Husten: Häufige Fragen

Mittel gegen Husten (Erkältung)

© PantherMedia / Antonio Guillen Fernández

Husten ist eine Reaktion des Körpers auf Reizungen der Atemwege durch z. B. Fremdkörper, Bakterien oder Viren. Letztere sind häufig Auslöser eines grippalen Infektes (Erkältung), der eine häufig selbstlimitierende Erkrankung darstellt. Dies bedeutet, dass in diesen Fällen meist keine medizinische Behandlung nötig ist. Dies ist jedoch nicht immer der Fall; es gibt auch Ursachen für Husten, bei denen eine Behandlung anzuraten ist bzw. eine Therapie dabei helfen kann, Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verkürzen. Nähere Informationen über Husten, seine Ursachen und Behandlungsmethoden sind im folgenden Artikel zusammengestellt.

Medikamente

Die Atemwege (Respirationstrakt) des Menschen sind mit einem speziellen oberflächlichen Gewebe (Epithel) bedeckt. Die Zellen tragen an ihrer Oberfläche kleine, bewegliche Flimmerhärchen (Zilien), denen das Epithel den Namen „respiratorisches Flimmerepithel“ verdankt. Diese Zilien schlagen in Richtung Nasenrachenraum, also Richtung „Ausgang“, um z. B. Fremdkörper oder Krankheitserreger aus dem Respirationstrakt zu befördern. Die Schleimproduktion in den Atemwegen wird bei Reizung angeregt, sodass die zu entfernenden Partikel in eine Art Schleimmantel gehüllt abtransportiert werden können. Diese beiden Mechanismen bilden gemeinsam die „mukoziliäre Clearance“ (Mukus = Schleim, Clearance = Reinigung), einen wichtigen Selbstreinigungsmechanismus der Lunge. Durch seine Aktivierung wird unter anderem Hustenreiz ausgelöst, um so den Abtransport des gebildeten Schleims zu erleichtern. Dieser Mechanismus ist im Rahmen einer Erkältungskrankheit meist der vorrangige Auslöser für Husten.

Erkältungen sind viral verursacht und treten vor allem in der kalten Jahreszeit gehäuft auf. Symptome können Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Glieder-, Kopf- Ohren- und Halsschmerzen sowie Schnupfen und Husten sein. Grippale Infekte stellen die häufigste Ursache für vorübergehenden Husten dar und bedürfen meist keiner medizinischen Therapie, da die Symptome nach 7–10 Tagen von selbst abklingen (selbstlimitierend). Medikamente können jedoch dabei helfen, den Krankheitsverlauf bzw. die Symptome positiv zu beeinflussen und das Immunsystem bei der Infektabwehr zu unterstützen. Den Husten betreffend kann mithilfe von Medikamenten besonders an einem Punkt der natürlichen Abwehr angesetzt und unterstützend geholfen werden: bei der Schleimproduktion und dem konsekutiven (nachfolgenden) Abhusten. Um einen erholsamen Schlaf zu gewährleisten, können auch Hustenreiz lindernde Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Diese beiden Wirkstoffgruppen sollten jedoch in einem zeitlichen Abstand eingenommen werden (z. B. Schleimlöser morgens und Hustenreizstiller abends), sodass der vermehrt gebildete Schleim tagsüber abgehustet werden kann.


Schleimlöser: Isländisch Moos [1]

Bei dieser als „Moos“ bezeichneten Heilpflanze handelt es sich in Wahrheit um eine Flechte, die vor allem in Heiden und Wäldern der Schweiz, Skandinaviens und anderer Länder heimisch ist. Sie enthält neben Vitaminen und Jod einige antibiotisch (gegen Bakterien wirksam) und tuberkulostatisch (wirkt auf Tuberkelbakterien wachstumshemmend) wirkende Inhaltsstoffe. Ebenfalls enthalten sind Schleimstoffe, die reizmildernd auf entzündete Schleimhäute wirken. Neben der Anwendung als Hausmittel (z. B. als Tee) ist diese Heilpflanze mittlerweile in einigen im Handel erhältlichen Arzneimitteln enthalten, die vor allem zur Behandlung von Reiz- und Keuchhusten sowie zum Abhusten des morgendlichen zähen Schleims angewandt werden. Bei Schleimhautkontakt wird ein schützender Film auf der Oberfläche gebildet. Daher gilt die Wirksamkeit auch bei Erkrankungen des Mund- und Rachenraumes als gesichert.[2] Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der milden Wirkweise, wodurch auch Kinder, Schwangere und stillende Frauen diesen Wirkstoff einnehmen dürfen. Nebenwirkungen sowie Kreuzreaktionen mit anderen Wirkstoffen sind bisher nicht bekannt. Sollte jedoch eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Flechtensäuren bestehen, sollte Isländisch Moos nicht eingenommen werden.

In Deutschland erhältliche Präparate: z. B. Abtei Hustensaft akut® (Mischpräparat, 150 ml), Broncholind Isländisch Moos Hustensaft® (Mischpräparat, 150 ml), isla moos Pastillen®


Hustenreizstiller: Codein [3]

Codein ist ein schwach wirksames Opiumderivat, das zur Linderung eines unproduktiven Hustenreizes und zur Auswurfförderung, vorwiegend im Rahmen von Erkältungen der oberen Luftwege, angewendet wird. Die Dosierung bei Erwachsenen beträgt höchstens 3–4-mal täglich 30–40 Tropfen (30 Tropfen = 1 ml), wobei die Abstände der Einnahmezeitpunkte mindestens 4 Stunden betragen sollen. Die Einnahme von codeinhaltigen Medikamenten ist bei Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen. Durch seine Wirkung als reiner Morphinagonist erhöht es die Reizschwelle des zentralen Atemzentrums (wird dadurch erst bei viel stärkeren Reizen aktiviert), wodurch Hustenreiz wirksam unterdrückt werden kann. Seine geringe Potenz verglichen mit anderen Morphinen bewirkt eine stark verringerte Wirksamkeit an Opiat-Rezeptoren, sodass eine analgetische (schmerzlindernde) und obstipierende (Verstopfung fördernde, beides typische Wirkungen von Morphinen) Wirkung zwar möglich ist, jedoch erst bei sehr hohen Dosen auftritt. Ein bestimmtes Enzym in der Leber, CYP2D6, ist wesentlich in den Weg der Verstoffwechselung von Codein involviert. Bei diesem Enzym gibt es genetische Varianten (vor allem Defizienzen = Mangel oder beeinträchtige Funktion), wodurch Betroffene Codein weniger schnell verstoffwechseln und ausscheiden können. Dadurch entstehen höhere Plasmaspiegel (messbare Konzentration des Wirkstoffes im Blut) und daher eine verlängerte Wirkdauer. Häufige Nebenwirkungen sind beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis), Verstopfung (Obstipation) sowie eine Erhöhung der Spannung von Schließmuskeln (Spinktertonuserhöhung), welche z. B. erschwertes Harnlassen (Harnverhalt) verursachen kann. Die gleichzeitige Einnahme von Codein und Medikamenten wie bestimmte Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen), Beta-Blocker (Einsatz vor allem bei Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit) und Antiarrhythmika (Medikamente zur Kontrolle der Herzfrequenz bei Herzrhythmusstörungen) ist nicht zu empfehlen, da es zu Wechselwirkungen kommen kann. Nicht angewendet werden darf dieser Wirkstoff von schwangeren oder stillenden Frauen, Leberkranken, Bronchialasthmatikern im akuten Schub, bei Einnahme von MAO-Hemmern (Medikamente gegen Depressionen), Opioidabhängigkeit oder akuter Alkoholüberdosierung sowie bei Myasthenia gravis (Nervenerkrankung, bei der es zu belastungsabhängiger Muskelschwäche kommt). Die Behandlung mit Codein-Tropfen sollte nur zur Kurzzeittherapie angewandt werden, da es sonst zu Toleranzentwicklung sowie physischer und psychischer Abhängigkeit kommen kann. Durch die zentral dämpfende Wirkung von Codein, die in Verbindung mit z. B. Alkohol oder Beruhigungsmitteln noch gesteigert wird, kann es zu einer Verminderung der Konzentrationsfähigkeit kommen, wodurch beispielsweise die Fahrtüchtigkeit negativ beeinflusst sein kann.

In Deutschland erhältliche Präparate: z. B. BRONCHICUM mono Codein Tropfen® (30 ml), Codeinsaft-CT® 5 mg/ml (100 ml Saft), Codeintropfen-CT® 1 mg/Tropfen (15/30 ml Tropfen)[4]

Zu beachten

Husten ist ein wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers und sollte daher nicht einfach nur unterdrückt werden. Der Körper kann jedoch dabei unterstützt werden, die Erreger loszuwerden, indem das Abhusten des Schleims gefördert oder eine erholsame Nachtruhe ermöglicht werden. In den meisten Fällen ist sonst keine weitere ärztliche Intervention nötig. Sollte der Husten jedoch mehr als 7–10 Tage andauern, über eine längere Zeit immer wiederkehren oder mit schwerem Krankheitsgefühl bzw. zusammen mit anderen Symptomen, wie extremer Schwäche, hohem Fieber, Atemnot, saurem Aufstoßen (gastroösophageale Rufluxkrankheit), oder vor allem nachts oder bei Belastung auftreten, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. In diesen komplizierteren Fällen sollte auf Begleitsymptome wie Luftnot, Sodbrennen (siehe oben), Ödeme („Wasser“ansammlungen, vor allem an äußeren Extremitäten) bzw. zeitliche (z. B. nach dem Essen, nachts, anfallsartig) oder räumliche Umstände, wie z. B. Kontakt mit Allergie auslösenden Substanzen (Allergenexposition), geachtet werden. Diese Informationen sollten dem Arzt mitgeteilt werden, da sie bei der Diagnosefindung hilfreich sein können. Ein Arztbesuch ist ebenfalls dringend notwendig, wenn das ausgehustete Material eine grünliche (kann auf eine bakterielle Lungenentzündung hinweisen) oder eine rötliche Farbe annimmt, denn auch dann kann eine ernst zu nehmende Erkrankung zugrunde liegen. Risikogruppen, wie Schwangere, Kinder, alte oder immunschwache Menschen sowie Personen mit schwerwiegenden Grunderkrankungen, sollten den Arzt dagegen so bald wie möglich aufsuchen, da eventuell eine frühe oder spezifizierte medizinische Versorgung nötig sein kann.