Halsschmerzen: Häufige Fragen

Oralsex gegen Halsschmerzen?

© PantherMedia / Andriy Popov

Halsschmerzen sind ein teilweise sehr quälendes Symptom einer Erkältung oder einer Grippe. Laut einer überraschenden Studie des schwedischen Professors Malte Björnson soll Oralverkehr gegen Halsschmerzen helfen. Mit welcher Begründung er diese These aufstellt und was dahinter steckt, wird im folgenden Text erklärt.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen sind ein typisches Symptom einer Erkältung oder einer Grippe. Sie können sowohl durch Viren als auch Bakterien ausgelöst werden und gehen häufig mit Schnupfen, Fieber und Schluckbeschwerden einher.

Vor einigen Jahren ging durch die Presse, ein schwedischer Professor hätte herausgefunden, dass Oralsex und das damit verbundene Schlucken von Sperma gegen die Halsbeschwerden helfen soll. Angeblich würde sich das Sperma schützend über die Schleimhäute legen; außerdem sollten wertvolle Inhaltsstoffe zur Entzündungshemmung beitragen. [1] Leider ließen sich zu diesen Aussagen keine Primärquellen finden, sodass davon ausgegangen werden muss, dass es sich hier um keine seriöse wissenschaftliche Studie handelte.

Doch Sperma soll auch viele andere Vorteile auf sich vereinen: So stellte eine Studie von 2002 die Behauptung auf, dass regelmäßiger Oralverkehr mit der Aufnahme des Spermas in den Verdauungstrakt das Risiko, an einer Depression zu erkranken, signifikant senken könnte. [2] Die Studie nahm den Kondomgebrauch von jungen College-Studentinnen als indirekten Hinweis auf eine Sperma-Aufnahme an und konnte zeigen, dass Probandinnen, die keine oder selten Kondome nutzten, seltener an einer Depression erkrankten. Da natürlich auch die Beziehungsstruktur, in der sich die Probandinnen befanden, einen Einfluss auf sowohl Kondomgebrauch als auch auf ein Depressionsrisiko haben könnte, rechneten die Wissenschaftler die ungebundenen Studentinnen und die, die sich in einer Beziehung befanden, gegeneinander auf. Auf diese Weise konnte gezeigt werden, dass beide Gruppen keine Unterschiede im Depressionsgrad zeigten und demnach ein Einfluss der Beziehung zumindest kleiner als angenommen war.

Biologischer Hintergrund

Halsschmerzen entstehen, wenn Krankheitserreger sich im Nasenrachenraum ansiedeln und eineEntzündung auslösen. Dabei werden Entzündungsvermittler (Mediatoren) produziert und Immunzellen angelockt, die Gefäße erweitern sich und das umliegende Gewebe schwillt an. Die verstärkte Durchblutung führt zum typischen „roten Rachen“. Durch die Schwellung und die ausgeschütteten Entzündungsmediatoren werden Nervenfasern gereizt und es kommt zu Halsschmerzen. Da die Schleimhaut besonders gereizt wird, wenn sie beispielsweise mit Nahrungsbrei in Berührung kommt, sind Schluckstörungen oder Schmerzen beim Schlucken häufig Begleitsymptome von Halsschmerzen. Somit kann auch das Schlucken von Sperma, um auf Professor Björnsons These zurückzukommen, aus diesen Gründen schmerzhaft sein und sollte dann vermieden werden. Gegebenenfalls kann schon die Berührung der Rachenhinterwand durch die Penisspitze unangenehm sein.

Viele Mythen ranken sich um die Zusammensetzung von Sperma. Es wird teilweise als sehr eiweißreich oder als große Vitamin-C-Quelle beschrieben. Tatsächlich bestehen etwa 70 % der Samenflüssigkeit aus Fruchtzucker (Fruktose). [3] Dieser Anteil wird in den Bläschendrüsen produziert, die paarig der Blase angelagert sind. Zur Fruktose gesellen sich Enzyme und Hormone aus den Bulbourethraldrüsen und der Vorsteherdrüse, also der Prostata, die sich als etwa walnussgroße Drüse um den Harnleiter legt, direkt unterhalb der Blase. Sie fügt der Samenflüssigkeit außerdem weiße Blutkörperchen hinzu,wodurch das Sperma unter Umständen beispielsweise durch das HI-Virus (Humanes Immundefizienz-Virus) oder andere Erreger infiziert werden kann. Schließlich werden die Spermien, die im Hoden entstehen und im Nebenhoden reifen, über die Samenstränge der Samenflüssigkeit (Ejakulat) hinzugefügt.

Eine Portion Ejakulat enthält nur etwa 0,3 % Proteine; als zuverlässige Eiweißquelle taugt Sperma demnach nicht. [4] Tatsächlich entwickeln einige Menschen sogar eine Allergie gegen die im Sperma enthaltenen Proteine. [5] Die allergischen Reaktionen können von lokalen Symptomen, wie Brennen, Jucken, Ausschlag und Schwellungen, bis hin zu systemischen (den ganzen Körper betreffenden)Problemen wie Atemnot, dem Anschwellen der Luftwege bis hin zum anaphylaktischen Schock reichen.

Ein ausgefülltes Sexualleben kann jedoch einen allgemein positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Nach einem Orgasmus wird das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet, das für eine stärkere Paarbindung sorgen kann. Zusätzlich wird dem Hormon nachgesagt, dass es einen allgemein stabilisierenden und positiven Einfluss auf die Gesundheit haben soll. [6] Doch es muss nicht immer gleich Sex sein: Andere Tätigkeiten, die Oxytocin auslösen, sind beispielsweise Umarmungen, Zärtlichkeiten, Massagen und Singen. [7]

Zu beachten

Oralverkehr sollte immer nur dann praktiziert werden, wenn beide Partner einverstanden sind und Lust auf diese Spielart haben. Insbesondere wenn sich ein Partner krank fühlt oder den Akt als unangenehm erlebt, sollte von einer Weiterführung abgesehen und nicht darauf bestanden werden. Ob Oralverkehr der Linderung von Halsschmerzen zuträglich ist, muss bei der derzeitigen Studienlage wohl noch im Eigenversuch getestet werden; einen Schaden verursacht es aber laut heutigem Kenntnisstand wohl nicht. Da ungeschützter Geschlechtsverkehr das Risiko birgt, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken, sollte schon bei der kleinsten Unsicherheit und auch beim Oralverkehr einKondom verwendet werden.[1]Europe-Pharm, „Oralsex“, http://www.europe-pharm.com/de/Oralverkehr, 02.09.2014

[2] G. Gordon Jr., R. L. Burch, S. M. Platek, “Does semen have antidepressant properties?“ Archives of Sexual Behavior 31.3/2002, S. 289–293.
[3] MediaLab Inc., “Composition of semen”.https://www.medialabinc.net/spg62816/composition_of_semen.aspx, 21.01.2015
[4] T. E. Morrissey, “A complete breakdown of the nutritional content of semen. http://jezebel.com/a-complete-breakdown-of-the-nutritional-content-of-seme-953356816, 21.01. 2015
[5] S. Weidinger, J. Ring, J. Köhn: „IgE-mediated allergy against human seminal plasma.“ Chem Immunol Allergy 88/2005, S. 128–138.
[6] K. Uvnäs-Moberg, „Oxytocin may mediate the benefits of positive social interaction and emotions.“ Psychoneuroendocrinology 23.8/1998, S. 819–835.
[7] K. Uvnas-Moberg, M. Petersson, „Oxytocin, a mediator of anti-stress, well-being, social interaction, growth and healing.“ Z Psychosom Med Psychother 51.1/2005, S. 57–80.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen