Husten Reizhusten: Ursachen

Reizhusten durch "Ramipril"

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Ramipril gehört zur Gruppe der sogenannten ACE-Hemmer, die zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden (Antihypertensiva). Eine Besonderheit der ACE-Hemmer ist der häufig auftretende Reizhusten (Bradykinin-Husten) als unerwünschte Begleiterscheinung.[1]

Der folgende Text liefert einen Überblick über die medizinischen Fakten, die biologischen Zusammenhänge sowie mögliche Therapiealternativen.

Medizinische Fakten

Bei bis zu 15% der Patienten, die mit einem ACE-Hemmer behandelt werden, tritt Reizhusten als unerwünschte Wirkung auf. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Der Husten beginnt oft 1 bis 2 Wochen nach dem Einleiten der Therapie, kann sich aber auch deutlich später entwickeln (bis zu 6 Monate).[2] Patienten, die unter einer solchen unerwünschten Wirkung eines Blutdrucksenkers leiden, sollten auf die Einnahme hustenstillender Mittel (Antitussiva) verzichten. Stattdessen ist umgehend der behandelnde Arzt aufzusuchen.

Biologische Zusammenhänge

Ramipril und verwandte Substanzen hemmen das Angiotensin Converting Enzym (ACE) in seiner Wirkung. Dieses Enzym wandelt unter physiologischen Bedingungen Angiotensin I in Angiotensin II um, eine der stärksten blutdrucksteigernden Substanzen im menschlichen Körper. Angiotensin II wirkt direkt verengend auf die Gefäße (vasokonstriktoisch), fördert die Ausschüttung blutdrucksteigernder Substanzen (Catecholamine) aus dem Nebennierenmark und löst im Gehirn blutdrucksteigernde Effekte (Erhöhung des Sympathikustonus) aus. Durch Hemmung des Angiotensin Converting Enzyms werden alle genannten Prozesse unterbrochen.

Gleichzeitig baut das Angiotensin Converting Enzym blutdrucksenkende Eiweiße (Proteine) ab, sogenannte Kinine. Die Konzentration der Kinine im Blut steigt also bei der Einnahme von ACE-Hemmern an. Dieser Effekt ist gewünscht, da die Kinine zur Senkung des Blutdrucks beitragen können.[1]

Allerdings ist auch der häufig auftretende Reizhusten auf die Anreicherung eines bestimmten Kinins zurückzuführen. Bradykinin wirkt über spezifische Rezeptoren (Andockstellen für einige Substanzen an eine Zelle) am Lungengewebe und kann dort den sogenannten Bradykinin-Husten (trockener Reizhusten) auslösen.[3]

Zu beachten

Sollte im Zusammenhang mit einer Behandlung mit ACE-Hemmern Reizhusten auftreten, darf die Therapie keinesfalls selbstständig beendet werden. Der behandelnde Arzt wird unter Umständen auf ein alternatives Präparat ausweichen, das Absenken des Blutdrucks auf individuell festgelegte Zielwerte muss jedoch fortgeführt werden, um Spätfolgen zu vermeiden.

Eine Wirkstoffklasse, die explizit als Alternative zu den ACE-Hemmern entwickelt wurde, sind die Sartane. Sie blockieren direkt die Rezeptoren für Angiotensin II. Das Angiotensin Converting Enzym wird dabei nicht gehemmt, Bradykinin kann sich nicht anreichern und Reizhusten tritt deutlich seltener auf. Die Entscheidung, ob Sartane eine sinnvolle Alternative zu einem nicht vertragenen ACE-Hemmer darstellen, wird unter Berücksichtigung individueller Faktoren vom Arzt gefällt.[1]