Husten Reizhusten: Ursachen

Ständiger Reizhusten

© PantherMedia / Lev Dolgachov

Beim Reizhusten handelt es sich um trockenen Husten, was bedeutet, dass kein Sekret mit ausgehustet wird. Er stellt eine Reaktion auf Stoffe dar, die die Atemwege reizen. Meist hört er nach einer bestimmten Zeit von alleine wieder auf, jedoch kann er in seltenen Fällen auch chronisch werden. Der folgende Artikel behandelt das Beschwerdebild sowie die häufigsten Begleitumstände und Ursachen des chronischen Reizhustens.

Medizinische Fakten

Meist ist Reizhusten harmlos und basiert z. B. auf einer gewöhnlichen viralen Atemwegsinfektion, für diese er im Anfangsstadium typisch ist. Auch nach dem Abklingen einer Erkältung kann es noch zu einem andauernden, sogenannten „post-viralen“ Husten kommen, welcher vollkommen harmlos ist und noch etwa 2-3 Wochen anhalten kann [1]. Sollte der Husten jedoch mehr als 6-8 Wochen bestehen bleiben (variiert je nach Literatur), rücken andere Ursachen in den Mittelpunkt.

So sind einige der häufigsten Ursachen [2] für chronischen Reizhusten:

Asthma bronchiale

Gastro-ösophagealer Reflux

Post-nasal Drip Syndrom

medikamentös verursachter Husten

andere Ursachen

Von diesen Erkrankungen ist eigentlich nur das Asthma bronchiale eine Erkrankung der Lunge. Es müssen also nicht die Atemwege (Respirationstrakt) direkt betroffen sein, um das Symptom „Husten“ zu entwickeln. Auch eine Herzinsuffizienz kann unter anderem Husten hervorrufen. In diesem Fall wäre eine Verschlechterung der Symptome vor allem nachts bzw. liegend und bei Anstrengung zu erwarten.

Gaströ-ösophageale Refluxkrankheit

Ein weiteres Beispiel, welches seinen Ursprung außerhalb der Lunge nimmt, ist die gastro-ösophageale Refluxkrankheit mit dem Leitsymptom „Sodbrennen“. Diese ist eigentlich eine Erkrankung des Magens und der Speiseröhre, wobei Magensäure durch „Zurückfließen“ in Kontakt mit der Schleimhaut der Speiseröhre kommt. Diese wird dadurch gereizt und es entsteht das typische „Brennen“ bzw. Schmerzen im Bauch oder hinter dem Brustbein. Der begleitende Husten, welcher durch eine Reizung der Atemwege zustande kommt, kommt dementsprechend ebenfalls gehäuft nach dem Essen bzw. im Liegen vor. Bis zu 20 % der Bevölkerung sind von dieser Erkrankung betroffen. In vielen Fällen genügt eine Umstellung der Ernährung, um die Symptome zu lindern [3].

Post-nasal Drip Syndrom

Rinnt stattdessen ständig die Nase, ohne ein eigentliches Krankheitsgefühl zu empfinden, könnte es sich um ein Post-nasal Drip Syndrom handeln. Bei diesem kommt es zu einer gesteigerten Sekretproduktion in den Nasennebenhöhlen, welches dann über den Nasenrachenraum abfließt. Dadurch werden die Atemwege gereizt und es kann zu chronischem Husten kommen [4]. Auslöser sind hier meist Allergene, also bestimmte Substanzen in der Atemluft, die eingeatmet werden und eineallergische Reaktion der Atemwege auslösen.

Asthma bronchiale

Asthma stellt sogar die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Menschen überhaupt dar(5). Oft macht es sich nicht permanent, sondern in Schüben, sogenannten „Asthmaanfällen“, bemerkbar. Auslöser dafür können beispielsweisen allergene Stoffe (z. B. Pollen, Hausstaubmilben), virale Erkrankungen, körperliche Anstrengung, oder auch einige Medikamente sein. Bei einem solchen Anfall können Symptome unterschiedlichen Schweregrads hervorgerufen werden. Typisch ist eine plötzlich auftretende Atemnot, eventuell mit Erhöhung der Atemfrequenz und einem hörbaren Atemgeräusch, welches durch die Enge (Obstruktion) der Atemwege verursacht wird. Möglich ist jedoch auch eine spezielle Form, das „cough variant asthma“, bei welchem anhaltender oder periodisch auftretender Husten das einzige Symptom darstellt.

Medikamentös verursachter Husten

Neben diesen häufigen Ursachen für chronischen Reizhusten ist auch der medikamentös verursachte Husten zu nennen, weshalb bei der Ursachenfindung auch an neu hinzugekommene Medikamente gedacht werden sollte. Solche Medikamente sind zum Beispiel die den Blutdruck senkenden ACE-Hemmer oder die schmerz- und entzündungshemmenden „Nicht-steroidalen Antirheumatika“ (NSAR). Falls Nebenwirkungen auftreten, stehen diese meist in zeitlichem Zusammenhang mit dem Einnahmebeginn und klingen bei Umstellung auf ein anderes Präparat schnell ab.

Andere Ursachen:

Sollte nach einer Reihe von Untersuchungen keine Ursachefür den Reizhusten feststellbar sein, könnte es sich auch um „habituellen“ (früher: psychogenen) Husten handeln, welcher besonders bei Jugendlichen und Frauen vorkommt und nicht auf krankhaften (pathologischen) Veränderungen basiert. Natürlich kann auch Rauchen und ebenfalls Tumore des Respirationstraktes zu chronischem Husten führen, der durch die ständige Reizung/Obstruktion der Atemwege verursacht wird.

Biologischer Zusammenhang

Husten ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers. Dieser kann willkürlich oder durch den eigentlichen Hustenreflex (nervale Verschaltung) ausgelöst sein. Dabei kommt es zum explosionsartigen Ausstoßen von Luft inklusive enthaltenem Sekret oder Fremdkörpern. Mit dem abgehusteten Sekret können bestimmte Schadstoffe, Bakterien oder Viren wieder ausgeschieden werden; hier wird von produktivem Husten gesprochen. Der Reizhusten dagegen ist ein sogenannter unproduktiver Husten. Der Hustenreiz entsteht also nicht aufgrund eines Überschusses an Sekret, sondern als Reaktion auf eine Atemwegsreizung (Magensäure beim Reflux, Sekret aus der Nase beim Post-nasal Drip Syndrom, allergene/chemische Stoffe, Staub), auf eine Blockierung der Atemwege (Verengung bei Asthma, verschluckter Gegenstand bei Kindern, Tumor) bzw. als Nebenwirkung einiger Medikamente [6]. Um auf diese Reize zu reagieren, ist der Respirationstrakt von einem sehr sensiblen Epithel bedeckt, welches, durch an der Oberfläche sitzende „Flimmerhaare“, anfallendes Sekret oder Partikel in Richtung „Ausgang“, also zum Mund befördert. Dieses wandelt sich durch konstante Reizung (z. B. durch Tabakrauch) jedoch langsam in ein anderes, resistenteres Epithel um, welches jedoch nicht mehr die ursprüngliche Funktionalität besitzt. Kann also der Auslöser des Hustens nicht beseitigt werden, bzw. führt der Husten zusammen mit anderen Abwehrfunktionen nicht zum Verschwinden der Ursache, kann es zu einer Chronifizierung kommen. Daher sollte bei länger als 6 Wochen dauerndem Husten unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Zu beachten

Husten ist eines der häufigsten Krankheitsbilder, mit denen Patienten beim Allgemeinmediziner vorstellig werden. Sofern kein Infekt oder eine andere selbstlimitierende Ursache der Auslöser ist, sollte er weiter abgeklärt werden. Häufig liegt dann eine behandlungswürdige Erkrankung vor. Um dem Arzt die Diagnose zu erleichtern und dem Patienten gegebenenfalls einige Untersuchungen zu ersparen, sollte unter anderem auf Details wie den Verlauf (dauernd, anfallsartig), den Zeitpunkt (nach dem Essen, nachts, nach Belastung), zusätzliche Symptome (Sodbrennen, Atemnot, rinnende Nase,..), sowie z. B. neue Medikamente geachtet und dies dem Arzt mitgeteilt werden. Warnsymptome, welche einen unverzüglichen Arztbesuch nach sich ziehen sollten, sind in jedem Fall Bluthusten, ein hörbares Atemgeräusch sowie Atemnot.