Husten In der Nacht: Krankheitstypen

Bellender Husten (nachts)

© PantherMedia / Alice Day

Ein bellender Husten ist insbesondere bei Kindern ein häufig auftretendes Symptom und kann Anzeichen verschiedener Krankheiten sein. Insbesondere nachts treten Hustenattacken auf, die sowohl für die Betroffenen als auch für Eltern eine beängstigende und anstrengende Erfahrung sein können. Der folgende Text erklärt, welche Krankheiten sich hinter den nächtlichen Attacken verbergen und wie diese behandelt oder sogar verhindert werden können.

Ursachen von bellendem Husten (nachts)

Gerade bei Kindern gibt es verschiedene Ursachen für nächtlichen bellenden Husten. Zusammengefasst werden diese unter dem Begriff „Krupp-Syndrom“. Dahinter verbergen sich jedoch zwei unterschiedliche Krankheitsbilder:

„Echter Krupp“ (Diphtherie)

Die durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelöste Diphtherie führt bei den Betroffenen anfänglich zu erkältungsähnlichen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen.[1] Auf den Rachenmandeln bilden sich gelb-weiße Beläge aus abgestorbenen Schleimhautzellen, die Pseudomembranen genannt werden und bluten können, wenn sie beispielsweise mit einem Mundspatel berührt werden. Typisch ist dann ein bellender Husten sowie Heiserkeit bis hin zur Stimmlosigkeit (Aphonie). Außerdem besteht die Gefahr, dass die Membranen die Atemwege verengen und die Betroffenen Luftnot bekommen. Dies lässt sich teilweise an einem pfeifenden Einatmungston hören, dem sogenannten Stridor. Da nicht die Bakterien das eigentliche Problem sind, sondern das Gift (Toxin), das sie produzieren, kann sich dieses im ganzen Körper ausbreiten und zu Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen und Nervenentzündungen führen. Da früher viele Kinder an der durch die Diphtherie ausgelösten Atemnot starben, wurde die Krankheit „Würgeengel der Kinder“ genannt.[2] Glücklicherweise wird das volle Krankheitsbild der Diphtherie heutzutage in Deutschland nur noch selten gesehen, da die sehr effektive Impfung mittlerweile bereits im ersten Lebensjahr verabreicht wird.

Pseudokrupp

Ein sehr viel häufigerer Grund für nächtlichen bellenden Husten ist der sogenannte Pseudokrupp.[3] Dieser kann durch verschiedene Viren ausgelöst werden; betroffen sind meist Kinder zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Auch hier stehen anfallsartige Hustenattacken im Vordergrund; gelegentlich sind die Betroffenen schon am Vortag mit einer laufenden Nase oder einer leichten Erkältung aufgefallen. Fieber ist bei einer Pseudokrupp-Attacke eher selten, aber nicht ausgeschlossen. Durch eine Schleimhautschwellung unterhalb der Stimmlippen können die betroffenen Kinder unter Atemnot leiden, auch ein Stridor kann zu hören sein. Insgesamt verläuft die Krankheit jedoch meist harmlos und ohne Folgeschäden.
Eine wichtige Differenzialdiagnose zum Pseudokrupp ist die Kehlkopfentzündung (Epiglottitis).[4] Diese wird durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B ausgelöst, das trotz seines Namens nichts mit der Virusgrippe Influenza zu tun hat. Bei einer Infektion schwillt der Kehlkopfdeckel (Epiglottis) an und es kommt zu starker Atemnot, starkem Speichelfluss und hohem Fieber. Typisch ist außerdem eine kloßige Sprache, die klingt, als hätte der Betroffene eine heiße Kartoffel im Mund. Husten kommt seltener vor, auch ist dieser weniger bellend. Von dieser Krankheit sind ebenfalls zumeist Kinder unter 6 Jahren betroffen und durch die drohende Atemnot gefährdet. Auch diese Infektion wird zum Glück immer seltener gesehen, da die Impfung gegen das Haemophilus-Bakterium im Impfkalender für das erste Lebensjahr vorgesehen ist.

Ein weiterer Grund für nächtliche Attacken von bellendem Husten kann eine Keuchhusten-Infektion (Pertussis) sein.[5] Häufig beginnt eine solche Infektion mit einer 1–2 Wochen dauernden grippeähnlichen Erkältung, bis es dann für bis zu 6 Wochen zu dem Stadium kommt, in dem die Kinder von kurz-abgehackten (stakkatoartigen) Hustenattacken gequält werden. Nach der Hustenattacke folgt meist ein plötzliches Einatmen und das Ausspucken von zähem Schleim. Zumeist betroffen sind noch nicht geimpfte Säuglinge, bei denen es auch am häufigsten zur Komplikation des Atemstillstands kommt.[6]

Gelegentlich kann sich auch eine gewöhnliche Erkältung oder eine Virusgrippe mit bellendem Husten äußern. Typische weitere Symptome sind dabei Schnupfen, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber.

Behandlungsmöglichkeiten von bellendem Husten

Diphtherie

Da bei einer Diphtherie-Erkrankung die Gefahr einer Atemnot besteht, sollte bei Verdacht einer solchen Infektion immer ein Arzt hinzugezogen werden. Da die Bakterientoxine die tatsächlichen Krankheitsauslöser darstellen, ist die wichtigste Therapie die Gabe eines Antitoxins (Gegengifts).[7] Häufig wird diese Therapie schon anhand des klinischen Bildes bei Verdacht eingeleitet, bevor die mikrobiologischen Ergebnisse zur Verfügung stehen, um keine kostbare Zeit zu verlieren. Zusätzlich kommt zumeist ein Antibiotikum zum Einsatz (beispielsweise Penicillin), um die Bakterien abzutöten und eine Verbreitung oder Ansteckung zu verhindern. Gegebenenfalls müssen die Betroffenen bis zum Abklingen der Symptome überwacht werden, damit eine Atemnot schnell erkannt und im Notfall mit einem Luftröhrenschnitt therapiert werden kann.

Pseudokrupp

Da sich ein Pseudokrupp-Anfall durch eine Reizung der Atemwege verschlechtern kann, sollte, wenn möglich, auf eine genaue Racheninspektion (v. a. mit einem Mundspatel) verzichtet werden (außer wenn der Verdacht besteht, die Hustenattacke wurde durch das Verschlucken eines Kleinteils ausgelöst). Auch Aufregung kann die Symptome verschlechtern – das Kind sollte deshalb möglichst auf dem Schoß eines Elternteils und mit hochgelagertem Oberkörper (bzw. sitzend) transportiert werden, damit die Atemhilfsmuskulatur für das anstrengende Husten mit genutzt werden kann. Häufig findet sich der Hinweis, sich mit dem Kind an ein geöffnetes Fenster oder sogar vor den offenen Kühlschrank zu setzen und das Kind zum langsamen Atmen anzuleiten; der therapeutische Effekt dieser Maßnahme konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden (evtl. ist jedoch zumindest die Ruhe und Nähe zu den Eltern ein positiver Faktor).[8]

Da sich nicht vorhersagen lässt, wie sich ein Pseudokrupp-Anfall entwickelt, ist die Vorstellung beim Arzt oder in der Rettungsstelle ratsam. Meist werden dann Kortikosteroide eingesetzt (z. B. Prednisolon oder Dexamethason), die sowohl inhaliert als auch rektal (as Zäpfchen) oder oral (als Tablette oder Tropfen) verabreicht werden können. Meist wird den Eltern nach einem Anfall auch ein solches „Not-Zäpfchen“ mit nach Hause gegeben.

Reichen diese Medikamente nicht aus, kann zu einer Inhalation mit Adrenalin (Epinephrin) gegriffen werden, welches die Atemwege weit stellt und schleimhautabschwellend wirkt. Da hier jedoch die Wirkdauer begrenzt ist, ist es wichtig, das Kind über mehrere Stunden zu überwachen, um so einen Wirkungsverlust schnell erkennen zu können.[9]

Keuchhusteninfektionen und Kehlkopfentzündungen sollten zumindest bei Kleinkindern immer im Krankenhaus behandelt werden, da die Gefahr der Atemnot bis zum Atemstillstand besteht und dann schnell gehandelt werden muss. Es stehen Antibiotika gegen die Bakterien zur Verfügung; bei einer Kehlkopfentzündung kommen außerdem abschwellende Kortikosteroide zum Einsatz.

Zu beachten

Während und nach einer Diphtherie-Infektion sollte für mehrere Wochen auf eine strenge Bettruhe geachtet werden, um die Komplikation einer Herzmuskelentzündung zu vermeiden.

Da Diphtherie und Keuchhusten ansteckend sind, sollten alle Ungeimpften (beispielsweise Kleinkinder, welche die Grundimmunisierung noch nicht abgeschlossen haben) vom Betroffenen ferngehalten werden.

Um gefährliche Krankheiten wie Diphtherie und Epiglottitis zu verhindern, wird empfohlen, Kinder ab dem 2.–3. Lebensmonat nach den Impfempfehlungen zu impfen.[10] Der Sechsfach-Impfstoff, den die Kinder als ersten Impfstoff erhalten, beinhaltet sowohl die Impfstoffe gegen Diphtherie und Pertussis als auch gegen Haemophilus influenzae Typ B. Auch Familienmitglieder und Personen, die in engem Kontakt mit Kleinkindern stehen (Kindergärtner, Babysitter usw.), sollten ihrenImpfschutz regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls erneuern lassen.[11] Zumeist wird der Diphtherie-Impfschutz zusammen mit der Auffrischungsimpfung gegen Tetanus alle 10 Jahre verabreicht.