Krankheit, kann aber ein Anzeichen für ernsthaftere Erkrankungen sein, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen können [3].

Der folgende Artikel skizziert deswegen übersichtlich die möglichen Ursachen chronischen Hustens und stellt einen kurzen Einblick in die Therapie bereit.

Ursachen von wochenlangem Husten

Grundsätzlich ist Husten ein Reinigungsmechanismus für unsere Atemwege, also für die Luftröhre (Trachea) und die Bronchien. Er hilft, sie von Fremdkörpern, Schleim, Staub und Krankheitserregern (Pathogenen) zu befreien. Er kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn der hauptsächliche Reinigungsmechanismus, die vielen Flimmerhärchen auf der Schleimhaut unserer Atemwege, die den Schleim hinaustransportieren, zerstört (z. B. bei Rauchern) oder überfordert (z. B. bei zu viel Schleim, Fremdkörpern) sind. Somit ist Husten also ein nützlicher Schutzmechanismus. Durch ständige Irritation (Reizung) und Entzündung der Atemwege kann er sich jedoch leicht verselbstständigen oder stellt ein Symptom für eine dahinter verborgene, ernstere Erkrankung dar [2][3].

Infolge eines Schnupfens oder einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis beziehungsweise Rhinosinusitis, wenn beides vorliegt) kann es zu chronischem Husten kommen. Wenn eine Nasennebenhöhlenentzündung bestehen bleibt, also chronifiziert, fließen beständig geringe Mengen Nasensekret den Rachen hinunter und reizen dort die Hustenfühler (Hustenrezeptoren), die dann einen Hustenreflex auslösen. Zudem kann die Entzündungsreaktion durch bestimmte Botenstoffe (Entzündungsmediatoren) die Rezeptoren empfindlicher für andere Hustenreize machen. Diese Form wird in der Fachwelt als Upper-Airway-Cough-Syndrome (UACS) oder auf deutsch als Hustensyndrom der oberen Atemwege, bezeichnet. Es ist gut an der Sekretstraße aus eitrigem Sekret an der Rachenhinterwand, dem ständigen Räuspern sowie schmerzhafte Nasennebenhöhlen und eventuell begleitendem Schnupfen zu erkennen [2].

Häufig sind die Atemwege nach einem viralen Infekt oder einer Erkältung noch eine Zeitlang überreizt und sehr empfindlich. Deswegen kommt es zu einem trockenen Reizhusten, der bis zu acht Wochen nach einer Erkältung andauern kann. Ist der Husten bis dahin nicht abgeklungen kann eine bronchiale Hyperreagibilität vorliegen, also eine Überempfindlichkeit der Bronchien [2]. Dabei kommt es zu einer Entzündungsreaktion der kleinen Bronchien, also der kleinsten Verzweigungen der Luftröhre, welche die Hustenfühler dort leichter reizbar macht und zu Umbauvorgängen in der Wand der Atemwege führt. Die Symptome einer bronchialen Hyperreagibilität sind denen des Asthmas nicht unähnlich. Es kommt zu anfallsartigem, trockenem Husten und teilweise Pfeifen beim Ausatmen. Fieber oder andere Symptome einer Erkältung fehlen aber meist [2].

Eine häufige Ursache für andauernden Husten stellt Asthma (Asthma bronchiale) dar. Auch hierbei handelt es sich um eine Überempfindlichkeit der Bronchien, die allerdings meist nicht auf einer Infektion, sondern einer allergischen Reaktion, also einer Überreaktion des körpereigenen Immunsystems, beruht [1][2]. Bei älteren Menschen kommen auch Medikamente als Auslöser infrage [1]. Die meisten Betroffenen wissen bereits von ihrer Erkrankung. Ein besonderes Zeichen ist die anfallsartige Atemnot beim Asthmaanfall. Diese tritt häufig in den frühen Morgenstunden auf. Der Husten ist eher ein zweitrangiges Symptom, kann aber auch ohne Atemnot und mit zähem, milchigem Auswurf auftreten [2].

Bei Rauchern liegt die Ursache für den chronischen Husten meist in einer chronischen Bronchitis, die sich zu einerchronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD)weiterentwickeln kann. Von chronischer Bronchitis sprechen Fachleute erst, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Jahren über mehr als drei Monate Husten mit Auswurf besteht [1].

Die Ursache liegt nicht selten im Zigarettenrauch. Dieser löst eine Entzündungsreaktion in den Bronchien aus, zerstört die kleinen Flimmerhärchen, deren Aufgabe eigentlich der Abtransport des Schleims wäre, und schädigt die Wand der kleinen Bronchien. Die Folge sind ein hartnäckiger Husten mit Auswurf und eine zunehmende Luftnot bei Sport oder Belastung und später in Ruhe. Der Husten tritt dabei häufig morgens auf [1][2].

Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit wird als ein Spätstadium angesehen, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. Obstruktiv bedeutet so viel wie verengt. Denn durch die chronische Schädigung sind die kleinsten Bronchien (Bronchiolen) soweit in Mitleidenschaft gezogen, dass sie vor allem beim Ausatmen kollabieren (zusammenfallen) und somit die Luft in der Lunge gefangen ist. Deswegen fällt Betroffenen oft das Ausatmen schwer, sie fühlen sich aufgebläht und verspüren eine starke Luftnot.

Über 80 Prozent der Patienten, die unter COPD leiden, sind Raucher. Dennoch wissen viele nicht von der Existenz der Erkrankung, obwohl sie immerhin die vierthäufigste Todesursache weltweit darstellt [4].

Dies sind allerdings nur einige der möglichen Ursachen für andauernden Husten. Außerdem kommen auch Refluxbeschwerden, besser bekannt als Sodbrennen, Medikamente, Herzerkrankungen oder weitere Lungenerkrankungen, wie eine Lungenfibrose oder Lungenkrebs, infrage.

Behandlung von wochenlangem Husten

Chronischer Husten sollte immer zu einem Arztbesuchführen und bedarf der Behandlung durch einen Spezialisten. Die Therapie richtet sich dabei spezifisch nach der Ursache, sodass deren Abklärung zuerst im Vordergrund steht und von einer passenden Behandlung gefolgt wird.

Ein Upper-Airway-Cough-Syndrom wird meist anhand der geschilderten Beschwerden diagnostiziert. Zur weiteren Abklärung können Röntgen- oder Computertomografiebilder der Nasennebenhöhlen angefertigt werden. Die Behandlung wird häufig mit schleimhautabschwellenden Nasentropfen begonnen und durch ein Antihistaminikum (ein Medikament, das einen wichtigen Botenstoff der Entzündung bremst) ergänzt [2]. Besteht der Verdacht, dass eine chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) der Auslöser ist, sollte eine Behandlung mit einem kortisonhaltigen Nasenspray in Betracht gezogen werden. Die gefürchteten Nebenwirkungen des Kortisons treten bei lokaler Anwendung nur sehr selten auf [2]. Außerdem kann bei bakteriellen Infekten eine Therapie mit Antibiotika hilfreich sein.

Die bronchiale Hyperreagibilität kann mithilfe eines Provokationstest bewiesen werden [2]. Dabei werden die Atemwege mittels eines speziellen Stoffes gereizt und die Kraft des Ausatmenstoßes (FEV1) gemessen. Verschlechtert sich dieser Wert stark, wird eine Hyperreagibilität angenommen. Die Therapie erfolgt meist schon auf Verdacht mit einem Kortison-Präparat (inhalative Glukokortikoide), das regelmäßig inhaliert werden muss. Ergänzend werden auch Medikamente, welche die Bronchien erweitern, wie beispielsweise Salbutamol (Beta-2-Mimentikum), verschrieben. Daraufhin beginnt die Symptomlinderung oft schon nach einer Woche [2].

Ein Asthma bronchiale wird ebenfalls anhand der typischen Symptome sowie einer Lungenfunktionsdiagnostik diagnostiziert. Dabei ist manchmal ein Abfall der maximalen Ausatemstärke (FEV1) zu beobachten. Außerdem können weitere, spezifischere Tests durchgeführt werden [2].

Die Behandlung folgt einem komplizierten Schema, das an den Schweregrad angelehnt ist. Die Basis bilden Inhalationssprays, die ein Medikament enthalten, das die Atemwege erweitert, sowie ein sogenanntes Dosieraerosol, also ein Pulver, das eingeatmet wird, und das einen Wirkstoff enthält, der Kortison sehr ähnlich ist und die Entzündungsreaktion abmildert [2]. Kortison in dieser Form weist in der Regel sehr wenig Nebenwirkungen auf. Die richtige Therapieeinstellung muss unbedingt durch einen Arzt erfolgen.

Für chronische Bronchitis und COPD gibt es leider keine ursächliche Therapie. Der Arzt diagnostiziert sie ebenfalls auf Basis einer Lungenfunktionsdiagnostik sowie den eindeutigen, oben beschriebenen Symptomen [1][2]. Die wohl beste Behandlung besteht darin, mit dem Rauchen aufzuhören, damit die Schädigung der Lunge nicht weiter voranschreitet [1]. Einen wichtigen Stellenwert in der Therapie nehmen das Erlernen richtiger Atemtechniken, Atemgymnastik und Physiotherapie ein [1]. Medikamentös lassen sich ebenfalls atemwegserweiternde Medikamente einsetzen (z. B. Salbutamol, Tiotropiumbromid oder Ipratropiumbromid) [1].

Eine akute Verschlechterung der COPD nennen Mediziner Exazerbation. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion, der das geschwächte Abwehrsystem der Lunge nicht mehr gewachsen ist. Hier ist meist eine Behandlung mit Antibiotika indiziert, damit eine Lungenentzündung im Verlauf vermieden wird [1].

Zu beachten

Husten kann ein Anzeichen für seltene, aber sehr ernste Erkrankungen sein. So gelten ein blutiger Auswurf, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß als Wegweiser für Lungenkrebs [2]. Ein Husten, der mehr als 14 Tage besteht, sollte also immer ärztlich abgeklärt werden [3]. In der Regel stehen aber chronifizierte Atemwegsinfekte dahinter, die gut zu behandeln sind.