Grippe: Krankheitstypen

Asiatische Grippe

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Die asiatische Grippe im Jahr 1957 war nach der spanischen Grippe 1918 – 1920 die zweite große Grippe-Pandemie des 20. Jahrhunderts. Sie entstand durch die Kombination zirkulierender humaner Influenza-A-Viren des Typs H1N1 mit dem bestehenden aviären (Vögel befallenden) Virusstamm H2N2.[1,2]

Wirkungsweise (Biologischer Zusammenhang)

Das für die Grippe verantwortliche Orthomyxovirus Influenza wird aufgrund bestimmter viraler Proteinbestandteile in Typen und Subtypen unterteilt. Auf dem Nukleokapsid, einer Umhüllung des viralen Genoms, sitzen bestimmte Proteine, welche eine Einteilung des Erregers in die Klassen A, B und C ermöglichen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Typen, die für den Menschen aber nicht relevant sind. Auf der äußeren Oberfläche wiederum sitzen die Proteine Hämagglutinin (Antigen HA) und Neuraminidase (Antigen NA), anhand derer die Subtypen der Influenza-Viren der Gruppe A abgeleitet werden. Die B- und C-Varianten weisen keine weiteren Unterteilungen auf. Aufgrund des Vorkommens verschiedener Unterformen sowohl des Hämagglutinins als auch der Neuraminidase und den daraus folgenden Kombinationsmöglichkeiten, erfolgt die nähere Bezeichnung anhand eben jener Kombinationen. Das H2N2-Virus der asiatischen Grippe enthält demzufolge das Hämagglutinin 2 und die Neuraminidase 2.

Ist ein Wirt von zwei unterschiedlichen Virusstämmen betroffen, so können diese Erbmaterial untereinander austauschen und teils gänzlich neue H/N-Kombinationen schaffen. Diese Kombinationen sind für die etwa alle 10 – 20 Jahre auftretenden großen Grippepandemien verantwortlich.

Im Falle der asiatischen Grippe fand ein Austausch von viralem Erbmaterial zwischen zwei verschiedene Wirte befallenden Viren statt: den Subtypen H1N1 und H2N2. Influenza-A-Viren sind besonders häufig von solchen Neukombinationen betroffen, da sie neben dem Menschen noch zahlreiche andere Tierarten befallen können.[1]

Medizinische Fakten

Im Februar 1957 nahm die Grippewelle in China ihren Anfang und breitete sich zügig im gesamten asiatischen Raum aus. Erkrankte zeigten, wie für die Grippe typisch, einen plötzlichen Krankheitsbeginn mit Symptomen wie Fieber und ausgeprägtem frontalen Kopfschmerz. Glieder- und Muskelschmerzen sowie ein starkes Krankheitsgefühl stellten sich ebenfalls bald ein. Es wird von weiteren Begleiterscheinungen wie einem geröteten Rachenring, einer Entzündung der Nasenschleimhäute und der Konjunktiven berichtet. Nach zwei bis fünf Tagen besserten sich die Symptome bereits, der Großteil der Erkrankten wurde in diesem Zeitraum nicht behandlungspflichtig. Im Gegensatz zur vormals aufgetreten spanischen Grippe lag die Mortalität hier nicht bei geschätzten 50 Millionen, sondern wird zwischen ein und zwei Millionen angesiedelt. Auch traten kaum schwerwiegende Komplikationen wie Lungenentzündungen auf, welche 1918 – 1920 vielen Menschen das Leben kostete.[3]

Niederländische Forscher fanden noch im selben Jahr heraus, dass gerade ältere Personen, welche in der Regel als Risikogruppe für Influenzainfektionen gelten, besonders milde Verläufe aufwiesen und offenbar bereits über Antikörper gegen das vermeintlich neue Virus in sich trugen. Eine neue Grippetheorie kam auf, die besagte, „daß sich die Mutationen der Grippeviren in einem regelmäßigen Zyklus von 50 bis 70 Jahren wiederholen und daß also in diesem Rhythmus immer wieder die gleichen Krankheitserreger auftreten“ (Der Spiegel, 27/1957).[4]

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass neuere Erkenntnisse aus der Rekonstruktion der Entwicklung des davor an der spanischen Grippe beteiligten Influenzastammes zeigen, dass auch Anteile von diesem bereits früher zu einer Grippewelle geführt haben muss, da auch 1918 weniger ältere Personen im sonst für die Grippe üblichen Ausmaß erkrankten.[5]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe