Grippe: Klassische Arzneimittel

Aspirin gegen Grippe

© PantherMedia / David Castillo Dominici

Aspirin kann bei einer Grippe (Influenza) eingesetzt werden, um die Symptome zu verringern. Das Medikament wirkt gegen Schmerzen und senkt vorhandenes Fieber (Pyrexie), kann jedoch nicht die Krankheitsdauer der Grippe verkürzen.[1] Die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit Aspirin sowie der Wirkmechanismus werden nachstehend erläutert. Außerdem werden Alternativen zu diesem Wirkstoff aufgezeigt.

Wirkungsweise

Der Wirkstoff von Aspirin ist die Acetylsalicylsäure (ASS), die zur Gruppe der Thrombozytenaggregationshemmer (hemmt die Verklumpung der Blutplättchen) und nicht-Opioiden-Analgetika (schmerzstillende Medikamente) gehört. Im Körper hemmt sie irreversibel, das heißt nicht umkehrbar, das Enzym Cyclooxygenase (mit den beiden Unterformen Cyclooxygenase-1 und Cyclooxygenase-2). Dieses Enzym ist für die Zusammenlagerung der Blutplättchen (Thrombozyten) verantwortlich. Die Wirkung bleibt solange bestehen, bis der Organismus die dauerhaft blockierten Enzyme entsorgt und durch neue ersetzt hat.[2]

Die Cyclooxygenase ist ein Schlüsselenzym bei der Bildung wichtiger Signalproteine. Durch die Hemmung des Enzyms wird die Leukozytenaggregation verhindert, das Schmerzempfinden gedämpft (Analgesie) sowie der Entzündungsprozess gestoppt.

Biologischer Zusammenhang

Aufgrund der oben beschriebenen Hemmung der Cyclooxygenase kann Aspirin zur Bekämpfung von Schmerzen und Fieber bei einer Grippe eingesetzt werden. Die Grippeerreger werden dabei jedoch nicht beseitigt. Die Viren lösen Entzündungsprozesse aus, die zu lokalen oder auch zu Schmerzen im gesamten Körper führen. Die beiden Formen der Cyclooxygenasen sind die verantwortlichen Enzyme bei der Herstellung (Synthese) von sogenannten Prostaglandinen im Körper. Aspirin hemmt die Cyclooxygenasen, wodurch auch die Herstellung der Prostaglandine limitiert wird und Entzündungsreaktionen abnehmen. Diese Botenstoffe, auch Mediatoren von entzündlichen Prozessen genannt, führen zu einer Erhöhung der Körpertemperatur und sind an der Entstehung von Schmerzen beteiligt. Das Fieber beschleunigt Stoffwechselprozesse und verschafft für die Erreger eine unwirtliche Lebensumgebung. Fieber sollte daher nur dann gesenkt werden, wenn sehr hohe Temperaturen über einen Zeitraum von länger als drei Tagen bestehen.[3] Acetylsalicylsäure wirkt demnach schmerzstillend (analgetisch) , antientzündlich (antiinflammatorisch) sowie fiebersenkend (antiphlogistisch).

Besonderheiten

Die genannten Wirkungen der Acetylsalicylsäure treten nicht alle mit der gleichen Dosis ein. Bereits ab Mengen von weniger als 30 mg ist eine Thrombozytenaggregationshemmung zu beobachten. Die bei der symptomatischen Behandlung der Grippe gewünschten Effekte der Schmerzlinderung und Fiebersenkung treten erst ab 2-8 g pro Tag auf.[4]

Diese Angaben ersetzen keinesfalls die Dosierungsanweisungen durch einen Arzt.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Aspirin kann mögliche Nebenwirkungen hervorrufen. So gilt es als schlecht magenverträglich, da der Schutzfilm gegen die Magensäure angegriffen wird. Die Hemmung der Thromobzytenaggregation führt zu einer verlängerten Blutungszeit. Gerade in Notfallsituationen kann dies sehr gefährlich sein und wichtige Operationen aufgrund der Gefahr des Verblutens erschweren oder unmöglich machen. Des Weiteren kann es in Einzelfällen zu Überempfindlichkeitsreaktionen, die sich durch allergische Hautreaktionen oder beispielsweise bei Asthmatikern in einer Verschlechterung der Atemnot (Dyspnoe) zeigen können.

Die gravierenste Nebenwirkung ist das sogenannte Reye-Syndrom, welches das Gehirn und die Leber schädigt. Es tritt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Infektionen auf und ist in einem Drittel der Fälle tödlich.[5] Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen sollte daher nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Bei Eintreten von unerwünschten Nebenwirkungen nach Einnahme von Aspirin ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Für Kinder und Jugendliche gilt eine Anwendungseinschränkung von Aspirin aufgrund oben beschriebener Nebenwirkung. Auch Schwangere sollten, insbesondere im 3. Schwangerschaftsdrittel, auf die Einnahme des Medikaments verzichten. Ebenso darf Aspirin nicht eingenommen werden, wenn Allergien gegen ASS bekannt sind, bei Alkoholkonsum, wenn ein Magen-/Darmgeschwür, eine Einschränkung von Nieren-/Leber und Kreislauf vorliegen sowie bei Einnahme von Blutungsgerinnungshemmer. Insbesondere aufgrund der verlängerten Blutungszeit sollte die Einnahme von Aspirin am besten nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden. Sollen lediglich die Schmerzen und das Fieber gelindert werden, bieten sich andere Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol (Mittel der Wahl bei Kindern) an.[6]

Alternativen

Alternative Präparate stellen IbuHEXAL® und Paracetamol von BAYER® dar.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe