Husten In der Nacht: Krankheitstypen

Starker Reizhusten (nachts)

© PantherMedia / Jonathan Ross

In diesem Artikel steht das Symptom des Reizhustens, der besonders stark ist und vor allem nachts auftritt, im Betrachtungsmittelpunkt.

Unter Reizhusten wird in der Medizin der typische Husten (lat. Tussis) verstanden, allerdings ohne das bei der normalen Erkältungserkrankung entstehende Sekret. Ein Ausbleiben der Bildung von Schleim bedeutet, dass der Husten unproduktiv ist und muss von daher vom Symptom des produktiven Hustens abgegrenzt werden. Beim produktiven Husten entsteht ein Sekret, das weißlich, gelb-grünlich oder blutig sein kann.[5] Husten stellt ein körperliches Phänomen dar, welches sich reflexhaft ereignet, das bedeutet, der Körper benutzt diese Reaktion aus Selbstschutzgründen, z.B. zur Ausscheidung von Fremdstoffen wie Staub, schädlichen Gasen, Krankheitserregern oder Fremdkörpern[1].
Als krankhaft ist dieser Reflex einzuordnen, sobald er nachts auftritt und so den Erholungsprozess behindert.
Beim Hustenvorgang als solcher baut der Körper durch das Schließen der Stimmritze Druck in den unteren Atemwegen auf. Im Anschluss daran kommt es zu einem heftigen, plötzlichen Ausatmen, wodurch ein Luftstrom entsteht, der Fremdstoffe und Sekret aus den Lungen heraustransportiert.[12] Im Folgenden sollen daher Erkrankungen, die gehäuft mit nächtlichem Reizhusten einhergehen, dargestellt und ihre Ursachen und mögliche Behandlungsmöglichkeiten erläutert werden.

Ursachen von starkem Reizhusten (nachts)

Eine Trockenheit der Atemwege ist der häufigste und glücklicherweise zugleich der am leichtesten zu behandelnde Grund für einen extremen nächtlichen Reizhusten.[11]

Besagte Trockenheit entsteht vornehmlich durch eine zu geringe Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer (bzw. bei Reizhusten tagsüber natürlich im jeweiligen Raum).
Dieser Umstand sorgt dafür, dass die Schleimhäute austrocknen. Das wiederum löst eine Reizung der Schleimhäute in den Atemwegen aus, wodurch es zu einem Hustenreflex kommt. Zusätzlich begünstigt dies die Infektion mitKrankheitserregern, da ausgetrocknete Schleimhäute über nur eine geringere Abwehrfunktion im Vergleich zu unbelasteten Atemwegen verfügen.
Gründe für eine zu trockene Umgebungsluft können beispielsweise eine dauerhaft angestellte Heizung oder ein schlecht durchlüfteter Raum sein.[13]

Ein anderer Risikofaktor für die Entstehung von nächtlichem starkem Reizhusten kann Sodbrennen sein (gastroösophageale Refluxkrankheit). Liegt der Patient waagerecht im Bett, wirkt sich dies begünstigend auf den Rückfluss (Reflux) von Magensäure in die Speiseröhre aus, welches das Grundproblem des Sodbrennens darstellt. Verstärkt sich die ohnehin schon zu saure Flüssigkeitsmenge in der Speiseröhre durch die Liegeposition zusätzlich, kann es dadurch zu einer Schleimhautreizung kommen und der Husten beginnt. Doch nicht nur die waagerechte Liegeposition alleine ist Auslöser dafür, häufig können auch fettreiche Mahlzeiten und ein hoher Druck im Bauch, beispielsweise durch eine Schwangerschaft oder durch Fettleibigkeit (Adipositas), dazu beitragen, dass sich der Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre verschlimmert.[4]

Auch eine Reizung der Atemwege durch Schadstoffe sollte als mögliche Ursache für nächtlichen Reizhusten abgeklärt werden. Beispiele für eine zu hohe Schadstoffbelastung sind Wohnen in der Nähe von Autobahnen oder das Rauchen von Zigaretten(Nikotininhalation). Die Lunge ist durch diese Umstände einer erhöhten Dosis von Feinstaubpartikeln ausgesetzt, die sich in den Atemwegen festsetzen und Reizhusten auslösen können, indem sie dort haften bleiben und eine Reizung verursachen. Bleibt der Reizhusten über einen langen Zeitraum bestehen, kann dies zum Beschwerdebild einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (kurz COPD) führen, welche eine Krankheit ist, die sich ebenfalls durch chronischen Reizhusten äußert.[2]

Zuletzt sollte bei Reizhusten auch immer an eine Reaktion auf Medikamentegedacht werden. Es können in Ausnahmefällen reizhustenartige Symptome auftreten, wenn Patienten bestimmte Präparate nicht vertragen. Vornehmlich bekannt für diese Art von Nebenwirkung sind Herzmedikamente wie Beta-Blocker oder ACE-Hemmer.[5]

Behandlung des starken Reizhustens (nachts)

Falls eine einfache Trockenheit der Schleimhäute der Grund für die chronische Reizung der Lunge ist, so ist die Behandlung durch einfache Hausmittel empfehlenswert.

Zunächst sollte darauf geachtet werden, dass vor dem Schlafengehen die Heizung ausgeschaltet und der Schlafraum gut durchgelüftet ist. Sollte dies nicht möglich oder weitere ergänzende Maßnahmen gewünscht sein, so ließen sich auch Schlafengehen mit gekippten Fenstern oder Aufstellen von mit Wasser gefüllten Schüsseln im Raum zur Feuchtigkeitsspende als Optionen einsetzen.

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung stellen hustenstillende Teevarianten oder eine warme Milch mit Honig vor dem Schlafengehen dar. In Hustentees sind ätherische Öle enthalten, die eine beruhigende und Schleimhaut befeuchtende Wirkung haben. Als Beispiel zu nennen wäre hier der Pfefferminztee, aber auch andere Kräuterteesorten wie Fenchel- oder Salbeitee sind einsatzfähig. Milch und Honig regen zusätzlich die Schleimproduktion an.[11] Hierbei ist wichtig darauf zu achten, dass auch tatsächlich Reizhusten und kein produktiver Husten vorliegt, da diese Maßnahmen sonst kontraproduktiv wären.

Liegt eine Reizung durch Schadstoffe vor, sollten diese gemieden werden. Beispielsweise wäre ein Rauchverzicht (Nikotinkarenz) hilfreich, um das Risiko an COPD zu erkranken, zu senken. Bei anhaltenden Beschwerden sollte jedoch auf alle Fälle ärztlicher Rat zu Hilfe gezogen werden.[2]

Zur optimalen Behandlung von Sodbrennen wird eine Gewichtsreduktionempfohlen, ebenso wie die Einnahme kleiner regelmäßiger Mahlzeiten und diese nicht zu spät abends. Außerdem sollte auf Genussmittel verzichtet werden. Dazu gehören beispielsweise Alkohol, Kaffee, Nikotin und Süßigkeiten. Das kann unter Umständen zu einer nachweislichen Reduktion der Beschwerden führen.[4]

Ist der Reizhusten in Folge der Einnahme eines Medikamentes entstanden, so wäre in diesem Fall ein Arztbesuch ratsam. Hierbei sollte der Patient seine Beschwerden genau schildern und gemeinsam mit dem Arzt einen Präparatwechsel in Betracht ziehen.[9]

Führt der Reizhusten zu einer großen Atemanstrengung oder ist er bereits über einen langen Zeitraum vorhanden und es kommen weitere Komplikationen hinzu, kann eine Therapie mit Hustenstillern (Antitussiva) durchgeführt werden. Diese Medikamente wirken über die Hemmung des Hustenreflexes entweder direkt im Gehirn oder durch die Hemmung bestimmter Sensoren in der Lunge. Als Präparate kommen Wirkstoffklassen wie Codein (Codipront®, Bronchicum® Mono Codein, Codicaps®), Dihydrocodein (z. B. in Paracodin®, Tiamon® Mono retard, DHC Mundipharma®), Levodropropizin (z. B. in Levopront®, Quimbo®, Levotuss®) oder Pentoxyverin (z. B. in Sedotussin®, Balsoclase® Antitussivum, Silomat®) in Frage.

Bei dem Gebrauch von Antitussiva sollte jedoch Vorsicht geboten sein, denn Codein und Levodropropizin bergen besondere Gefahren. Da sie aus sehr starken Schmerzmitteln (Opioiden) hergestellt werden, bergen sie ein Suchtpotenzial und können daher abhängig machen. Außerdem sind sie in der Lage, in hoher Dosis das Atemsystem des Menschen zu hemmen, weshalb vor allem Patienten mit Störung der nächtlichen Atemmotorik (Schlafapnoe) diese Medikamente nicht verwenden sollten. Auch bei produktivem Husten sind sie nicht angebracht (kontraindiziert), da das Sekret bei Einnahme von Hustenstillern schlechter abgehustet wird und somit zu Verstopfung der Atemwege führen kann. Dies erhöht das Risiko für eine Verschlechterung der Erkrankung.[10]

Zu beachten

Wenn der Patient feststellt, dass er schlechter Luft bekommt und somit eine Atemnot besteht, könnte dies ein Hinweis auf eine vorliegende chronische Erkrankung (COPD, s.o.) sein bzw. eine beginnende Lungenfibrose bedeuten. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer langsam fortschreitenden Zerstörung des Lungengewebes.[3]

Auch wenn der Reizhusten über einen längeren Zeitraum besteht, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dahinter eine Erkrankung des Atemsystems verbirgt, z.B. eine sogenannte Sarkoidose. Das ist eine entzündliche Erkrankung des Lungengewebes.[7]

Tritt daher Atemnot auf oder besteht der Reizhusten über eine sehr lange Zeitspanne, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Ebenfalls anzuraten ist ein Arztbesuch, sobald sich zum Symptom Husten zusätzlich Gewichtsverlust, Fieber oder blutiger Auswurf (Hämoptoe) dazugesellen. Auszuschließen ist dann ein Lungenkarzinom, also eine bösartige Veränderung des Lungengewebes[8], sowie die Lungentuberkulose, im Allgemeinen auch bekannt als Schwindsucht. Diese Krankheit wird vom Mycobakterium tuberculosis hervorgerufen und wird häufig als Grippe fehlgedeutet.[6]

Zumeist ist abendlicher bzw. nächtlicher Reizhusten jedoch als ein harmlosesSymptom einzuordnen, das sehr häufig auftritt und meist im Rahmen einer vorübergehenden Erkrankung vorkommt.