Halsschmerzen: Krankheitstypen

Halsschmerzen (links)

© PantherMedia / Iakov Filimonov

Üblicherweise treten Halsschmerzen beidseitig und im Rahmen einer viralen Infektion auf, klingen im Mittel nach 3 bis fünf Tagen ab und sind harmlos [1][2]. Treten sie jedoch einseitig auf, zum Beispiel nur links, verschiebt sich das mögliche Krankheitsspektrum und ein Peritonsillarabszess, eine Angina Plaut-Vincent, ein Dentitio difficilis oder unter Umständen ein Tonsillenkarzinom rücken in den Fokus [3][4]. Diese Krankheitsbilder und ihre Therapie sollen im Folgenden erklärt werden.

Ursachen von einseitigen Halsschmerzen

Wie oben bereits beschrieben, kommen für einseitige Halsschmerzen prinzipiell andere Krankheitsbilder in Betracht als für die beidseitigen Schmerzen. Ob die Beschwerden links oder rechts sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Ein Peritonsillarabszess ist eine Einschmelzung von Eiter und Bakterien hinter einer der Gaumenmandeln. In der Regel tritt er im Rahmen von Entzündungen der Mandeln (Tonsillitiden) auf, vor allem, wenn diese chronisch (länger als drei Monate) verläuft oder immer wiederkehrend ist.  Neben den einseitigen Halsschmerzen kommt es meist zur Kieferklemme (eingeschränkte Mundöffnung), erheblichen Schluckbeschwerden, Stichen in das Ohr, kloßiger Sprache und nach vorrausgegangener akuter Mandelentzündung zu erneutem Fieberanstieg. Der Gaumenbogen ist auf der betroffenen Seite erheblich geschwollen. Der Peritonsillarabszess stellt, da er sich weiter in Hals bis in den Brustkorb ausdehnen kann, ein ernstes Krankheitsbild dar, was aber bei rechtzeitiger und adäquater Therapie keine ungünstige Prognose aufweist [2][4].

Eine Angina Plaut-Vincent stellt ebenfalls eine Entzündung der Gaumenmandel dar. Ihre Besonderheit liegt neben einem anderen Erregerspektrum im einseitigen Befall mit entsprechend nur Schmerzen beim Schlucken auf der betroffenen Seite sowie Mundgeruch. Die Gaumenmandel ist geschwollen und weist gelbgraue Beläge auf. Im Gegensatz zum Peritonsillarabszess sind allerdings keine Komplikationen zu erwarten, die Prognose ist günstig [2].

Ein weiterer Grund für einseitige Schmerzen, wenn auch streng genommen nicht im Hals, sondern im Mund, ist die Dentitio difficilis. Dieses Krankheitsbild stellt eine Entzündung um einen durchbrechenden Zahn dar, die besonders bei Abszessbildung problematisch werden kann. Wegen der stark seitenbetonten Schmerzen sollte sie dennoch in Betracht gezogen werden. Der Zahn ist klopfschmerzhaft und es kann wie beim Peritonsillarabszess zur Kieferklemme kommen [2].

Auch ein bösartiger Krebs der Mandeln (Tonsillenkarzinom) sollte bei länger bestehenden, einseitigen Halsschmerzen ausgeschlossen werden. Der Altersgipfel der Erkrankung liegt im 6. Lebensjahrzehnt, begünstigende Faktoren sind Rauchen, Alkohol, mangelnde Mundhygiene und die Humanen Papilloma-Viren 16 und 18 (HPV). Die Beschwerden können von einseitigen Halsschmerzen über Ohrenschmerzen und wiederkehrende Schwerhörigkeit bis zu Blutungen und zur Kieferklemme reichen. In der Regel ist die betroffene Mandel vergrößert. Die Prognose ist bei früher Therapie günstiger, im Allgemeinen aber schlecht [2][4].

Behandlung einseitiger Halsschmerzen

Die Behandlung eines Peritonsillarabszesses besteht in der Punktion oder (bei größeren Abszessen) der Spaltung des Abszesses zur Ausräumung des Eiters. Parallel oder bei kleineren, beginnenden Abszessen sollte ein Antibiotikum wie Penicillin, Amoxicillin, Cefuroxim oder Clindamycin über 10 Tage genommen werden. Gegen die Schmerzen sind Schmerzmittel wie Diclofenac oder Metamizol besonders wirksam, eine Alternativen ist Ibuprofen.

Drohen Komplikationen, ist eine Abszesstonsillektomie angezeigt. Dabei wird neben dem Abszess auch die Mandel selbst als Infektionsherd entfernt. Sie stellt auch bei Kindern mit Peritonsillarabszess die Therapie der Wahl dar [1][4].

Eine Angina Plaut-Vincent wird mit Mundpflege mittels Bepanthen-Lösung, dem Ätzen mit Silbernitratlösung und bei verzögerter Heilung mit Antibiotika behandelt [1].

Die Dentitio difficilis wird bei fehlendem Abszess zunächst gespült, mit einer Drainage (potenziell weiterhin entzündliches Material wird über einen Schlauch aus der Gewebetasche geleitet) und gegebenenfalls mit Antibiotika versorgt. Tritt ein Abszess auf, wird dieser eröffnet, ausgeräumt und ebenfalls drainiert [5].

Die Therapie eines Tonsillenkarzinoms ist stark stadienabhängig: Bei kleineren Tumoren ist eine Operation die Methode der Wahl, die bei zunehmender Größe von einer Strahlentherapie unterstützt wird. Ist der Tumor zu groß für eine OP, wird in der Regel eine Tumorverkleinerung mittels Laser CO2-Laser mit nachfolgender Strahlen- und Chemotherapie angestrebt. Dazu ist eine gute Schmerztherapie und möglicherweise die Ernährung über eine Magensonde wichtig [4].

Zu beachten

Prinzipiell stellen alle hier genannten Krankheitsbilder, die zu einseitigen Halsschmerzen führen, einen Grund für einen Arztbesuch dar. Kommt es zu Kieferklemme (behinderter Mundöffnung), sollte mit dem Arztbesuch nach Möglichkeiten nicht gewartet werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen