Schnupfen: Häufige Fragen

Fliegen mit Schnupfen – was tun?

© PantherMedia / Diego Cervo

Ein Schnupfen (Rhinitis), auch als Nasenkatarrh bezeichnet, ist eine infektiöse Entzündung der Nasenschleimhaut. Häufig ist er Hauptsymptom einer Erkältung bzw. eines grippalen Infekts.[1] Als Auslöser gilt die Tröpfcheninfektion (durch Niesen und Husten) mit, auf über 200 geschätzten verschiedenen Viren, insbesondere vom Typ der Rhinoviren.[2][3]Die virale Genese erklärt, warum hier Antibiotika (antibakteriell) unwirksam sind. Nach einer Inkubationszeit von 1- 3 Tagen entwickelt sich ein banaler Schnupfen, der mit gestörtem Allgemeinbefinden (Frösteln, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit) einhergehen kann. Verschlechtert sich die Allgemeinsymptomatik mit wässriger Sekretion und Behinderung der Nasenatmung, wird vom katarrhalischen Stadium gesprochen. Im mukösen Stadium dickt nach wenigen Tagen das Nasensekret ein und das Allgemeinbefinden bessert sich. In der Regel hat nach 5-10 Tagen eine vollständige Ausheilung stattgefunden.[2]

Da es bei einer entzündlichen Reaktion zur Anschwellung der Schleimhäute kommt, kann die Eustachische Röhre (Tube), als Verbindung zwischen Nasen- Rachen-Raum und Mittelohr zuschwellen (Tubenkatarrh). Der erhöhte Druck beim Fliegen kann dadurch nicht mehr ausgeglichen werden.[4]

Reaktionen beim Fliegen

Damit das Trommelfell schwingen kann und dadurch den Schall an das Innenohr weiterleiten kann, muss der Druck im luftgefüllten äußeren Gehörgang gleich dem im luftgefüllten Mittelohr sein. Der Druckausgleich erfolgt über die Tube (Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachenraum). Diese öffnet sich insbesondere beim Gähnen und Kauen wodurch die Luft mit dem aktuellen Außendruck in das Mittelohr gelangt. Ist dieser Vorgang nicht möglich, kann dies zu ernsthaften Verletzungen am Trommelfell (Zerreißung), zu Schädigungen des Innenohrs oder sogar zu Taubheit führen. Ein Druckausgleich kann bei Schnupfen deutlich eingeschränkt sein. Helfen Kaugummi kauen, Gähnen und Schlucken nicht, kann das Valsalva-Manöver versucht werden. Dabei werden die Nasenlöcher mit den Fingern zugehalten und bei geschlossenem Mund, Luft in die Nase gepresst.

In jedem Fall sollte bei Dysfunktion des Druckausgleichs der Haus- oder HNO-Arzt aufgesucht werden. Vor dem Flugantritt kann der Facharzt eine Druckmessung durchführen und die Flugfähigkeit beurteilen.[4][5]

Behandlung bei Schnupfen

Bei der Behandlung von Schnupfen sollten differentialdiagnostisch verschiedene Ursachen beachtet werden. Ein Begleitschnupfen kann bei zahlreichen Virusinfektionen (Parainfluenza-, Adeno-, Reo-, Corona-, Entero-, Myxo- sowie RS-Viren) auftreten oder durch eine allergische Reaktion ausgelöst werden. Von einer vasomotorischen Rhinitis wird gesprochen, wenn eine Überreaktion der Schleimhäute auf Reize, wie Hitze, Kälte, trockene Luft bzw. den fortdauernder Gebrauch von abschwellenden Nasentropfen oder Drogen vorliegt. Dabei bedingt die Erweiterung der Blutgefässe innerhalb der Nasenschleimhaut deren Schwellung sowie das Anschwellen der Nasenmuscheln.


Allgemeine Maßnahmen

Eine kausale (ursächliche) Therapie des Schnupfens gibt es nicht. Wie in der Einleitung beschrieben, heilt dieser nach 5-10 Tagen ab. Um den Heilungsverlauf zu beschleunigen bzw. die Symptome erträglicher zu machen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • körperliche Schonung
  • viel Trinken für eine bessere Durchblutung der Schleimhäute
  • ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse
  • Rauchen einstellen, Alkohol meiden
  • trockene Luft, klimatisierte Räume meiden
  • viel Schlafen


Hausmittel/Anwendungen

Nachfolgende Hausmittel werden wegen ihrer abwehrstärkenden, antibiotischen und/oder abschwellenden Wirkung bei laufender Nase bzw. Behinderung der Nasenatmung eingesetzt.

  • besonders geeignete Wirkstoffe bei Schnupfen:
    • Nasendusche mit Kochsalzlösung[6]
      • besonders bei Rhinitis mit geschwollenen Schleimhäuten und behinderter Nasenatmung; zur Prophylaxe von und bei bestehender Erkältung; bei Pollenallergie
      • Dosierung: 2 x täglich
        • 0,9 %ige Kochsalzlösung oder
        • 9 Gramm Salz in 1 Liter Wasser oder
        • sauberer Becher mit lauwarmen Wasser + gestrichener Teelöffel Kochsalz
      • Anwendung:
        • über das Waschbecken beugen, Salzwasser in die Hohlhand geben, vorsichtig über ein Nasenloch einsaugen, anschließend ausschnauben
        • für das andere Nasenloch wiederholen
      • Wirkungsweise:
        • Reinigung des Nasenrachenraumes
        • Schleimlösung
        • Abschwellen der Schleimhäute
      • Nebenwirkung:
        • bei akuten Infekten kann es zu Kopfschmerzen führen oder bestehende Kopfschmerzen verstärken
    • Inhalation von Dämpfen[7]
      • bei jeder Form von Schnupfen zur Abschwellung und Schleimlösung in Nase und Nasennebenhöhlen
      • Durchführung:
        • Schüssel mit kochend heißem Wasser + Zusatz von einem Teelöffel Kochsalz/Emser Salz (z.B. auch von einem Esslöffel getrocknetem Thymiankraut oder Salbeiblättern)
        • den Kopf über die Schüssel halten und mit einem Handtuch abdecken
        • Dampf tief durch die Nase einatmen
      • Wirkungsweise:
        • Wärmeanwendung und Schleimlösung an den Nasennebenhöhlen
        • Abschwellung der Schleimhäute durch Salz bzw. äterische Öle
      • Nebenwirkung/Risiken:
        • Verbrühungsgefahr durch heiße Dämpfe
        • Irritationen der Gesichtshaut
    • Lebensmittel
      • zur Unterstützung der Abwehr, Anregung der Schleimsekretion und Schleimlösung
        • Knoblauch[8]: mehrere Knollen in heißem Wasser, den entstehenden Sud trinken
        • Ingwer: geschnitten in heißem Wasser zum Trinken
        • Echinacea: Einnahme als Tropfen
        • Vitamin C + Zinkpräparate[9] als Brausetablette, Pulver, Syrup oder Tablette


Medikamente

  • direkte Sympthomimetika (Adrenorezeptoragonisten)
    Bsp.: Xylometazolin[10][11]:
  • Indikation: Schnupfen verschiedener Ursachen, Entzündung der Nasennebenhöhlen, Mittelohrentzündung, Erleichterung einer Rhinoskopie (Spiegelung der Nasenhöhle)
  • Wirkmechanismus: vasokonstriktorisch (gefäßverengend) mit wirkungsstarker und schneller Abschwellung der Schleimhaut; rein lokale Anwendung
  • Dosierung: 3- 4 Anwendungen pro Tag, Therapiedauer 5– 7 Tage als Spray oder Tropfen
  • Nebenwirkungen:
    • Atemdepression, Kreislaufstörungen bei Kleinkindern und Säuglingen
    • Chronische (dauerhafte) Anwendung: Schleimhautnekrose (Schleimhautschädigung); Abhängigkeit, da es nach der vasokonstriktiven (gefäßverengenden) Wirkung zu einer reaktiven Gefäßerweiterung (Vasodilatation) führt und der Einsatz erneut erfolgt (Rhinitis medicamentosa)
    • trockene Nase, Brennen im Nasenraum, Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Kontraindikationen:
    • Bluthochdruck (Hypertonie)
    • Herz- Kreislauferkrankungen
    • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Antihistaminika (Antigewebshormone): H1-Rezeptor Antagonisten (Gegenspieler)

Bsp.: Cetirizin, Terfenadin, Azelastin (keine Wirkung auf das zentrale Nervensystem):

  • Wirkmechanismus:
    • Gegenspieler (kompetitiver Antagonist) am H1-Rezeptor
      – Gefäßverendung (Vasokonstriktion) kleiner Blutgefäße (Kapillare)
      – Gefäßerweiterung großer Gefäße
      – Verringerung der Kapillardurchblutung
      – Erweiterung der Bronchien
      – antiallergisch: verringerte Wassereinlagerung (Ödem), verringerter Juckreiz
    • Gegenspieler an muskarinergen Acetylcholinrezeptoren und an Natriumkanälen
  • Dosierung: wie vom Hausarzt verordnet
  • Nebenwirkungen:
    • Müdigkeit, Mundtrockenheit, Herzrhythmusstörungen (v.a. bei Terfenadin), epileptischer Anfall (wenn Neigung besteht)

Soforthilfe beim Fliegen

Generell sollte bei einem bestehenden Schnupfen und einer anstehenden Flugreise der Haus- oder Hals-Nasen-Ohren Arzt aufgesucht werden, um ein erhöhtes Reiserisiko auszuschließen. Bei starker Schleimhautschwellung, Müdigkeit und Abgeschlagenheit ist es angeraten, besser nicht zu fliegen.[4]

Verstopfte Nase durch leichte Infektion abschwellendes Nasenspray

30 und 10 Min. vor Start und Landung des Flugzeugs

Allergischer Schnupfen Antihistaminika, wie vom Arzt verordnet; evtl. Augen- und Nasentropfen
Jeder Schnupfen
  • viel Trinken während des Fluges
  • Erleichterung des Druckausgleichs durch Schlucken, Kaugummi kauen oder Gähnen
  • Anwendung des Valsalva Manövers[5]

Zu beachten

Steht eine Flugreise bevor und bestehen Beschwerden, wie eine behinderte Nasenatmung, Druckgefühl im Bereich der Nasennebenhöhlen, so sollte ein Facharzt aufgesucht werden. Insbesondere Kinder und ältere Menschen stellen eine Risikogruppe dar sowie Menschen, die in der Vergangenheit bereits einen Trommelfellschaden erlitten haben.

Um Schmerzen und das Risiko einer Trommelfell-, Mittel- oder Innenohrverletzung zu vermeiden, können vor und während des Fluges abschwellende Nasentropfen oder Sprays eingesetzt werden. Zusätzlich kann eine erhöhte Trinkmenge die Ausprägung der Symptome lindern. Für die Behandlung des Schnupfens gibt es keine kausale Therapie. Körperliche Schonung sowie eine Beschwerdelinderung durch Inhalation von Dämpfen können hilfreich sein.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen