Grippe: Risiken

Grippeimpfung bei MS

© PantherMedia / Brian Chase

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Entzündungserkrankung des Nervensystems, bei der es zu einer Zerstörung der Nervenscheiden kommt. Bestimmte Impfungen können bei Multiple Sklerose-Patienten einen Entzündungsschub auslösen. Der folgende Text enthält die medizinische Faktenlage, Fakten zur Grippeimpfung und Informationen über den biologischen Zusammenhang zwischen Impfungen und MS-Schüben.

Medizinische Faktenlage Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (Encephalomyelitis Disseminata) ist eine neurodegenerative entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Mit einer Anzahl von 130.000 Erkrankten deutschlandweit ist sie die zweithäufigste neurologische Erkrankung im jungen Erwachsenenalter. Das Krankheitsbild entsteht durch eine Autoimmunreaktion von körpereigenen Immunzellen gegen die Nervenscheiden. Zur verbesserten Reizweiterleitung sind die Nervenstränge des Körpers von einer schützenden Zellschicht (Myelinscheide) umgeben.

Bei MS-Patienten kommt es durch bislang unbekannte Auslöser zu einer größtenteils T-Zell-vermittelten Immunreaktion, welche sich gegen die Myelinscheiden richtet, diese zerstört und im weiteren Verlauf zu einer verzögerten Reizweiterleitung innerhalb der Nerven führt. Die Folgen dieser Entwicklung sind die für MS charakteristische Symptome wie Sensibilitätsausfälle und Lähmungserscheinungen. Die genaue Ausprägung der Symptome ist dabei sehr variabel. Das Auftreten dieser Entzündungsreaktionen erfolgt in Schüben, welche sich innerhalb von Stunden oder Tagen entwickeln und nach ihrem Abklingen oftmals verhärtetes (sklerosiertes) Nervengewebe zurücklassen. Der Verlauf der Multiplen Sklerose unterscheidet sich von Patient zu Patient. Entgegen der öffentlichen Annahme verläuft die Erkrankung bei vielen Patienten gutartig[1][2]. 

Fakten zum Thema Grippeimpfung

Die durch Influenzaviren ausgelöste Grippe (Influenza) ist eine häufige Atemwegserkrankung. Zum Schutz vor Infektion wird Mitarbeitern von Krankenhäusern, Kindern und Personen über 60 Jahren eine Influenzaimpfung empfohlen. Zur Bekämpfung der Grippe werden unterschiedliche Impfstoffarten eingesetzt. In Totimpfstoffen befinden sich nur Teile von Erregern oder abgetötete Viren, welche beim Eintritt in den Körper die Bildung von Antikörpern auslösen, ohne eine Erkrankung hervorzurufen. Lebendimpfstoffe hingegen enthalten kleine Mengen an funktionsfähigen Krankheitserregern. Diese können sich zwar vermehren, wurden jedoch künstlich abgeschwächt, sodass es höchstens im Rahmen der Impfung zu einer milden „Impfkrankheit“ kommen kann[3]. Seit der Saison 2012-13 stehen in Deutschland sowohl Tot- als auch Lebendimpfstoffe gegen die Influenza zur Verfügung, wobei der Lebendimpfstoff bei Kindern unter 7 Jahren eine bessere Schutzwirkung aufweisen kann[4].

Biologischer Zusammenhang

Der Zusammenhang zwischen einer Grippeimpfung und dem Auftreten eines MS-Schubs ist nicht wissenschaftlich bewiesen. Da Infektionskrankheiten wie die Grippe eine Intensivierung der Immunprozesse des Körpers und somit auch eine Verstärkung der MS-Assoziierten Symptome verursachen, wird MS-Patienten zu einer Impfung gegen die Grippe geraten. Neueste Forschungen haben dabei ergeben, dass bei einer Verwendung von Totimpfstoffen das Risiko eines MS-Schubs normalerweise nicht ansteigt. Von einer Lebendimpfung wird jedoch abgeraten[5].

Zu beachten

Da der Auslösemechanismus der Multiplen Sklerose noch nicht vollständig verstanden ist, besteht die Möglichkeit, dass die Impfung an sich als unspezifischer Auslöser einen MS-Schub hervorruft. MS-Patienten sollten die Vor- und Nachteile einer Influenzaimpfung mit ihrem Arzt besprechen[6]. MS-Patienten, die aufgrund einer Therapie eine vorübergehende Immunschwäche aufweisen, sollten von einer Influenzaimpfung absehen.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe