Grippe: Klassische Arzneimittel

Wann Antibiotika bei Grippe

© PantherMedia / Claudio  Ventrella 

Die echte Grippe ist eine schwere Krankheit, die normalerweise 7 bis 14 Tage andauern kann. Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche sind häufig noch viele Wochen nach überstandener Krankheit spürbar.[1] Neben der Behandlung der typischen Grippe-Symptome, setzt eine gezielte medikamentöse Behandlung Kenntnisse über den Erreger voraus. Im Folgenden wird erläutert, ob Antibiotika geeignet sind, den Grippe-Erreger zu bekämpfen und unter welchen Voraussetzungen die Einnahme eines Antibiotikums bei Grippe sinnvoll ist.

Antibiotika zur Bekämpfung des Influenza-Virus?

Bei der Behandlung mit Antibiotika werden die Unterschiede zwischen menschlichen Zellen und Bakterien genutzt. So kann je nach Wirkstoff beispielsweise die Zellwand der Bakterien geschädigt oder der bakterielle Stoffwechsel gestört werden.[2] Die echte Grippe ist eine Virusgrippe. Sie wird nicht von Bakterien sondern vom Influenza-Virus verursacht.[3] Anders als Bakterien bestehen Viren im Wesentlichen aus einer Hülle und Erbgut. Sie verfügen über keinen eigenen Stoffwechsel, haben keine Zellwand und müssen zur Vermehrung ihr Erbgut in eine Zelle einschmuggeln. Viren bieten folglich nicht die Angriffspunkte, die bei Bakterien einem Antibiotikum zugänglich sind.[4] Influenza-Viren nutzen die Zellen der menschlichen Atemwege zur Vermehrung. Die Zerstörung dieser Zellen ist ein Grund für die typischen Grippe-Symptome wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Diese Symptome können durch Medikamente gelindert werden. Nasenspray lässt z.B. die gereizten Schleimhäute abschwellen. Eine Bekämpfung der Grippeviren selbst ist jedoch mit Antibiotika nicht möglich.[5]

Voraussetzungen einer Antibiotikagabe bei Grippe

Obwohl Antibiotika nicht das Influenza-Virus bekämpfen können, werden sie unter gewissen Umständen bei einer echten Grippe verschrieben, denn die Influenza ist eine Herausforderung für das Immunsystem. Es besteht die Gefahr, dass Bakterien sich im geschwächten Organismus ausbreiten. So können sich auf dem Boden einer Virusgrippe schwere Folgeerkrankungen entwickeln, was als „Superinfektion“ bezeichnet wird.[6] In solchen Fällen kann ein Antibiotikum möglicherweise das Leben retten. Eine besonders gefürchtete Superinfektion ist die bakterielle Lungenentzündung (bakterielle Pneumonie). Sie kann lebensbedrohlich sein und beginnt typischerweise mit einem erneuten Fieberanstieg ungefähr am dritten Krankheitstag. Das Grippevirus befällt die Oberflächenzellen der Atemwege, um sich zu vermehren. Diese Zellen gehen zu Grunde und können ihre eigentliche Aufgabe, die Reinigung der Atemwege, nicht mehr erfüllen. So können sich Bakterien leicht ansiedeln.[7] Auf vergleichbare Weise sind weitere Superinfektionen im Rahmen einer Influenza zu erklären. Häufige Beispiele sind Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) und Mittelohrentzündungen (Otitis media).[8] Nicht alle Grippekranken laufen Gefahr, eine solche Superinfektion zu bekommen. Daher sollte bei einer Influenza auch nicht pauschal ein Antibiotikum eingenommen werden. Die Reaktion der Bakterien auf ihre Umwelt macht sie nicht generell empfindlich gegen Antibiotika. Vielmehr sind sie in der Lage Schutzmechanismen zu entwickeln. Bei häufigem Kontakt mit Antibiotika können sie daher resistent werden.[9] Sind jedoch Zeichen einer Superinfektion vorhanden, sollten Antibiotika verordnet werden. Antibiotika können vor allem bei immunschwachen Menschen rasch nötig sein. Dazu zählen chronisch Kranke, z.B. Diabetiker. Besonders aufmerksam ist der Krankheitsverlauf auch bei kleinen Kindern, Schwangeren und alten Menschen zu beobachten.[10] Wann genau Antibiotika im Rahmen einer Grippeerkrankung verordnet werden sollten, ist letztlich eine ärztliche Entscheidung im Einzelfall. Eine abschließende Liste gibt es daher nicht.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe