Husten Chronisch: Krankheitstypen

Langanhaltender Husten

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Husten zählt zusammen mit der Erkältung zu den häufigsten Ursachen eines Arztbesuches und etwa ein Drittel der 18-48 jährigen leidet jährlich an Husten. [1] Neben zahlreichen Ursachen wie einem Virusinfekt, Allergien, dem Einfluss von Tabakrauch oder Stäuben können auch Erkrankungen des Herzens und der Lunge verantwortlich sein. [2] Erkrankungen mit dem Leitsymptom Husten sind volkswirtschaftlich sehr wichtig, da Infekte der Atemwege die häufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung darstellen. [1] Von dem plötzlich (akut) auftretenden Husten ist der langanhaltende (chronische) Husten zu unterscheiden. Von ihm spricht man bei einem anhaltenden Husten länger als 8 Wochen. [2] Im Folgenden werden die Ursachen dieses langanhaltenden Hustens dargestellt und Informationen zur Behandlung gegeben.

Ursachen

Beim Husten handelt es sich um einen plötzlichen Atemstoß nach Stimmritzenschluss, der über einen komplexen Reflexbogen im Körper gesteuert wird. [1][3] In Rachen (Pharynx), Luftröhre (Trachea) und Kehlkopf (Larynx) finden sich Hustenrezeptoren, welche durch physikalische Einflüsse wie kalte Luft, aber auch chemische oder mechanische Reize aktiviert werden. Das Signal für den Hustenreiz wird dann über Nerven ins Gehirn geleitet, wo es durch spezielle Zentren im Gehirn zur Auslösung des Hustenreflexes kommt. [1] Dabei kommt es zu einem schnellen Einatmen, der Kehlkopf verschließ sich, die Atemmuskeln ziehen sich zusammen und bauen so einen Druck auf. Schließlich öffnet sich der Kehlkopf wieder und die Luft wird abrupt ausgestoßen. Auch das Zwerchfell (Diaphragma) ist maßgeblich an der Entstehung des Reflexes beteiligt. [1]

Husten ist ein wichtiger Schutzreflex für die Lunge. [1] Neben den Flimmerhärchen (Zilien), die sich in der Schleimhaut der Atemwege befinden und Fremdstoffe abfangen, um diese wieder aus dem Körpe zu transportieren (mukoziliäre Clearence) sorgt auch der Husten dafür, dass Fremdkörper und Schleim entfernt werden. [1] Neben diesen positiven Effekten, kann ein lang andauernder Husten aber sehr quälend und Ausdruck einer schweren Grunderkrankung sein. Während der akute Husten in 80-90% der Fälle durch einen Virusinfekt bedingt ist und alleine wieder verschwindet, kann der chronische Husten viele Ursachen haben.[4]

chronische Bronchitis

Die WHO definiert die chronische Bronchitis als Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens 3 Monaten in 2 aufeinanderfolgenden Jahren. [4] Dabei handelt es sich um eine dauerhafte Entzündung der unteren Atemwege. Sie wird vor allem durch Tabakrauch verursacht, aber auch Stäube, kalte Luft oder häufige Infektionen können zu einer Bronchitis führen. Etwa 10 % der Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens diese durch produktiven Husten und verschleimte Atemwege gekennzeichnete Entzündung. Neben einem Lungenfunktionstest (Spirometrie), ist auch ein Röntgenbild des Oberkörpers zu empfehlen. [1]

chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD)

Die schwere Folge einer chronischen Bronchitis ist der Übergang in eine COPD, welche nicht heilbar ist. Von einer COPD wird bei dem Vorliegen einerchronischen Bronchitis zusammen mit weiteren klinischen Zeichen, wie Luftnot bei Belastung, Keuchen und dem Vorliegen einer Raucheranamnese,gesprochen. [1][5] Auch zu dieser Diagnostik ist ein Lungenfunktionstest notwendig. Die COPD findet sich insbesondere bei älteren Menschen, wobei etwa 10 % der über 40-jährigen betroffen sind.

Asthma bronchiale

Beim Astma handelt es um eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege. Häufig sind Kinder und Jugendliche betroffen und es kommt zuanfallsartiger Luftnot (Dyspnoe), die besonders bei körperlicher Belastung, am Morgen und an kalten Wintertagen auftritt. [6] Beim Asthma unterscheidet man eine allergische (extrinsiche) und eine nicht-allergische (intrinsische) Form. Die Diagnose kann anhand der Vorgeschichte oft leicht gestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose ist wiederum ein Lungenfuktionstest notwendig. Beim Asthma können durch medikamentöse Therapie und Anpassung des Lebensstils gute Erfolge erzielt werden. [6][7]

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Bei saurem Aufstoßen, Sodbrennen, Mundgeruch oder Brustschmerz sollte an die Refluxkrankheit gedacht werden. Dabei gelangt mit Magensäure versetzter Speisebrei aus dem Magen zurück in die Speiseröhre und führt zu stechenden Schmerzen. Husten im Rahmen dieser Erkrankung ist meist trocken und entsteht vor allem nach dem Essen und im Liegen. Studien konnten zeigen, dass chronischer Husten in bis zu 40 % der Fälle mit einer GERD assoziiert ist. [1][8]

weitere Ursachen

Eine weitere häufige Ursache von chronischem Husten ist die Irritation der oberen Atemwege (Upper Airway Cough Syndrom). Die kann durch Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder einem Postnasal- Drip-Syndrom entstehen, bei dem es zu einer vermehrten Schleimproduktion in der Nase kommt, welche meist allergisch bedingt ist. [1]
Auch Medikamente können einen langandauernden Husten bedingen. Besonders häufig sind ACE-Hemmer verantwortlich. Diese werden zur Behandlung des hohen Blutdrucks (Hypertonie) eingesetzt und führen bei 5-10% der Patienten zu einem trockenen Reizhusten. [1] Auch die häufig eingesetzten β-Blocker, aber auch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID) wie Ibuprofel, Diclofenac oder ASS können zu Husten führen. Häufig ist der Husten das letzte Symptom, was sich nach einer einfachen Erkältung zurückbildet. In manchen Fällen kommt es nach einem Infekt zu einer bronchialen Hyperreagibilitätmit anhaltendem trockenem Husten.[1][4][9]

schwere Verläufe

Das Ziel der Diagnostik ist es, durch die Befragung und Beobachtung der Patienten gefährliche Verläufe abzuwenden. Dazu gehören zum Beispiel die Lungenarteienembolie, welche sich durch Brustschmerz, Husten, Schwindel einen Anstieg der Atemfrequenz (Tachypnoe) auszeichnet.[1] Da etwa 70-90 % der Patienten mit Lungenkrebs im Verlauf Husten entwickelt ist es wichtig, auch daran zu denken. Besonders bei Rauchern, Gewichtsverlust, blutigem Husten (Hämoptysen) und Heiserkeit über 2 Wochen sollte an eine bösartige Erkrankung gedacht werden. [1][3] Neben einem Lungenkrebs sollte bei diesen Symptomen auch an eine Tuberkulose gedacht werden. Auch eine Schwäche des linken Herzens (Linksherzinsuffizienz) kann über eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenstauung) zu Husten führen. [7]

Behandlung

Es ist zu empfehlen, bei einem langanhalten Husten einen Arzt aufzusuchen. Kann man einen Husten im Rahmen einer Erkältung noch mit Hausmitteln wie ausreichend Flüssigkeit, Kräutertee oder Inhalation lindern, sollte bei einem anhaltenden Husten über 3 Wochen ein Arzt aufgesucht werden. [4]

Über die Hälfte der Patienten bekommt bei einem Husten ein Antibiotikum verschrieben. Da ein Antibiotikum gegen Bakterien wirksam ist und es sich beim Husten häufig um einen viralen Infekt handelt, ist dies meist nicht sinnvoll. [4][10]

Allgemeine Maßnahmen:

  • Rauchstopp: da die meisten Erkrankungen der Atemwege durch eine Schädigung durch die im Tabak enthaltenden Giftstoffe entstehen, sind die Frage nach dem Rauchverhalten und die Tabakentwöhnung von höchster Priorität. [10]
  • Flüssigkeit: um die Atemwege feucht zu halten und ein Abhusten zu erleichtern sollte auf eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 Litern am Taggeachtet werden. [11]
  • Impfungen: bei einer chronischen Bronchitis, Asthma oder COPD wird eine jährliche Grippeimpfung empfohlen. Auch eine Pneumokokkenimpfung ist empfohlen, da die Schutzfunktionen der Atemwege geschwächt sind und sich Infektionen so leichter ausbreiten. [12][13]

Medikamente:

  • Chronische Bronchitis: um ein Abhusten zu erleichtern und den Schleim zu verflüssigen können Schleimlöser (Mukolytika) eingesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol. Sie lösen die Oberflächenspannung des Schleims und verflüssigen diesen. Hustenstiller (Antitussiva) wie Codein, sollten nur bei Reizhusten, aber nicht bei produktivem Husten oder einer vorgeschädigten Lunge gegeben werden. [1]
  • COPD: zur Therapie der COPD werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Bronchodilatatoren, Substanzen, welche die Atemwege weit stellen und so eine verbesserte Atmung gewährleisten. Auch Glukokortikoide wie Kortison können bei schwerer COPD eingesetzt werden, sie hemmen die Entzündung. Die eingesetzten Medikamente werden meist über einen Inhalator verabreicht. [5]
  • Asthma: zur Therapie des Asthma bronchiale werden kurz –und langwirksame Betamimetika eingesetzt. Sie werden inhaliert, erweitern die Atemwege und erleichtern so das Atmen. Kurzwirksame können in der Akutsituation eingesetzt werden, während Langwirksame zur Dauertherapie eingesetzt werden. Auch Kortikosteroide werden eingesetzt, um die Entzündung in den Bronchien zu hemmen. [6]
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit: durch eine Oberkörperhochlagerung, eine Nahrungsumstellung auf fettarme Kost und die Einnahme von vielen kleinen Mahlzeiten kann die Symptomatik oft schon verbessert werden. Zur medikamentösen Therapie werden Protonenpumpenhemmer eingesetzt, welche die Sekretion von Magensäure hemmen. [1][8]
    Bei Asthma, COPD oder der gastroösophagealen Refluxkankheit wird zusammen mit dem Arzt je nach Schweregrad der Erkrankung ein Medikamentenplan erstellt. Bei Medikamenten induziertem Husten ist oft ein Absetzten oder Umstellen der Medikation ausreichend. [1]
  • Abschwellende Nasentropfen: auch Wirkstoffe wie Oxymetazolin oder Xylometazolin können eine Linderung verschaffen. Nasentropfen sollten wegen der Gefahr der Abhängigkeit aber nicht länger als eine Woche verwendet werden. [16]

Zu Beachten

Da ein chronischer Husten oft Symptom einer Grunderkrankung ist, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Eine genaue Befragung, ein Lungenfunktionstest und ein Röntgenbild geben meist Aufschluss über die bestehende Erkrankung. [2][7] Besonders bei Säuglingen sollte man bei Husten auch an Keuchhusten (Pertussis) denken, dabei kommt es zu anfallartigen Hustenstößen. Um eine Erkrankung zu vermeiden, sollte die Umgebung des Kindes und auch das Kind selbst gegen Pertussis geimpft werden. [17]