Husten: Krankheitstypen

Viraler Husten

© PantherMedia / Lasse Kristensen

Vor allem in den kalten Wintermonaten erwischt es wohl jeden von uns das ein oder andere Mal. Kurz in der kalten Zugluft gesessen oder nach dem Sport nicht direkt in die Dusche gesprungen, schon hat man sich eine Erkältung eingefangen. Neben Schnupfen, Heiserkeit und Halsschmerzen wird ein Infekt der Atemwege nicht selten auch von einem kräftigen Husten begleitet.

Unterschieden werden der akute Husten und der chronische Husten. Während bei der akuten Form die Beschwerden nach drei bis vier Wochen wieder abgeklungen sind, wird ein chronischer Husten durch  anhaltende Symptome über eine Dauer von länger als vier Wochen charakterisiert.[1]

Weiterhin muss ein produktiver Husten von einem trockenen Husten abgegrenzt werden. Auf die Besiedlung der Atemwege mit Viren oder anderen Erregern reagieren die Bronchien mit der verstärkten Bildung von Schleim. Dieser Schleim kann beim Hustenstoß abgehustet werden, sodass es zum Auswurf kommt.  Beim trockenen, unproduktiven Husten dagegen ist die Sekretbildung nicht erhöht.[2][3]

Eine virale Infektion der oberen Atemwege kann sowohl einen produktiven Husten als auch einen trockenen Reizhusten verursachen. In aller Regel verläuft ein viraler Husten bei einer Erkältungskrankheit akut, das heißt, nach einigen Wochen sollte er sich wieder zurückgebildet haben.[4] Trotzdem können wiederholte Atemwegsinfektionen (kreisende Infektionen), die direkt aufeinanderfolgen, auch zu einem chronischen Husten führen.[2]

Ursachen für einen viralen Husten

Die durch Viren verursachte Erkältungskrankheit (common cold) der oberen Atemwege ist die häufigste Ursache für akuten Husten.[4] In den meisten Fällen spielen dabei Rhinoviren eine entscheidende Rolle, aber auch Coronaviren, Parainfluenzaviren, Influenzaviren oder Adenoviren können die gleichen Symptome hervorrufen.[5] Die Viren bewirken eine Zerstörung des oberflächlichen Gewebes der Atemwege (Epithelien), sodass die daraus resultierende Entzündungsreaktion einen Hustenreiz hervorruft.[6]

Typischerweise zeigen sich bei viralen Infekten der oberen Atemwege Rötungen im Bereich des Rachens. Fieber ist in der Regel nicht oder nur leicht vorhanden. Klassische Begleitsymptome sind mäßige Halsschmerzen, Schnupfen mit behinderter Nasenatmung und Kopf- und Gliederschmerzen. In zwei Drittel der Fälle ist die Erkältung nach spätestens zwei Wochen wieder verschwunden.[4]

Auch die akute Bronchitis wird in den allermeisten Fällen durch Viren ausgelöst.[7] Der Übergang von einer Erkältungskrankheit in eine akute Bronchitis ist fließend. Meistens tritt die akute Bronchitis zusammen mit einer Erkältungskrankheit auf. Während bei der Bronchitis die unteren Atemwege betroffen sind (Bronchien), reduziert sich die Entzündungsreaktion bei der einfachen Erkältungskrankheit eher auf die oberen Atemwege. Zusätzlich zu den schon genannten Symptomen kann es bei einer Bronchitis zu einer Verengung der Bronchien (bronchiale Obstruktion) mit röchelnden oder pfeifenden Atemgeräuschen kommen. Während in der frühen Phase vorwiegend ein trockener Reizhusten imponiert, entsteht daraus im Verlauf ein produktiver Husten mit schleimigem Auswurf, häufig begleitet von Fieber. Bei der akuten Bronchitis verbessert sich der Allgemeinzustand normalerweise nach einigen Tagen, obwohl der Hustenreiz auch noch einige Wochen andauern kann.[4]

Beim postinfektiösen Husten halten die Symptome nach einem auslösenden Infekt noch um mehrere Wochen an, obwohl dieser eigentlich schon wieder auskuriert ist. Häufig tritt der postinfektiöse Husten nach einem Virusinfekt auf. Ursächlich wird eine Schädigung der Schleimhaut angenommen, die dazu führt, dass Rezeptoren ungeschützt offen liegen. Diese Rezeptoren sind dadurch empfindlicher auf äußere Reize und bewirken einen Hustenreflex. Andererseits kann auch eine Entzündung nach einem Infekt weiter anhalten, sodass auch dadurch ein postinfektiöser Husten ausgelöst werden kann.[5]

Therapie des viralen Hustens

Zu betonen ist die Harmlosigkeit und Selbstlimitierung von Husten bei einem Erkältungsinfekt. Eine medikamentöse Therapie sollte nur dann erfolgen, wenn eine erhebliche Beeinträchtigung durch die Beschwerden verursacht wird.[4]

Bei schweren körperlichen Belastungen im Beruf und bei ausgeprägter Symptomatik kann bei einer Erkältungskrankheit eine Krankschreibung in Betracht gezogen werden.

Um die Beschwerden möglichst rasch wieder loszuwerden, sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Eine höhere Flüssigkeitszufuhr als im gesunden Zustand sollte jedoch vermieden werden, um Störungen im Elektrolythaushalt zu vermeiden.[4]

Durch Wasserdampfinhalationen, am besten über eine Dauer von etwa 20 Minuten bei 43 °C, kann Wärme in die Atemwege transportiert und eine Linderung des Hustens erzielt werden.[4] Wichtig ist außerdem eine absolute Nikotinkarenz, sowohl passiv als auch aktiv. Eine Rauchexposition kann die Dauer der Erkrankung deutlich verzögern.[4]

Als Hausmittel kann ein Bronchialtee dabei helfen, den zähen Schleim zu verflüssigen und leichter abzuhusten. Dafür wird ein Teelöffel getrockneter oder frischer Thymian mit einem Viertelliter Wasser übergossen, für zehn Minuten ziehen gelassen und dann abgeseiht (Trennen von festen und flüssigen Bestandteilen). Empfohlen wird dreimal täglich eine Tasse Bronchialtee. Für Kinder eignet sich eher ein milderer Tee aus Fenchelsamen.[8]

Auch Zwiebelsirup kann einen bestehenden Hustenreiz abschwächen. Dazu werden Zwiebeln geschält, in Scheiben geschnitten und in einem Glas mit Zucker bestreut. Nach einigen Stunden bildet sich daraus ein Sirup, von dem täglich drei- bis fünfmal ein Teelöffel eingenommen werden darf.[8]

Durch die regelmäßige Einnahme von Vitamin-C-Präparatenlässt sich in der Durchschnittsbevölkerung die Häufigkeit von Erkrankungen nicht merklich reduzieren. Nur Personen, die extrem hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, wie z. B. Marathonläufer oder Skiläufer, profitieren von einer Vitamin-C-Einnahme.[4]

Thymian-Efeu-Präparate oder Thymian-Primel-Präparatekönnen eine Linderung der Hustensymptome bei einer akuten Bronchitis erzielen. So wurde gezeigt, dass die Hustenanfälle gegenüber einem Placebo-Präparat deutlich reduziert werden konnten.[4] Medikamente, die Efeu enthalten, sind z. B.Prospan®, EFEU-ratiopharm® oder Hedelix®. Thymian ist zum Beispiel Bestandteil von THYMIAN-ratiopharm® Hustensaft, Tussamag® Hustensaft N oder Bronchipret® Saft TE.

  • Wirkstoff: Extrakt aus Efeublättern und Thymiankraut[9]
  • Die Präparate werden insbesondere bei akuter Bronchitis mit Husten und zähflüssigem Schleim verwendet. 
  • Je nach Hersteller unterscheiden sich die Dosierungen, die dem Alter des Patienten angepasst werden. Für nähere Informationen ist die Packungsbeilage zu beachten.
  • Die Medikamente sollten nicht angewendet werden, wenn eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Thymian, Efeu, Pflanzen der Familie der Araliengewächse, Birke, Beifuß, Sellerie oder gegen andere Lippenblütler vorliegt.
  • Eine Anwendung bei Kindern unter einem Jahr sollte nicht erfolgen. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit sollte aus Vorsichtsgründen darauf verzichtet werden.
  • Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden, wie z.B. Krämpfe, Übelkeit oder Erbrechen.

Ein akuter Husten im Rahmen eines einfachen Infekts sollte vorerst nicht mit Medikamenten behandelt werden, die der Schleimlösung in den Atemwegen dienen (Sekretolytika, Mukolytika, Expektorantien).[4] Zu diesen Wirkstoffen zählen z.B. Acetylcystein (Fluimucil®, NAC-ratiopharm® oder Tussamag®) oder Ambroxol (Mucosolvan®, Ambroxol-ratiopharm®, Ambroxol Heumann®).

Auch Hustenstiller (Antitussiva) sollten bei akutem Husten im Rahmen eines Infekts nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen.[4]

Da eine akute Bronchitis in den meisten Fällen viral verursacht ist, wird empfohlen, eine unkomplizierte akute Bronchitis nicht mit Antibiotika zu behandeln.[4] Nur bei Patienten mit schwerwiegenden Grunderkrankungen, z. B. der Lunge oder des Herzens, oder Patienten mit Immunschwäche kann eventuell eine antibiotische Therapie etabliert werden, um einer bakteriellen Superinfektion vorzubeugen.[4]

Zu beachten

Erhöhte Aufmerksamkeit ist geboten, wenn bei Husten bestimmte Alarmsymptome auftreten. Dazu zählen zum Beispiel Husten mit blutigem Auswurf, Husten mit Atemnot (Dyspnoe) oder mit hohem Fieber oder auch Schmerzen des Brustkorbs beim Husten.[10]

Tritt ein Husten akut, zusammen mit einem stechenden Thoraxschmerz und einer asymmetrischen Bewegung des Brustkorbs auf, sollte ebenfalls Vorsicht geboten sein. Eventuell könnte ein Pneumothorax vorliegen, bei dem Luft zwischen Lunge und Brustkorb gelangt, sodass die Atmung behindert wird.[4]

Bei chronischem Husten oder länger andauerndem Husten muss auch immer an schwere Erkrankungen wie eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), ein Asthma bronchiale oder sogar einen Lungentumor gedacht werden. Zur Sicherheit sollte deshalb eine nähere Abklärung erfolgen.

Auch bei Kindern sollte auf bestimmte Symptome geachtet werden. Kommt es zu einem plötzlich auftretenden Husten mit pfeifenden Atemgeräuschen beim Einatmen, kann eventuell ein Fremdkörper in die Luftröhre verschluckt worden sein (Fremdkörperaspiration).[4]

Tritt eine der genannten Konstellationen auf, sollte möglichst rasch ein Arzt aufgesucht werden, um eine nähere Diagnostik durchzuführen und eventuell schwere Erkrankungen zu erkennen.