Erkältung: Häufige Fragen

Medizin gegen Erkältung

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Die Erkältung (grippaler Infekt) ist die häufigste Erkrankung überhaupt. Jeder Erwachsene steckt sich durchschnittlich zwei- bis dreimal im Jahr mit den Erkältungsviren an. Dabei handelt es sich um einen Infekt der oberen Atemwege (Nase, Mund und Rachen). Die Symptome treten langsam auf, es kommt zu Beschwerden wie Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, leichtes Fieber, Husten und Schnupfen. Die Viren werden durch Tröpfchen- (durch Niesen oder Husten) oder Schmierinfektion (durch Anfassen von Türgriffen oder Händeschütteln) übertragen. Häufig wird eine Erkältung fälschlicherweise als Grippe bezeichnet. Diese wird jedoch durch Influenzaviren ausgelöst und verläuft ungleich schwerwiegender als eine Erkältung. Bei einer echten Grippe (Influenza) kommt es plötzlich zu einem schweren Krankheitsgefühlt, hohem Fieber, Gliederschmerzen und trockenem Husten.[1][2]

Medikamente gegen Erkältung

Eine gewöhnliche Erkältung ist selbstlimitierend und heilt in den meisten Fällen auch ohne ärztliche Behandlung innerhalb einer Woche zur vollständigen Genesung aus. Allgemein soll auf genügend Schlaf und viel Ruhe geachtet werden, damit der Körper Kraft hat, die Erkältung schnell auszuheilen. Außerdem ist wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, am besten in Form von warmen Tees. Um das Immunsystem nicht zusätzlich zu schwächen wird geraten, auf Alkohol und Rauchen zu verzichten.

Bei stark festsitzendem Schleim können Schleimlöser (Mukolytika) hilfreich sein das Sekret abzuhusten. Diese Medikamente verflüssigen den Bronchialschleim und erleichtern dessen Abtransport. Wenn sehr starke Hals-, Kopf- oder Gliederschmerzen bestehen können sogenannte NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) die Beschwerden durch ihren entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekt mildern. Zudem besitzen sie eine fiebersenkende Wirkung.[3]

Mukolytika:

N-Acetylcystein:

Acetylcystein kann Bindungen im Bronchialschleim aufbrechen, die Zähigkeit wird verringert und das Sekret somit verflüssigt. Das Sekret fließt leichter und kann besser abgehustet werden. Zudem wirkt Acetylcystein antioxidativ, da es den Körper vor freie Radikale (aggressive Sauerstoffverbindungen) schützen kann.

Werden Präparate mit Acetylcystein eingenommen, muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da dem Körper durch das Verflüssigen und Abtransportieren des Schleims Flüssigkeit entzogen wird. Die empfohlene Trinkmenge beträgt 1,5-2 Liter.

Mögliche Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen (Juckreiz, Quaddelblidung oder Hautausschlag), Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem kann Acetylcystein die Wirkung mancher Antibiotika abschwächen. Die Einnahme von Acetylcystein und Antibiotika sollte deshalb nicht gleichzeitig stattfinden, sondern mit mindestens zweistündigem Abstand.

Kindern unter einem Jahr, Schwangere und Stillende sollten keine Präparate mit Acetylcystein einnehmen.

Handelsnamen von Acetylcystein sind unter anderem ACC, Acemuc und Fluimucil.

Acetylcystein ist hilfreich zum Schleimlösen und erleichterten Abhusten und kann bei akutem und chronischem Husten eingenommen werden.

Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren können einmal täglich 600 mg einnehmen. Kinder ab zwei Jahren können täglich bis zu 300 mg Acetylcystein, auf drei Einzeldosen aufgeteilt einnehmen.[4][5][6]

Bromhexin:

Bromhexin regt die Drüsenzellen zur Sekretproduktion an, wodurch der Schleim flüssiger wird und besser abtransportiert werden kann. Zudem werden vermehrt Enzyme gebildet, die den Schleim in den Bronchien abbauen können.

Präparate mit Bromhexin können allergische Reaktionen, beziehungsweise Überempfindlichkeitsreaktionen und Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Hautauschlag auslösen. Kinder unter zwei Jahren und Stillende sollten kein Bromhexin einnehmen.

Bromhexin wird unter anderem in Tropfenform dargeboten. Erwachsenen und Jugendliche ab 14 Jahren dürfen dreimal täglich 15-30 Tropfen einnehmen. Kinder von 6-14 Jahren dreimal täglich 15 Tropfen und Kinder von 2-5 Jahren 8 Tropfen.[7][8][9]

Ambroxol:

Ambroxol ist ein Stoffwechselprodukt von Bromhexin und hat deshalb die gleiche Wirkungsweise. Zusätzlich stimuliert Ambroxol jedoch Surfactant. Surfactant ist ein Phospholipid, das sich wie ein Film in den Bronchien ausbreitet und diese vor dem Kollabieren schützt. Dadurch verliert der Schleim zusätzlich an Zähigkeit und kann besser abgehustet werden.

Bei Einnahme von Ambroxol kann es zu Überempfindlichkeitsreaktion mit Schwellung, Juckreiz und Hautauschlag kommen, es kann auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auftreten. Schwangere und Stillende sollten keine Präparate mit Ambroxol einnehmen.

Ambroxol kann als Hustensaft, Tropfen, Lutschtablette, Brausetablette oder als Inhalierlösung eingenommen werden.[9][10]

Nichtsteroidale Antirheumatika:

Naproxen:

Naproxen hemmt die Prostaglandinbildung. Prostaglandine sind Botenstoffe, die unter anderem für Entzündungsvorgänge zuständig sind, die Rötungen und Schwellungen verursachen. Zusätzlich erhöhen sie die Schmerzempfindlichkeit und können Fieber auslösen.

Bei der Einnahme von NSAR ist das erhöhte Blutungsrisiko zu beachten, v.a. bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern (Antikoagulantien). Es kann zu Magenschleimhautentzündungen bis hin zu Magen-Darm-Blutungen kommen, weshalb häufig vorbeugend Magenschutzräparate (Protonenpumpenhemmer) verschrieben werden.

Naproxen darf nicht eingenommen werden, wenn es in der Vergangenheit bei Einnahme naproxenhaltiger Medikamente zu allergischer Reaktion (beispielsweise Hautausschlag) oder Asthmaanfall gekommen ist.

Handelsnamen von Naproxen sind unter anderem Naprobene, Proxen und Dolormin.

Naproxen kann vor allem bei starken Kopf- und Gliederschmerzen hilfreich sein. Zudem wird bei Fieber über 39°C die Einnahme durch die fiebersenkende Wirkung als angenehm empfunden.

Die Tagesdosis von Naproxen für Jugendliche ab zwölf Jahren liegt bei 10-15mg Naproxen/kg Körpergewicht, verteilt auf zwei Einzelgaben. Dabei sollte die Höchstdosis von 15mg Naproxen/kg Körpergewicht nicht überschritten werden. Bei Erwachsenen beträgt die tägliche Höchstdosis 600 mg.[11][12]

Ibuprofen:

Ibuprofen hemmt wie Naproxen die Prostaglandinbildung und kann somit gegen Entzündungsvorgänge wirken. Zudem wird das Schmerzempfinden herabgesetzt und das Fieber gesenkt.

Wie bei allen NSAR müssen bei Ibuprofen die gleichen Nebenwirkungen genannt werden. Dazu zählen unter anderem, wie bei Naproxen, das erhöhte Blutungsrisiko und Magen-Darmbeschwerden.

Übliche Handelsnamen sind unter anderem Seractil, Brufen, Iproben.

Ibuprofen senkt Fieber und lindert Kopf- und Gliederschmerzen.

Ibuprofen gibt es in Tablettenform oder als Saft. Die maximale Tageshöchstdosis für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren nach ärztlicher Verordnung liegt bei 2400 mg.[13]

Acetylsalicylsäure:

Wie Ibuprofen und Naproxen hemmt Acetylsalicylsäure die Bildung von Prostaglandinen, zudem können die gleichen Nebenwirkungen auftreten.

Übliche Handelsnamen von Acetylsalicylsäure sind beispielsweise Aspirin, Acesal und ASS-Ratiopharm.

Erwachsene dürfen maximal dreimal täglich 0,5 bis 1 Gramm Acetylsalicylsäure als Einzeldosis mit einem Abstand von jeweils mindestens vier Stunden einnehmen. Kinder bis 14 Jahren dürfen Acetylsalicylsäure nur nach Absprache mit einem Arzt einnehmen.[14][15]

Zu beachten

Eine gewöhnliche Erkältung heilt in den meisten Fällen binnen einer Woche ohne ärztliche Behandlung aus. Bleiben die Beschwerden jedoch länger bestehen oder treten gar weitere Symptome wie hohes Fieber, Lymphknotenschwellung oder starkes Krankheitsgefühl auf, wird geraten einen Arzt aufzusuchen.

Eine der beste Maßnahmen, um das Infektionsrisiko während der kalten Jahreszeit gering zu halten ist das Händewaschen. Auch auf das Händeschütteln soll wenn möglich verzichtet werden. Vitaminreiche und eine ausgewogene Ernährung sowie Saunagänge und Wechselduschen stärken das Immunsystem. Trockene Heizungsluft in geschlossenen Räumen schädigt die Schleimhäute der Atemwege, da sie austrocknen und Keime leichter eindringen können. Luftbefeuchter und häufiges Stoßlüften können die Luftfeuchtigkeit erhöhen und somit vor einer Infektion schützen. Auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum sollte verzichtet werden, da dadurch das Immunsystem geschwächt werden kann.[2]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung