Husten: Im Alltag

Husten (in der Stillzeit)

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Husten in der Stillzeit wird von vielen Frauen als besonderer Stress empfunden. In vielen Köpfen der Eltern spukt die Frage herum, ob eine Mutter aufhören muss, ihr Kind zu stillen, weil sie es unter Umständen anstecken könnte. Da die Mutter dem Kind allerdings durch das Stillen wichtige Abwehrstoffe überträgt, die sie selbst nach einer durchgemachten Erkrankung gebildet hat, ist der Säugling in vielen Fällen geschützt. Im folgenden Text werden mögliche Ursachen, Behandlungen und Tipps für einen Husten in der Stillzeit besprochen.

Ursachen des Hustens (in der Stillzeit)

Die Lebensumstellung der Mutter ist nach der Geburt eines Kindes oft anstrengend, da sie nun in der Anfangszeit wenig Schlaf bekommt und sich mehr um das Kind als um sich und eine ausgewogene Ernährung oder Sport kümmert. Alle drei Faktoren führen zu einer Schwächung des Immunsystems (Krankheitsabwehrsystem des Körpers). Dieses System findet sich im ganzen Körper und hat die Aufgabe, Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze, die in den Körper eindringen, entweder zu zerstören oder sie aus dem Körper zu transportieren. Die Erreger befinden sich überall und werden auch z. B. durch die größeren Geschwister aus dem Kindergarten mitgebracht. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Mütter gerade in der Stillzeit relativ schnell mit solchen Erkrankungen anstecken.[1] Gelingt es dem Immunsystem nicht, die Erreger unschädlich zu machen, kann es beispielsweise zu einer Ansteckung mit einem Virus kommen.

Das äußert sich oft in einem Husten, der auch mit Schnupfen, Abgeschlagenheit, Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen einhergehen kann. Es werden zwei verschiedene Arten von Husten unterschieden. Zum einen gibt es den trockenen Husten (unproduktiver Husten), bei dem kein Schleim hervorgebracht wird. Zum anderen gibt es denfeuchten Husten (produktiver Husten), mit dessen Hilfe Schleim aus der Lunge transportiert wird. Der Husten ist sowohl ein Krankheitsanzeichen (Symptom) als auch ein Reinigungsprozess.
Jeden Tag atmet der Mensch die Luft in seiner Umgebung ein und saugt mit ihr viele Schadstoffe, Fremdkörper, Stäube oder Krankheitserreger in seine Lunge. Damit diese allerdings keine Erkrankungen hervorrufen, ist die Lunge in der Lage, die unerwünschten Stoffe wieder herauszuschleusen. Sie besitzt dafür kleinste haarähnliche Strukturen (Zilien), welche die Staubteilchen und Fremdkörper aus der Lunge transportieren. Die Zilien bewegen sich dabei (wie kurze Haare im Wind) in Richtung Lungenausgang und auf ihrer Spitze, eingebettet in eine Schleimschicht, werden die Teilchen immer weiter aus der Lunge geschleudert. Dieser Mechanismus wird mukoziliäre Clearance genannt. Um den Schleim komplett heraus zu befördern, greift der Körper zum Husten.[2]

Handelt es sich um eine einfache Erkältung, wird von einem banalen Infekt der oberen Atemwege gesprochen. In der Regel heilt der Husten innerhalb von vier Wochen spontan ab. In Ausnahmefällen, beispielsweise bei Infektion mit Adenoviren, kann er sich auch um weitere vier Wochen verzögern.[2] Mitunter kann eine zuerst harmlose Erkältung auch einenEtagenwechsel vornehmen. Das bedeutet, dass die Erkrankung, die sich anfangs eher auf die oberen Atemwege (Nase, Hals, Rachenraum) beschränkt hat, weiter abwärts in die Lunge wandert. Es kann dann zu einer Entzündung der Bronchien kommen, einer Bronchitis, oder sogar zu einerLungenentzündung.

Erkältet sich eine stillende Mutter, so ist es durchaus möglich, dass sie ihr Kind mit dem Infekt anstecken kann. Allerdings ist die Übertragung der Krankheitserreger über die Milch weitaus weniger wahrscheinlich als per Tröpfcheninfektion. Das heißt, dass Viren über kleinste Tröpfchen, die beim Sprechen, Niesen oder Husten hervorsprühen, oder durch Hautkontakt, weitergegeben werden. Häufig hat sich das Kind schon zu Beginn des mütterlichen Hustens angesteckt. Die Mutter gibt allerdings über die Muttermilch eigene Antikörper an ihr Kind. Antikörper sind kleinste Abwehrstoffe, die der Körper bildet, wenn er gegen eine Erkrankung kämpft. Sie sind Teil des Immunsystems. Sie sorgen im Kinderkörper schnell dafür, dass die Erkältung milder verläuft, abklingt und die generelle Infektionsanfälligkeit des Säuglings vermindert wird.[3]

Behandlung bei Husten (in der Stillzeit)

Infekt der oberen Atemwege

  • 1–2 Liter Flüssigkeit am Tag trinken
    Es sollte viel Flüssigkeit (z. B. heißer Tee) getrunken werden, um den Schleim, der abgehustet werden soll, zu lösen und dem Körper gleichzeitig Wärme zu spenden.[4]
  • Vitaminreiches Essen, viel Schlaf
  • Bei trockenem Husten: Luft anfeuchten durch ein nasses Handtuch auf der Heizung, um die gereizten Schleimhäute zu beruhigen.
  • Inhalation z. B. mit Fencheltee, Kamille oder unbehandelten Salzen (ohne Trennmittel, da sie oft in der Nase brennen), um die Schleimhäute zu beruhigen und den Hustenreiz zu lindern.
  • Hustenlöser (zur Verflüssigung des Schleimes), wenn es der Arzt empfiehlt. Als Mittel der Wahl in der Stillzeit zählen Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylcystein, z. B. ACC®, Acemuc® oder Bromuc®.[5]
  • Hustenstiller (zur Unterdrückung des Hustenreizes), wenn es der Arzt empfiehlt. Da sich eine Vielzahl an hustenstillenden Medikament für die Stillzeit nicht eignet, sollte bei Bedarf mit dem Arzt besprochen werden, welche Mittel unbedenklich sind und nicht in die Muttermilch übergehen.

Bronchitis oder Lungenentzündung

  • Prinzipiell gelten alle oben aufgeführten Maßnahmen auch für eine Erkrankung der unteren Atemwege. Wichtig ist jedoch, dass auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden muss, der entscheidet, ob gegebenenfalls ein Antibiotikum gegeben werden muss und welches infrage kommt.

Zu beachten bei Husten (in der Stillzeit)

Lange Zeit wurde den erkälteten stillenden Müttern geraten, abzustillen. Von dieser Auflage wurde inzwischen Abstand genommen und es wird empfohlen, weiterzustillen, da die Abwehrkräfte des Babys so gestärkt werden. Es darf sogar eine höhere Stillfrequenz angestrebt werden. Allerdings muss darauf geachtet werden, sich häufig die Hände zu waschen, um die Keime nicht leichtfertig zu verteilen. Schnuller sollten nicht sauber geleckt werden. Bei Medikamenten muss darauf geachtet werden, das sie nicht in die Muttermilch übergehen. Daher sollte eine Einnahme mit dem Arzt abgesprochen werden. Falls der Verdacht besteht, dass sich die hustende stillende Mutter mit einer Tuberkulose angesteckt hat oder sich damit infizierte Personen im näheren Umfeld befinden, muss dringend ein Arzt aufgesucht werden, der über die weitere Stillfähigkeit entscheidet und gegebenenfalls eine spezielle Behandlung einleitet.[6]