Husten In der Nacht: Krankheitstypen

Produktiver Husten (nachts)

© PantherMedia / Silvia Bogdanski

Husten ist eine häufige Begleiterscheinung diverser Krankheiten, die vor allem in den kälteren Wintermonaten Probleme bereiten können. Verschiedene Einteilungsmöglichkeiten helfen dabei, den Husten besser zu typischen Krankheiten zuordnen zu können. Zum einen unterscheidet man produktiven von unproduktivem Husten, der sowohl chronisch als auch akut sein kann. Mittelpunkt des folgenden Textes soll der nächtlich auftretende produktive Husten, also Husten mit Auswurf, sein, wobei man ab einer Dauer von 8 Wochen von chronischem Husten spricht. Dadurch gekennzeichnete akute Erkrankungen sind zum Bsp. die Influenza, die akute Bronchitis und eine Lungenentzündung (Pneumonie). Eine der häufigsten chronischen Ursachen ist die chronische Bronchitis bzw. deren Weiterentwicklung zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Im Folgenden sollen die verschiedenen Ursachen näher erläutert und einige Behandlungsmöglichkeiten sowie Verhaltenstipps gegeben werden.

Ursachen

Bei einer Influenza (Grippe) handelt es sich um eine Virusinfektion der oberen Atemwege, hervorgerufen durch die Influenzaviren Typ A und B. Sie ist deutlich abzugrenzen vom grippalen Infekt, der ihr in den Symptomen zwar ähnlich ist, aber für gewöhnlich einen milderen Verlauf aufzeigt und in den meisten Fällen durch RS-Viren bedingt ist. Typische Influenzasymptome sind plötzlich eintretendes Fieber, Schüttelfrost, Niedergeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie der Husten, der sich besonders nachts manifestieren kann und nach anfänglichen trockenen Reizhusten teils weißlichen oder gelblichen Auswurf entwickelt[1].

Betrifft die Virusinfektion nicht mehr nur die oberen, sondern auch die unteren Atemwege, spricht man von einer Bronchitis, die einen akuten aber auch chronischen Verlauf nehmen kann. Die Bronchitis ist eine Entzündung der kleinen Bronchien der Lunge, die zum Anschwellen der gereizten Bronchienschleimhäute führt. Der dadurch bedingte erhöhte Widerstand in der Lunge ruft den Husten hervor, der auch hier zunächst trocken und im weiteren Verlauf produktiv ist. Meist ist der Übergang von einer Grippe zur Bronchitis fließend[2]. Allerdings ist der erkältungsbedingte Husten meist selbstlimitierend, wohingegen der Bronchitis bedingte Husten über mehrere Wochen hinweg andauern kann. Weitere Symptome sind grippeähnlich wie Fieber, Niedergeschlagenheit, ein Stechen in der Brust und Kopfschmerzen.

Im Gegensatz dazu, ist eine Lungenentzündung (Pneumonie) meist nicht viralen, sondern bakteriellen Ursprungs (80%). Häufigste Erreger sind die Pneumokokken, des Weiteren auch Hämophilus Influenza und Mykoplasmen [3]. In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 600.000-800.000 Menschen an dieser Erkrankung[4]. Es handelt sich um eine akute mikrobielle Infektion des Lungengewebes, die Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Husten mit Auswurf und Luftnot (Dyspnoe) hervorrufen kann.

Rund zehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an der chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)[5]. Wenn der produktive Husten über 3 Monate andauert und dies in 2 aufeinander folgenden Jahren, spricht man von einer chronischen Bronchitis. Kommt es zusätzlich zur permanenten Verengung der Atemwege (Atemwegsobstruktion), die mit einem Umbau des Lungengewebes (Lungenemphysem) einhergeht, handelt es sich um eine COPD. Hierbei kommt es zur chronischen Entzündung der Bronchialschleimhaut, welche eine Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) entwickelt, oft hervorgerufen durch das Hauptgift (Hauptnoxe) Zigarettenrauch. Es folgt die Freisetzung von Entzündungsmediatoren, welche das Zusammenziehen der Bronchien (Bronchokonstriktion), die Produktion zähen Schleims und das Entstehen einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödem) bedingen. Die Ansammlung von Flüssigkeit und Schleim führt zur Ausatmung gegen einen erhöhten Widerstand, zudem ist das neustrukturierte Lungengewebe weniger elastisch, es kommt zur Überblähung der Lunge und starkem produktiven Husten. Der anfangs gelegentliche Husten häuft sich, in höheren Stadien kommt Atemnot hinzu, die Leistungsfähigkeit und der Allgemeinzustand verschlechtern sich zunehmend.

Behandlung

Im Allgemeinen können sowohl bei akuten als auch bei chronischem produktiven Husten einige Medikamente und Phytopharmaka symptomlindernd wirken. Im Mittelpunkt sollte aber eine kausale Therapie stehen, da es nicht den nächtlichen Husten an sich, sondern Erkrankungen wie die Pneumonie oder Bronchitis zu bekämpfen gilt.

Allgemeine Hausmittel/Heilmittel bei produktivem Husten

Nach Möglichkeit einzunehmen vor dem Schlafengehen:

  • Das Inhalieren mit Aufgüssen, die Anis, Eukalyptus oder Fenchel beinhalten, kann schleimlösend und auswurffördernd wirken. Neben dem Inhalat benötigt man lediglich ein Handtuch, das man sich über den Kopf hängt und so vornüber gebeugt über eine Schüssel heißes Wasser lehnt, zu welchem das ätherische Öl oder die Heilpflanzen hinzugefügt werden. MehrmaligesInhalieren am Tag für 10 – 20 min kann eine Besserung herbeiführen.
  • Homöopathische Mittel können ebenfalls sehr hilfreich sein. Nach Absprache mit einem homöopathischen Arzt oder der Apotheke kann ein passendes Mittel in Form von Globuli oder Tropfen gefunden werden.
  • Zwiebeln wird eine keimtötende (bakterizide) und entzündungshemmende Wirkung zugesprochen, hervorgerufen durch schwelfelhaltige Verbindungen und Flavonoide[6]. Zudem ist die Zubereitung eines Zwiebelsafts sehr einfach und preiswert. Die zuvor in Stückchen geschnittene Zwiebel muss aufgekocht, mit etwas Zucker versetzt und das entstandene Sudat mit einem Sieb filtriert werden. Anschließend kann dies mehrmals am Tag eingenommen werden.
  • Achtung: auch Milch mit Honig ist ein beliebtes Hausmittel gegen Husten, sollte aber eher bei trockenem Reizhusten Anwendung finden, da Honig sich wie ein Schutzfilm über die Schleimhaut legt und so das Abhusten des lästigen Schleims erschweren kann.

Allgemeine medikamentöse Hilfsmittel bei produktivem Husten:

  • Wirkstoffe wie Acetylcystein (z. B. ACC akut, NAC Sandoz Hustenlöser, NAC-ratiopharm akut), Ambroxol (z. B. Ambrohexal Hustensaft, Ambroxol-Ratiopharm Hustensaft, Mucosolvan Saft) oder Bromhexan (Bromhexin 12 Bc Tropfen, Bromhexin Krewel Meuselbach Tropfen, Bromhexin 8 Berlin Chemie) wirken hustenlösend, indem sie die Zähigkeit (Schleimviskosität) herabsetzen und die Zilienbewegung (kleine bewegliche Flimmerhärchen im Atmungstrakt zum Herausbefördern von Schleim und Fremdpartikeln) stimulieren.
  • Stärkere Hustenstiller (Antitussiva) mit Wirkstoffen wie Codein oder Dextromethorphan sind in diesem Falle eher kontraproduktiv[7]. Sie wirken dem Hustenreiz entgegen, was bei dem Wunsch endlichen schlafen zu können, verlockend klingt, allerdings angesichts dessen, dass es wichtig, ist den Schleim aus der Lunge heraus zu befördern, weniger hilfreich ist. Dennoch kann bei zu hoher Belastung durch die Schlafminderung nach individueller Absprache mit dem Arzt ein Antitussivum zumindest nachts Linderung bringen.

Hilfreiche Phytopharmaka bei produktivem Husten (pflanzliche Wirkstoffe):

  • Sowohl Thymian (z. B. Hustagil Thymian Hustensaft, Bronchicum, Bronchipret Saft) als auch Efeu (Bronchicum Elixir, Bronchipret Saft, Prospan Hustensaft) finden oft Anwendung bei produktivem Husten, da ihnen Saponine und ätherische Öle eine schleimlösende (sekretolytische), entzündungshemmende und reizmildernde Wirkung verleihen.

Da eine Influenza oder eine akute Bronchitis meist selbstlimitierend sind, d.h. sie hört nach ein paar Tagen von selbst auf, ist es selten notwendig, diese medikamentös zu behandeln[8]. Wenn erwünscht, kann eine Medikation allerdings zur Besserung einzelner Symptome führen.

Anders verhält es sich bei einer Pneumonie, welche ernster eingestuft werden muss. Falls diese vermutet wird, sollte schnellstens der Arzt aufgesucht werden, welcher daraufhin meistens ein Antibiotikum verschreibt, sofern es sich um eine bakterielle Infektion handelt[9]. Eigens durchführbare Hilfsmaßnahmen sind hier vor allem die Bettruhe und viel Schlaf, evtl. das Einnehmen fiebersenkender Mittel und (allerdings nur symptomlindernd) oben beschriebene Hustenlöser.

Die Behandlung der COPD ist die wohl komplexeste der hier aufgeführten Krankheiten, welche meist nach einer dauerhaften ärztlichen Betreuung verlangt. Die Therapie wird individuell, je nach Schweregrad und auftretenden Symptomen angepasst, wobei die Prävention (Maßnahmen, die die Beeinträchtigung der Gesundheit verhindern oder verzögern sollen) und die Symptomkontrolle (vor allem die Atemnot und die Leistungsminderung) Therapieziele darstellen[10].

Allgemeine Hilfsmaßnahmen bei COPD:

  • Rauchstopp bzw. das Vermeiden von Giften auf dem Arbeitsplatzes (Arbeitsnoxen) wie hohe Staubbelastung, da diese das Krankheitsbild weiter voran treiben.
  • Schutzimpfungen gegen Pneumokokken und Influenza, da diese Erreger die Lunge zusätzlich schädigen können.
  • Bei bestehendem Übergewicht (Adipositas) eine Ernährungsumstellung
  • Regelmäßige körperliche Belastung durch zum Bsp. Schwimmen, Wandern oder Radfahren können hilfreich sein. Es gibt sogar spezielle Lungensportgruppen, bei denen sich COPD-Patienten anmelden können.
  • Spezielle Atemtechniken, die durch einen Physiotherapeuten erlernt werden können, helfen vielen Betroffenen, ihre Lunge besser zu belüften und die Selbstreinigungsmaßnahmen anzuregen[11].
  • Effektive Hustentechniken, um eine Sekretansammlung zu verhindern und dieses regelmäßig abzuhusten. Dabei empfiehlt es sich tief Luft zu holen und diese, als ob man ausatmen wolle, gegen die Stimmritzen zu pressen. Nach kurzem Innehalten wird die Ausatemluft mit möglichst hoher Geschwindigkeit ausgestoßen und somit Sekret und andere Partikel hinaus befördert.
  • Einer akuten Atemnot können die Lippenbremse oder der Kutschersitz entgegenwirken. Bei ersterem atmet man gegen seine zwei auf die Lippen gelegten Finger aus, wodurch der Druck in den tiefen Atemwegen gesteigert und die Verengung (Obstruktion) vermindert wird. Beim Kutschersitz stützt sich der Betroffene mit den Armen sitzend oder stehend an einem Tisch oder Ähnlichem ab, beugt sich dabei nach vorne und unterstützt dadurch seine Atemhilfsmuskulatur, das Ausatmen gegen den erhöhten Widerstand wird erleichtert.

Medikamentöse Therapie

Da es sich empfiehlt, diese mit dem behandelnden Arzt abzusprechen, sollen hier nur einige Möglichkeiten aufgezeigt werden.

  • Für die Akuttherapie werden oft Präparate mit dem kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum Salbutamol (zum Bsp. Salbutamol Sandoz Dosieraerosol, Salbutamol Ratiopharm N Dosieraerosol, Salbu Easyhaler) verwendet, welcher die Bronchien erweitern soll.
  • Eher für die chronische Therapie geeignet ist das länger wirksame Beta-2-Sympathomimetikum Formoterol (zum Bsp. Foradil-Spray, Foster 100 Dosierspray, Foradil-Spray). Zudem werden häufig bei schweren Fällen von COPD inhalative Glucokortikoide verschrieben (z. B. Pulmicort, Symbicort, Axotide)[12], die entzündungshemmend (antiinflammatorisch) wirken.

Zu beachten

Viele Menschen werden vor allem in den Wintermonaten von Krankheiten wie der Grippe oder der akuten Bronchitis heimgesucht. Besonders Kinder und ältere Menschen sind häufiger betroffen, da das Immunsystem noch nicht oder nicht mehr so stark entwickelt ist. Vorbeugende Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems können regelmäßige Bewegung, frische Luft und eine gesunde Ernährung sein. Zudem existieren heute Grippeschutzimpfungen zumindest gegen die Influenza. Bei schlimmer werdenden oder nicht enden wollenden Husten ist es meist besser einen Arzt aufzusuchen, da man die Entwicklung einer Pneumonie oder einer chronischen Bronchitis verhindern möchte. Auf Grund dessen sollte ein starker Husten immer gut beobachtet werden. Außerdem empfiehlt sich ein Husten oder Niesen in die Armbeuge sowie vermehrtes Händewaschen, um einer gesteigerten Verbreitung der Erreger entgegen zu wirken.

COPD ist eine noch nicht vollständig erschlossene Krankheit, bei der man allerdings vermutet, dass zum einen eine genetische Veranlagung (Disposition) existiert, zum anderen Gifte (Noxen) wie Zigarettenrauch die Krankheit bedingen. Das Erkrankungsrisiko steigt immerhin damit, wie häufig oder lang der Betroffene zur Zigarette greift[13]. Kommt es immer wieder zur schubhaften Verschlechterung der COPD (Exazerbation), bedeutet dies für die Patienten eine immer schlechter werdende Lungenfunktion und damit einher gehend auch eine verminderte Lebensqualität, die mit Atmenschwäche (Insuffizienz) und somit einer notwendigen maschinellen Beatmung enden kann.