Erkältung: Klassische Arzneimittel

"Ratiopharm" gegen Erkältung

© PantherMedia / Arne Trautmann
  • Hersteller: Ratiopharm
  • Wirkstoffe: diverse pflanzliche wie auch schulmedizinische Wirkstoffe
  • Darreichungsform: Tabletten, Brausetabletten, Tropfen, Sprays
  • Rezeptfrei?: ja
  • Hilft bei: Erkältung

Einleitung

Erkältungen und ihre Krankheitszeichen unterscheiden sich zum einen im subjektiven Erleben durch den jeweils einzelnen Patienten. Zum anderen unterscheiden sich die Symptome aber auch nach den Erregern und der Biologie des individuellen Menschen. Manche Erkältungen zeichnen sich lediglich durch Schnupfen und Halsschmerzen aus. In anderen Fällen tritt Fieber hinzu und Husten begleitet die Symptomatik. Manchmal, wie u.a. bei Grippeerkrankungen, kommen auch nicht-Atemwegssymptome wie Durchfall und Erbrechen oder Kopfschmerzen hinzu. Demzufolge gibt es eine Vielzahl möglicher Symptome, die im Rahmen einer Erkältung potentiell therapiert werden können. Diesen großen Markt der pharmazeutischen Industrie bedienen wiederum viele Pharmaunternehmen. Einer dieser Konzerne, die sich auf die Produktion pflanzlicher wie auch schulmedizinischer sogenannter Generika (Fertigarzneimittel ohne bestehenden Patentschutz)[1] konzentrieren, ist Ratiopharm. Ratiopharm wurde 1973 als erstes deutsches Generika-Unternehmen gegründet[2]. Ende 2014 war Ratiopharm nach 1A-Pharma und HEXAL das dritterfolgreichste Generika-Unternehmen Deutschlands[3].

Medizinische Fakten

Für die Therapie von Erkältungskrankheiten stellt Ratiopharm im Wesentlichen folgende Präparate bereit:

  • ASS + C-ratiopharm Brausetabletten,
  • ECHINACEA-ratiopharm 100 mg Tabletten,
  • ECHINACEA-ratiopharm Liquid,
  • ECHINACEA-ratiopharm Liquid alkoholfrei,
  • Grippal+C ratiopharm Brausetabletten,
  • Pelargonium-ratiopharm Bronchialtropfen,
  • NasenSpray-ratiopharm Erwachsene,
  • NasenSpray PUR-ratiopharm PLUS,
  • Hustenstiller-ratiopharm Dextromethorphan,
  • Ambroxol-ratiopharm Hustensaft,
  • Ambroxol-ratiopharm Hustentropfen,
  • [,[5]] THYMIAN-ratiopharm Hustensaft[4]

Die enthaltenen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (Abkürzung: ASS) oder beispielhaft Xylometazolinhydrochlorid wurden ausgiebig klinisch getestet, sodass umfangreiche Daten zu Wirkungs- und Nebenwirkungsprofilen bereitstehen.

Wirkungsweise bei Erkältungen

Der schulmedizinische Wirkstoff Acetylsalicylsäure (in ASS + C-ratiopharm Brausetabletten und Grippal+C ratiopharm Brausetabletten) wirkt gegen Erkältungen durch die Hemmung eines Enzyms namens Cyclooxigenase (COX Typ 1 und 2). Dieses Enzym stellt Botenstoffe her, die Schmerzen und Fieber auslösen und aufrechterhalten können. Acetylsalicylsäure unterbricht die Enzymfunktion und kann zur Symptomerleichterung z. B. bei Fieber, Gliederschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl führen[6].

Paracetamol (Abkürzung: PCM, auch Acetaminophen genannt), enthalten in Grippal+C ratiopharm Brausetabletten, hemmt vermutlich das gleiche Enzym wie Acetysalicylsäure direkt im zentralen Nervensystem. Dadurch kann Paracetamol eine starke fiebersenkende (antipyretische) Wirkung erreichen und ebenfallsSchmerzen mindern[7].

Xylometazolinhydrochlorid, enthalten in NasenSpray-ratiopharm Erwachsene, zählt zur Medikamentenklasse der sogenannten Dekongestiva bzw. Alphasympathomimetika. Im Rahmen eines Erkältungsinfektes mit Schnupfen (Rhinitis) ist die Nasen-Rachenschleimhaut (Nasopharyngealschleimhaut) dick geschwollen und die Blutgefäße dort sind stark erweitert. Xylometazolinhydrochlorid besetzt bestimmte Rezeptoren (Andockstellen auf einer Zelloberfläche) auf den Blutgefäßen, sodass sich diese daraufhin verengen, die Schleimhaut zeitweilig wieder abschwillt und der Luftstrom durch Nase und Rachen erleichtert werden kann[8].

Dextromethorphan, enthalten in Hustenstiller-ratiopharm Dextromethorphan, ist ein morphin-verwandter Hustenstiller (Antitussivum), der direkt an Rezeptoren im Gehirn den Hustenreiz unterdrücken kann[9]. Es wirkt i.d.R. nach 15 bis 30 Minuten und kann den Hustenreiz bis zu sechs Stunden lang stillen[10].

Ambroxol, enthalten in Ambroxol-ratiopharm Hustensaft und Ambroxol-ratiopharm Hustentropfen, ist ein schleimlösender und schleimfördernder Wirkstoff. Zur tatsächlichen Wirksamkeit von Ambroxol gibt es widersprüchliche Studienergebnisse[11].

Der pflanzliche Wirkstoffkomplex aus Echinacea (Sonnenhut), enthalten in ECHINACEA-ratiopharm 100 mg Tabletten, ECHINACEA-ratiopharm Liquid und ECHINACEA-ratiopharm Liquid alkoholfrei, soll Immunzellen stimulieren können und so Abwehrkräfte unterstützen. Seit langer Zeit wird Echinacea in der Naturheilkunde (z. B. in der Homöopathie) eingesetzt, doch gibt es auch bei Echinacea widersprüchliche Studienergebnisse zur tatsächlichen Wirksamkeit bei Erkältungskrankheiten[12].

Ebenso sollen Extrakte aus Pelargonien (Geraniengewächse), enthalten in Pelargonium-ratiopharm Bronchialtropfen, das Immunsystem anregen und speziell Schleim lösen können (Mukolyse). Somit könnten Pelargoniumtropfen, wie auch Ambroxol, Abhilfe leisten bei Erkrankungen mit zähem Schleim in den Atemwegen (Bronchitis).

Mit Hilfe schleimlösender sekundärer Pflanzenstoffe (ätherische Öle) des Thymians (Carvacrol, Cineol, Linalol, Geraniol und Borneol), enthalten in THYMIAN-ratiopharm Hustensaft, können Keime in ihrem Wachstum gehemmtwerden. Zudem können sie entzündungshemmend wirken und die Fähigkeit der Zellen zur Selbstreinigung mittels sogenannter Flimmerzellen oder Zilien (ziliärer Transport), über die der Schleim aus dem Körper transportiert wird, stärken (mukoziliäre Clearance)[13].

Generell können auch Präparate mit ähnlichen Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen von anderen Herstellern wie STADA Arzneimittel, Winthrop Arzneimittel, ALIUD PHARMA, 1A Pharma oder HEXAL verwendet werden.

Anwendung & Dosierung bei Erkältungen

Die Anwendung und Dosierung der zahlreichen verschiedenen Präparate sollte gemäß den ausgewiesenen Symptomen oder Symptomkomplexen erfolgen und im Zweifelsfall mit einem Arzt abgesprochen werden. Insbesondere sei auf gegebenenfalls nötige Dosisanpassungen bei zugrundeliegenden Erkrankungen wie z.B. Asthma bronchiale (wegen möglichweiser Atemwegsreizungen bei Präparaten mit ätherischen Ölen) oder Altersbeschränkungen in der Zulassung bestimmter Präparate (z. B. Alkohol- oder Acetylsalicylsäure-haltige Präparate) laut Beipackzettel hingewiesen.

Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Wie bei prinzipiell allen Medikamenten kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen. Wird eine solche vermutet, sollte die Einnahme unverzüglich beendet und in jedem Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Insbesondere ist bei der Vielzahl von pflanzlichen Medikamenten auf mögliche Allergien wie z. B. gegen Korbblütler (Echinacea) zu achten. Pelargonium-Extrakte enthalten gerinnungshemmende Wirkstoffe (Cumarine) und dürfen daher nicht zusammen mit anderen sogenannten Blutverdünnern eingenommen werden, um innere Blutungen zu vermeiden[14]. Sinnvollerweise sollten Husten- bzw. Schleimlöser (z. B. Thymian-haltige Präparate) nicht zusammen mit Hustenstillern (z. B. Dextromethorphan-haltige Präparate) eingenommen werden, da der zunächst verflüssigte Schleim nicht abgehustet werden könnte und prinzipiell dadurch die Gefahr einer Lungenentzündung bestünde.

Acetylsalicylsäure kann häufig (weniger als 1 von 10, aber mehr als 1 von 100 Behandelten) Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Selten bis sehr selten (ungefähr 1 von 10 000 Behandelten) können Hirnblutungen oder andernorts vorkommende Blutungen (aufgrund der gerinnungshemmenden Wirkung der Acetylsalicylsäure) auftreten[15].

Nebenwirkungen bei der Einnahme von Paracetamol sind bei korrekter Dosierung und ohne bestehende Vorerkrankungen wie Leberleiden nur sehr selten(weniger als 1 von 10 000 Behandelten, einschließlich Einzelfälle). Wechselwirkungen von Paracetamol können unter anderem mitProbenecid (bei Gicht), Phenobarbital (bei Schlafstörungen), Phenytoin (bei Epilepsie), Rifampicin (bei Tuberkulose) oder einigen antiviralen Medikamenten auftreten. Hierzu sollte individuell ein Arzt zu Rate gezogen werden[16].

Bei der Anwendung von Xylometazolinhydrochlorid kann es häufig kann es zu einertrockenen Nase kommen, mit Brennen und Niesreiz. Selten bis sehr selten könnenHerzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe oder ein erhöhter Blutdruck auftreten. Bei Säuglingen und Neugeborenen kann es sehr selten (Einzelfälle) zu Atemstillständen kommen. Es ist beschrieben, dass größere Wirkstoffmengen über die Nasenschleimhaut in das zentrale Nervensystem eindringen können und dort mit Atem- und Kreislaufzentrum wechselwirken[17].

Bei der Einnahme von Dextromethorphan kann es gelegentlich (weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1 000 Behandelten) zu Magen-Darm-Beschwerdensowie Müdigkeit kommen (Morphin-artige Wirkung). Schwerwiegende Wechselwirkungen mit stimmungsaufhellenden Medikamenten(Neuroleptika) sowie mit Linezolid, Amiodaron, Chinidin, Haloperidol, Propafenon, Thioridazin, Cimetidin und Ritonavir sind bekannt[18].

Bei Einnahme des Hustenlösers Ambroxol kann es sehr selten zu schweren Hautreaktionen kommen. Wechselwirkungen sind nicht bekannt[19].

Auch bei hier nicht beschriebenen Neben- oder Wechselwirkungen sollte stets die Medikamenteneinnahme unterbrochen und ein Arzt aufgesucht werden.

Gegenanzeigen & Warnhinweise

Explizit sei darauf hingewiesen, dass ein Suchtpotential bei der Anwendung des Morphin-artigen Dextromethorphans besteht[20].

Acetylsalicylsäure sollte nicht bei Kindern angewendet werden, da ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Reye-Syndroms (akute, schwerwiegende Gehirnerkrankung mit fettigem Leberzerfall) besteht[21]. Zudem ist eine Anwendung bei vorbestehendem Asthma bronchiale oder Magen-Darm-Blutungen sowie bei erhöhtem Blutungsrisiko (Einnahme gerinnungshemmender Medikamente) nicht zu empfehlen[22].

Paracetamol wird in der Leber verstoffwechselt. Hier kann es potentiell auch den meisten Schaden, bei Überdosierung, anrichten (Gefahr der sogenannten Leberzellnekrose). Eine Einnahme von über 6 g Paracetamol kann für Erwachsene in einem tödlichen Leberschaden enden. Vergiftungszeichen sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen. Es steht ein Gegengift zur Verfügung (Acetylcystein, ACC). Paracetamol sollte nicht eingenommen werden bei vorbestehendem Nierenschaden, Leberschaden, Alkoholmissbrauch sowie Mangel an Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase (genetischer Defekt)[23].

Für Xylometazolinhydrochlorid sollte eine Anwendungsdauer von sieben Tagen nicht überschritten werden, da es bei länger dauernder Anwendung zu einer Degeneration (dauerhafte Austrocknung mit wiederum reaktiver Schwellung) der Nasenschleimhaut kommen kann (Privinismus oder Rhinopathia medicamentosa).Für Kinder unter zwölf Jahren sollte die Notwendigkeit zur Anwendung von Xylometazolinhydrochlorid aufgrund der möglichen Wirkungen im Gehirn (s.o.) genau geprüft werden[24].

Bei allen hier aufgeführten Wirkstoffen liegen ungenügend Daten vor, um einen Einsatz in Schwangerschaft und Stillzeit zu empfehlen.

Bei allen Fragen rund um Anwendung, Sicherheit und Weiteres sollte generell ein Arzt konsultiert werden.

Alternativen

Vergleichbare Präparate sind unter anderem von den Firmen HEXAL, Norvatis und BAYER auf dem Markt. Alternativ oder ergänzend können auch homöopathische Mittel von WELEDA, WALA oder DHU eingesetzt werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung