Halsschmerzen: Häufige Fragen

Halstabletten (Akute Hals und Rachenhilfe)

© PantherMedia / Tatjana Urosevic

Im Rahmen einer Erkältung, also eines Infektes, der durch Viren bedingt ist, kann es häufig zu Halsschmerzen kommen. Diese äußern sich dabei zumeist durch Schluckbeschwerden, Kratzen, Brennen und einem Trockenheitsgefühl.[1] Spricht man vom Hals ist im eigentlichen Sinne der Rachen (Pharynx) gemeint. Es handelt sich dabei um einen muskulären Schlauch, der von Schleimhaut bedeckt ist und in drei Etagen, den Nasen-, Mund- und Kehlkopfrachen, eingeteilt wird. In der untersten Etage geht der Kehlkopfrachen in die Speiseröhre (Ösophagus) über. Im Mund- und Rachenbereich findet sich außerdem eine große Ansammlung von Lymphgewebe, der sogenannte Waldeyer Rachenring, in dem sich Zellen befinden die der Abwehr von Krankheitserregern dienen.[8]

Medikamente zur Hals und Rachenhilfe

Zur Linderung der Symptome kann das Gurgeln mit Tee oder Salzwasser, eine ausreichende Trinkmenge, Halswickel und das Lutschen nicht- medizinischer Bonbons, wie z.B. Kräuterbonbons (mit z.B. Salbei) oder Lutschpastillen mit den Zusätzen Lichen islandicus oder Malvenblüten beitragen. [2][5][6] Lutschtabletten, die eine keimtötende (antiseptische), bakterienvermindernde (antibiotische) oder betäubende (anästhetische) Wirkung haben, werden prinzipiell nicht empfohlen.[2][5] In der Apotheke können allerdings vielerlei solcher Präparate rezeptfrei käuflich erworben werden, welche zum Teil mehrere Wirkstoffe enthalten und zudem unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können. [2] Im Folgenden werden ausgewählte Wirkstoffe näher beschrieben.

Keimtötende Wirkstoffe (Antiseptika)[2][3]

Keimtötende Wirkstoffe werden eingesetzt um die Anhäufung von Mikroorganismen einzudämmen und einer möglichen Infektion damit vorzubeugen. [7] Antiseptika gehören verschiedenen Untergruppen an, gemein ist ihnen, dass wie über bestimmte Mechanismen dazu beitragen, dass die Mikroorganismen an ihrer Synthese gehindert werden. [7]

Benzalkoniumchlorid

  • u.a. enthalten in Dorithricin® Halstabletten Classic/-Waldbeere Lutschtabletten
  • Nebenwirkungen: Überempfindlichkeitsreaktionen (vor allem auf darin enthaltenes Benzocain bzw. Minzöl in Dorithricin® Classic)
  • Kontraindikationen: Wunden des Mundbereiches, Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern
  • 2-3-mal täglich ein bis zwei Lutschtabletten
  • zur Behandlung von Infektionen des Mund- und Rachenraumes, bei Halsschmerzen und Schluckbeschwerden

Cetylpyridiniumchlorid

  • u.a. enthalten in Dobendan Strepsils® Mint 1,4 mg Lutschpastillen und Dolo-Dobendan® 1,4 mg/10 mg Lutschtabletten (enthalten zusätzlich Benzocain )
  • Nebenwirkungen: selten Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Kontraindikationen: keine, aber anwendungsbeschränkt bei Kindern <6Jahre
  • Kinder>12Jahre und Erwachsene: alle 2 Stunden eine Lutschtablette, Tageshöchstdosis: 8 Lutschtabletten
  • Kinder 6-12 Jahre: alle 4 Stunden eine Lutschtablette, Tageshöchstdosis: 4 Lutschtabletten
  • unterstützende Behandlung bei schmerzhaften Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

Amylmetacresol

  • u.a. enthalten in neo-angin® Lutschtabletten, neo-angin® Kirsche Lutschtabletten, neo-angin® zuckerfrei Lutschtabletten
  • Nebenwirkungen: sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen, Magenbeschwerden, Schleimhautreizungen
  • Kontraindikationen: Patienten mit Asthma bronchiale und anderen Atemwegserkrankungen (bei gleichzeitiger Überempfindlichkeit), Fructose- Intoleranz (Unverträglichkeit von Fruchtzucker), Glucose- Galactose- Malabsorption (mangelnde Aufnahme der Zucker Glucose und Galactose), Saccharoseintoleranz (Unverträglichkeit von Haushaltszucker), Schwangerschaft und Stillzeit
  • Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: alle 2-3 Stunden eine Lutschtablette langsam im Mund zergehen lassen, Tageshöchstdosis: 6 Tabletten, ohne ärztlichen Rat nicht länger als 3-4 Tage anwenden
  • zur unterstützenden Behandlung bei Symptomen wie Halsschmerz, Rötung oder Schwellung, anwendbar bei akuten Entzündungen der Rachenschleimhaut

Betäubende Wirkstoffe (Lokalanästhetika) [2][3]

Lokalanästhetika verhindern die Empfindung und Weiterleitung von Schmerzimpulsen über die Nervenbahnen des menschlichen Körpers, indem sie spezifische Elektrolyt- Kanäle blockieren. [9]

Benzocain

  • u.a. in Dolo-Dobendan® 1,4 mg/10 mg Lutschtabletten, Dorithricin® Classic/-Waldbeere Lutschtabletten, Anaesthesin®-Pastillen und neo-angin® Benzocain dolo Lutschtabletten enthalten
  • Nebenwirkungen: Kontaktdermatits selten, Überempfindlichkeitsreaktionen, sehr selten Methämoglobinämie (bezeichnet die Umwandlung von sauerstofftransportierendem Hämoglobin als roten Blutfarbstoff in nicht sauerstofftransportfähiges Methämoglobin)
  • Kontraindikationen: Anwendung bei Kindern und Jugendlichen <16 Jahren , strenge Indikationsstellung in Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei Bedarf alle 2 Stunden eine Pastille, Tageshöchstdosis: 6 Pastillen
  • zur kurzzeitigen Behandlung von Beschwerden im Mund- und Rachenraum, die Schmerzen verursachen

Lidocain

  • u.a. in Trachilid® Halsschmerztabletten Lutschtabletten enthalten
  • Nebenwirkungen: sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen, selten veränderte Geschmackswahrnehmung, selten Taubheit der Zunge
  • Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika vom Amid- Typ, Kinder unter 12 Jahren
  • beschränkte Anwendung: eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion, schwere Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Patienten mit Herz- und Kreislaufstörungen, Patienten mit Krampfneigungen, Einnahme durch Jugendliche im Alter zwischen 12-17 Jahren, strenge Indikationsstellung während der Schwangerschaft und Stillzeit
  • Erwachsene können alle 2 Stunden eine Lutschtablette einnehmen, Tageshöchstdosis: 6 Lutschtabletten
  • zur zeitlich begrenzten Anwendung bei Halsschmerzen infolge eines nicht eitrigen Infektes

Zu beachten

Es stehen viele rezeptfreie Halstabletten zur akuten Behandlung von Halsschmerzen zur Verfügung, jedoch ist zu beachten, dass auch diese Nebenwirkungen hervorrufen können, die zum Teil lebensbedrohlich sind.[3]

Halsschmerzen dauern in der Regel nur etwa 3,5 bis 5 Tage an.[4] Wichtig zu betonen ist, dass sie in 50-80 Prozent der Fälle durch Viren bedingt sind, somit bleiben Medikamente die Bakterien abtöten (Antibiotika) ohne Wirkung. Problematisch ist hierbei sogar, dass durch ihre (dann unnötige) Anwendung die natürliche bakterielle Flora des Mund- und Rachenbereiches gestört wird.[2][4] Treten die Halsschmerzen gemeinsam mit Schluckbeschwerden, Fieber über 38°C und vergrößerten Lymphknoten im Halsbereich auf, sind sie möglicherweise von Bakterien (sogenannten ß- hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A) verursacht worden. [4] [5] Ein Schnelltest kann darüber Aufschluss geben, ob Bakterien diese Symptome verursacht haben. In diesem Fall kann die Behandlung mit einem Antibiotikum von Nöten sein.[5]

Bleiben Halsschmerzen über einen längeren Zeitraum (>5 Tage) bestehen oder werden sie stärker sollte ein Arzt (ggf. erneut) aufgesucht werden.[4]

Treten erhebliche Schluckprobleme, Atemnot oder eine Behinderung der Mundöffnung auf ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.[4]


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen