Erkältung: Klassische Arzneimittel

"Aspirin" gegen Erkältung

© PantherMedia / pictrough
  • Hersteller: Bayer
  • Wirkstoff: Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Darreichungsform: Tablette, Granulat, Brausetablette
  • Rezeptfrei: ja
  • Hilft bei Erkältung: ja

Einleitung

Aspirin ist ein antientzündliches, schmerzstillendes und fiebersenkendes Arzneimittel, das rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich ist. Oft wird es bei Erkältungen zur Bekämpfung der unangenehmen Symptome wie Fieber, Schnupfen, und Kopfschmerzen angewendet. Die Therapie mit Aspirin ist nur eine symptomatische Behandlung (Linderung der Beschwerden) und verkürzt die Dauer der Erkrankung nicht. Es könnten durch die Einnahme sogar Nachteile entstehen, da Aspirin gerinnungshemmend wirkt und damit die Zeit der Blutstillung verlängert.[1]

Medizinische Fakten

Salicylsäure, die Grundstruktur von Acetylsalicylsäure (ASS), dem Wirkstoff von Aspirin, stammt ursprünglich aus der Rinde der Korb- und Silberweide. Heute wird Aspirin jedoch hauptsächlich gentechnologisch hergestellt. In niedrigen Dosen wird ASS zur Blutverdünnung eingesetzt, da es schon in kleinen Mengen das Enzym Cyclooxygenase-1 hemmt. Dieses Enzym ist im Körper für die Zusammenlagerung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) verantwortlich. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wird auch Aspirin verabreicht, da es das Risiko einer möglichen Verstopfung einer Arterie durch einen Zellklumpen (Embolie) senkt. Höherdosiert (ab 500 mg) wird Aspirin bei Erkältungen eingenommen. Dabei wirkt es entzündungshemmend (antiinflammatorisch), schmerzlindernd (analgetisch) und fiebersenkend (antiphlogistisch). [2]

Wirkungsweise bei Erkältungen

Niedrigdosiert blockiert ASS nur die Cyclooxygenase-1, die für die Zusammenlagerung von Blutplättchen verantwortlich ist. In höheren Dosen hemmt (inhibiert) Aspirin auch die Cyclooxygenase-2, eines der wichtigsten Moleküle für das Schmerzempfinden. Aspirin kann somit eine Schmerzausschaltung (Analgesie) bewirken. Die beiden Arten an Cyclooxygenasen sind zudem die geschwindigkeitsbestimmenden Enzyme bei der Herstellung (Synthese) von Prostaglandinen im Körper. Diese werden auchMediatoren von Entzündungsvorgängen genannt. Bei der Hemmung der Cyclooxygenasen durch Aspirin wird damit auch die Synthese dieser Mediatoren (Prostaglandine) eingeschränkt, woraufhin Entzündungsreaktionen abnehmen. Des Weiteren kann der Wirkstoff ASS weitere Entzündungsfaktoren im Körper direkt hemmen. Resultierend wird dann die Fieberentstehung gedrosselt.[3]Damit wirkt Aspirin höherdosiert schmerzstillend, antiinflammatorisch und fiebersenkend, jedoch bekämpft es nicht die erkältungsauslösenden Erreger. Das heißt, dass zwar die Symptome einer Erkältung abnehmen, jedoch körpereigene Mechanismen die Erreger ausschalten müssen. Die Dauer der Erkrankung bleibt also auch nach Einnahme von Aspirin bestehen.

Anwendung und Dosierung bei Erkältungen

Folgende Angaben ersetzen keinesfalls die Dosierungsanweisungen eines Arztes:

  • Kinder unter 12 Jahren (unter 40 kg Körpergewicht): nicht ohne Verschreibung durch einen Arzt einnehmen
  • 12 – 15 Jahre (ab 40 kg Körpergewicht): Einzeldosis beträgt eine Tablette. Einnahme darf alle vier Stunden wiederholt werden, falls dies nötig ist.
  • Ab 16 Jahren: Einzeldosis von ein bis zwei Tabletten bei Bedarf in Abstand von vier Stunden wiederholen, dabei darf die Gesamtdosis sechs Tabletten nicht überschreiten.
  • Ab 65 Jahren: Einzeldosis sollte eine Tablette betragen, wobei diese alle vier Stunden wiederholt eingenommen werden darf. Die Gesamtdosis darf hier vier Tabletten nicht überschreiten
  • Personen mit Leberschäden/Kreislaufproblemen: erst nach Anweisungen durch einen Arzt einnehmen
  • Max. drei Tage gegen Fieber und vier Tage gegen Schmerzen einnehmen[4]

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Zu den Beschwerden, die nach Einnahme von Aspirin vorkommen, gehören Blutungen (zum Beispiel Nasenbluten, aber auch Hirnblutungen), allergische Reaktionen bis hin zu Asthma, Magenschmerzen in Verbindung mit Blutungen im Verdauungstrakt, Erbrechen, Leberfunktionsstörungen, Nesselsucht, Hautreaktionen und Bewusstseinseintrübungen. Bei einer Überdosierung können Ohrensausen, Hörverlust, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten. Bei Kindern mit einer Virusinfektion konnte das Eintreten des Reye-Syndroms beobachtet werden, nachdem ASS eingenommen wurde. Diese Erkrankung führt zu Leberschäden und äußert sich in neurologischen Ausfällen wie Ohnmacht, Schwindel und Erbrechen. Kinder sollte deshalb nur nach Absrpache mit einem Arzt mit Aspirin® behandelt werden.

Aspirin darf nicht angewendet werden, wenn bereits Blutgerinnungshemmer (Antikoagulanzien) eingenommen werden oder bereits Magen-/Zwölffingerdarmgeschwüre vorlagen. Auch sollte der Wirkstoff ASS nicht mit Methotrexat (mehr als 20 mg pro Woche), ein Medikament, welches das Zellwachstum (Zellproliferation) hemmt, kombiniert werden. Zur Vermeidung möglicher Nebenwirkungen und schädlicher Wechselwirkungen sollte Aspirin erst nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden.[5]

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Aspirin darf nicht eingenommen werden:

  • wenn Allergien gegen ASS vorliegen
  • bei Vorliegen eines Magen-/Darmgeschwürs
  • wenn das Blutungsrisiko erhöht ist
  • wenn eine Nieren-/Leber-/Kreislaufeinschränkung vorliegt
  • wenn Blutgerinnungshemmer oder Methotrexat (über 20 mg pro Woche) eingenommen werden
  • nach dem fünften Schwangerschaftsmonat
  • nach Konsum von Alkohol

Bei Eintreten jeglicher Nebenwirkungen nach Einnahme von ASS sollte unverzüglich ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.[6]

Alternativen

Schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend wirken ebenfalls ASS-ratiopharm® sowie ASS HEXAL®.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung