Halsschmerzen: Krankheitstypen

Halsschmerzen am Gaumen

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Am häufigsten entstehen Halsschmerzen aufgrund einer Entzündung der Schleimhaut des Hals- und Rachenraums (Pharyngitis). Im Mittel dauern diese 3,5–5 Tage; begleitendes Fieber klingt meist innerhalb von 2–3 Tagen ab. In seltenen Fällen werden die unspezifischen Halsschmerzen gefährlich: Es kann dann zu spezifischen Problemen wie Atembeeinträchtigungen, eitrigen Komplikationen der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess), einer Otitis media (Mittelohrentzündung) oder Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) kommen. Früh erkannt und richtig behandelt, sind diese Komplikationen jedoch vermeidbar [1].

Symptome und Verlauf

Etwa ein Drittel der Bevölkerung leidet mindestens einmal pro Jahr unter Halsschmerzen; daher ist dieses Symptom ein häufiger Beratungsanlass in der Allgemeinarztpraxis. Oft besteht der Wunsch nach Schmerzlinderung und dem Einholen ärztlichen Rats, ob der Patient neben einer symptomatischen Schmerztherapie von einer antibiotischen Behandlung profitieren kann [2].

In 50–80 % der Fälle sind Viren verantwortlich für die Halsschmerzen. Neben selteneren Viren wie Coronaviren und Adenoviren sind in 20 % der Fälle Rhinoviren die Ursache [1].Rhinoviren befallen die Epithelzellen, die den Nasen-Rachen-Raum auskleiden, und zerstören diese innerhalb von 48 Stunden (zytolytische Eigenschaften). Durch die Zerstörung der Zellen werden Substanzen wie Bradykinin frei, das die Synthese von Prostaglandinen (insbesondere Prostaglandin PGE2) anregt. Diese chemischen Botenstoffe (Entzündungsmediatoren) aktivieren die schmerzempfindlichen Nervenenden in der Schleimhaut, welche die Information „Schmerz“ über Nervenbahnen in das zentrale Nervensystem leiten. Auch andere Substanzen wie ATP und Kalium-Ionen aus den zerstörten Zellen können diese Nozizeptoren (Schmerzfühler) in den Nervenenden aktivieren [4]. In der Regel bleibt dieser Schaden örtlich begrenzt und es kommt zu keiner Abwanderung der Infektion in tiefere Atemwege (Bronchien, Lunge) [3]. Übertragen werden Rhinoviren meist über Schmier- oder Tröpfcheninfektion.

In den restlichen Fällen wird die Pharyngitis durch Bakterienausgelöst. In bis zu 30 % der Fälle handelt es sich um der β-hämolysierende Streptokokken Gruppe A (GAS), in 5–10 % der Gruppe C und G. Im Gegensatz zu den Viren lassen sich die Streptokokken durch einen Rachenabstrich und Anzucht auf mikrobiologischen Platten nachweisen [1]. Die Begleitsymptome unterscheiden sich je nach Ursache der Pharyngitis. Ist sie viral bedingt, kommt es neben den Halsschmerzen auch zu Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden, Konjunktivitis (Entzündung der Bindehaut am Auge), Husten, Diarrhö (Durchfall), Exanthem (Hautauschlag) oder Enanthem (Ausschlag auf Schleimhäuten), Rhinitis mit serösem Ausfluss aus der Nase (Schnupfen), Sinusitis und leicht erhöhter Temperatur (37,1–37,9 °C). Bei bakteriellen Infekten kommt es neben den Halsschmerzen oft zu Ohrenschmerzen beim Schlucken, Trockenheitsgefühl im Rachen mit trockenem Husten, Räusperzwang, Übelkeit, Fieber (ab 38 °C) und entzündlich geschwollene Halslymphknoten [5].

Behandlung

Bei Halsschmerzen aufgrund einer viralen akuten Pharyngitisist eine symptomatische Therapie sinnvoll. Empfohlen wird eine reichliche Zufuhr von Flüssigkeit, vor allem warmer Tee, aber auch heiße Milch mit Honig. Auch der sogenannte Prießnitz-Wickel kann wohltuend sein: Ein Wickel aus Baumwolle (dünnes Tuch) wird mit kaltem Wasser getränkt, um den Hals gewickelt und für einen wärmenden Effekt mit einem breiteren Wolltuch umhüllt. Wahlweise kann eine Schicht Zellophan zusätzlichen Wärmeverlust vermeiden. Sinnvoll ist eine Anwendung 3–5-mal täglich für etwa 30 Minuten. Empfehlenswert ist ebenfalls eineMundspülung mit Kamille- oder Salbeitee; anästhesierende (betäubende) Lutschtabletten können zusätzlich schmerzlindernd sein. Diese erreichen jedoch nur bedingt die erkrankte Rachenschleimhaut, weshalb sich im Optimalfall eine direkte Applikation (Verabreichung) in Form von Pinselungen anbietet [5].

Ob eine antibiotische Therapie sinnvoll ist, entscheidet der Allgemeinarzt zusammen mit dem Patienten. Bei Anzeichen einer akuten Pharyngitis und den damit verbundenen Halsschmerzen im Falle einer Infektion durch Streptokokken der Gruppe A (GAS-Pharyngitis) berichtet ein Teil der mit Antibiotika behandelten Patienten von einem Abklingen der Halsschmerzen am dritten Tag der Behandlung. Zur Behandlung einer wiederholt auftretenden GAS-Pharyngitis kommt neben Penicillin V auch Erythromycin, Clindamycin oder Amoxicillin in Kombination mit Clavulansäure infrage [1].

Zu beachten

Halsschmerzen sind ein unangenehmes Symptom und sollten Anstoß zur Schonung geben. Heilt das Krankheitsbild trotz der beschriebenen Therapie nicht aus, ist es empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen, um gefährliche Verläufe frühzeitig abzuwenden. Bei häufig wiederkehrenden GAS-Pharyngitidenals Ursache für die Halsschmerzen ist bei Kindern unter 15 Jahren eine Tonsillektomie (Entfernung der Gaumenmandel) zu erwägen [1]. Allgemein gelten, wie bei anderen infektiösen Erkrankungen des Nasen-Rachen-Raums auch, hygienische Maßnahmen wie häufiges Händewaschen mit Desinfektion, aber auch die Vermeidung der gemeinsamen Benutzung von Geschirr oder Handtüchern zur Prophylaxe (Vorbeugung) der Infektion.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen