Halsschmerzen: Häufige Fragen

Halsschmerzen durch Virus – Was tun?

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Halsschmerzen sind ein Symptom (keine Erkrankung selbst) und werden häufig ausgelöst durch Infekte der oberen Atemwege (ab Kehlkopf aufwärts). Sie sind Zeichen einer Entzündung des Mund- und Rachenraums (Oropharynx). Typischerweise ist die Rachenschleimhaut geschwollen und gerötet(Hyperämie). Der Schmerz kann von einer kratzenden Empfindung bis hin zu scharfen, klingenden Schmerzen reichen. Ursache für Entzündungen im Rachenraum können Bakterien wie beispielsweise Streptokokken sein. In der Mehrzahl der Fälle (rund zwei Drittel) entsteht die Rachenentzündung (Pharyngitis) jedoch durch Viren. Häufige Erreger sind hierbei humane Rhinoviren, Adenoviren, humane Metapneumoviren, Parainfluenza- oder Influenzaviren (Erreger der echten Virusgrippe) oder bei Kindern das RS-Virus (respiratorisches Syncytialvirus). Da eine ursächliche Bekämpfung der Viren oft schwierig ist, beschränkt sich die Therapie zumeist auf eine Linderung der Symptome (symptomatische Therapie).[1][2]

Behandlung bei Halsschmerzen durch Virus

Anzeichen einer Entzündung des Rachens sind Halsschmerzen. Unabhängig von der tatsächlichen Ursache eines Racheninfektes entstehen die Schmerzen durch die Abwehrreaktion des menschlichen Körpers. Als Reaktion auf eingedrungene Keime schüttet das betroffene Gewebe sogenannte Entzündungsmediatoren (Entzündungsbotenstoffe; Prostaglandine, Leukotriene und Zytokine) aus. Diese Botenstoffe führen zur Schwellung, Erwärmung und Rötung des Gewebes. Im Gewebe liegende Nervenendigungen reagieren sowohl direkt auf die Entzündungsmediatoren als auch mechanisch auf den erhöhten Druck im geschwollenen Gewebe. Die Schmerzen können im Grunde entweder durch Bekämpfung der Entzündungsmediatoren oder durch Stummschaltung (Analgesie, Schmerzunempfindlichkeit) der Nervenendigungen gelindert werden. Zu diesem Zweck steht eine Reihe unterschiedlicher allgemeiner Maßnahmen wie auch pflanzlicher oder schulmedizinischer Wirkstoffe zur Verfügung. Im Folgenden werden einige davon, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, exemplarisch dargestellt.

Allgemeine Maßnahmen

Unerlässlich zur Bekämpfung von Halsschmerzen im Rahmen von Atemwegsinfekten ist eine funktionsfähige Rachenschleimhaut. Um diese zu erhalten, ist eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr wichtig. Unabhängig von der Temperatur der Getränke ist ein ausgeglichenerFlüssigkeitshaushalt der Schleimhaut schon mit regelmäßigen schluckweisen Flüssigkeitsmengen zu erreichen. Feuchte Raumluft (keine Klimaanlagen, auch in Autos, Flugzeugen etc.) fördert ebenfalls die Gesunderhaltung der Schleimhäute. Zudem sind einfache Hygienemaßnahmen, sowohl vorbeugend (prophylaktisch) als auch zur Vermeidung einer Sekundärinfektion (z. B. mit einem zweiten Virus oder einem Bakterium auf der Grundlage einer viralen Infektion) sinnvoll. Regelmäßiges Händewaschen und, wenn nötig, Händedesinfektion(Händedesinfektionsmittel verwenden, kein Flächendesinfektionsmittel!) können die Zahl der krankmachenden Viren und Bakterien auf der Körperoberfläche reduzieren. [3] Um die Kräfte des Körpers zu schonen, sollte bei Halsschmerzen im Rahmen eines Erkältungsinfektes Ruhe eingehalten werden. Stärkere körperliche Aktivität sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Hilfreich kann auch sein, die Stimme bei Halsschmerzen möglichst zu schonen, um die Rachenschleimhaut nicht weiter zu reizen.

Hausmittel/Anwendungen

Gurgeln kann zur Feuchterhaltung der Rachenschleimhaut angewendet werden. Am einfachsten ist das Gurgeln mitlauwarmer Kochsalzlösung. [4] Dazu kann beispielsweise ein Viertel Teelöffel Speisesalz in einem Glas Trinkwasser aufgelöst und damit ungefähr 20 Sekunden gegurgelt werden. Kräutertees können allein durch die Flüssigkeitszufuhr die Schutzbarriere der Rachenschleimhaut aufrechterhalten. Zudem können dem TeeHeilpflanzen wie z. B. Eibisch (Malvengewächs, auch Hibiskus genannt), Salbeioder Huflattich zugesetzt werden. Die darin enthaltenen Schleimstoffe (sog. Mucilaginosa) können bei der Beruhigung der gereizten Rachenschleimhauthelfen. Wirkstoffe aus Kamille wirken generell entzündungslindernd (antiinflammatorisch) und können so Schmerzen durch Entzündungen verringern. Tees mit Fenchel, Pfefferminze oder beispielsweise Anis haben teils direkt schmerzlindernde Effekte (analgetisch), indem sie die freien Nervenendigungen blockieren. [5] Prinzipiell können auch Lutschpastillen auf pflanzlicher Basisgute Effekte zur Reduktion von Halsschmerzen bei Virusinfektionen erzielen. Zur lokalen (örtlichen) Wirkung der Lutschpastillenbestandteile kommt noch dieverstärkte Produktion von Speichel durch das bloße Lutschen hinzu. Speichel befeuchtet einerseits die Rachenschleimhaut und enthält zum anderen zahlreicheBestandteile, die das Immunsystem im Kampf gegen die Krankheisterreger unterstützen können (z. B. Immunglobulin-A-Antikörper). Weitere Pflanzenstoffe, die einzeln oder in Kombinationspräparaten gegen Halsschmerzen enthalten sind,stammen z. B. aus Cistus incanus (Graubehaarte Zistrose, entzündungshemmend und beruhigend) [6] oder Cetraria islandica (Isländisch Moos, immunstärkend und beruhigend) [7] und vielen anderen. Traditionell kommen bei Halsschmerzen auch warme Halswickel zum Einsatz. Dazu kann ein Baumwolltuch – mit lauwarmem Wasser befeuchtet und locker um den Hals gewickelt – für ungefähr eine halbe Stunde getragen werden (wegen Auskühlung Zugluft vermeiden).

Medikamente

Schulmedizinisch steht eine Reihe schmerzlindernder Arzneistoffezur Behanlung von Halsschmerzen im Rahmen eines Atemwegsinfektes zur Verfügung. Zu den klassischen lokal betäubenden Wirkstoffen (Lokalanästhetika) zählen Lidocain und Benzocain (z.B. in Lemocin® Halstabletten, Dobendan®Strepsils, Neo Angin® oder Dorithricin® Lutschtabletten). Diese können die freien Nervenendigungen der Rachenschleimhaut wirkungsvoll über einige Stunden hinweg blockieren. Speziell für den Einsatz bei Halsschmerzen enthalten Mucoangin®[+] Halstabletten den Wirkstoff Ambroxol (Abkömmling des Wirkstoffes Bromhexin). Dieser Wirkstoff kann bestimmte Schmerzrezeptoren in der Rachenschleimhaut (spannungsgesteuerte Na-Kanäle sensibler Neuronen)blockieren und so Schmerzen lindern. Ein lokal entzündungsbekämpfender Wirkstoff ist Flurbiprofen, der die Bildung bestimmter Entzündungsbotenstoffe (Prostaglandine) hemmt. Zusätzlich werden zahlreiche Präparate angeboten, dieWirkstoffe mit antimikrobieller (gegen Erreger allgemein) beziehungsweise antiviraler (speziell gegen Viren) Wirkung enthalten. Dazu zählen chemische Substanzen wie Tyrothricin, Centrimoniumbromid, Amylmetacresol, Dichlorbenzylalkohol oder Cetylpyridiniumchlorid (u.a. teils enthalten in Lemocin®Halstabletten, Dobendan® Strepsils Dolo, Neo Angin® oder Dorithricin®Lutschtabletten). Allerdings ist deren Nutzen allein aufgrund der desinfizierenden Wirkung umstritten. Für alle oben genannten Wirkstoffe kann die Wirksamkeit zur effektiven Schmerzlinderung generell nicht statistisch befriedigend nachgewiesen werden. [8]

Diese Angaben dienen nur als orientierende Information und können die individuellen Empfehlungen und Anweisungen eines Arztes, speziell bezüglich der jeweiligen Dosierungen, nicht ersetzen.

Zu beachten

In der Regel sind virale Atemwegsinfekte mit Halsschmerzen selbstlimitierend, das heißt, sie klingen im Verlauf von ein bis zwei Wochen wieder ab. Bei Unsicherheit im Umgang mit den Halsschmerzen oder wenn sich die Beschwerden im genannten Zeitraum nicht bessern, sollte jedoch ein Arztaufgesucht werfen. Besondere Vorsicht ist geboten bei weiteren Symptomen wie z. B. Fieber mit Temperaturen über 39 °C bei Erwachsenen oder über 40 °C bei Kindern. [9]

Die Gabe von Antibiotika ist nur in wenigen Fällen bei infektbedingten Halsschmerzen notwendig. Sollten dennoch, egal unter welchen Umständen, Antibiotika eingenommen werden, sollte dies unbedingt genau nach der Anweisung des verschreibenden Arztes erfolgen.

Jeder Wirkstoff, speziell auch pflanzliche Wirkstoffe, kann Überempfindlichkeitsreaktionen und Allergien verursachen. Wird eine solche vermutet, muss die Einnahme dieses Stoffes sofort beendet werden. Bestimmte Wirkstoffe wie Flurbiprofen sind für Kinder nicht zugelassen. Generell müssenWirkstoffe bei Kindern in Abhängigkeit vom Gewicht dosiert werden, um Überdosierungen und potenzielle Vergiftungen zu vermeiden.

Impfungen (z.B. gegen Grippe, Haemophilus influenza Typ B, Diphtherie oderStreptococcus pneumoniae/Pneumokokken) können einen relativen Schutz(100% sind biologisch unmöglich) gegen Halsschmerzen bieten.

Als Tipp: Da die Ursache viraler Halsschmerzen oft nur sehr schwer therapiert werden kann, sind vorbeugende Maßnahmen die beste Strategie. In Zeiten erhöhter Infektionsgefahr (zumeist Wintermonate) sollte auf angemessene Hygiene geachtet und potenziell mit Krankheitserregern belastete Umgebungen (z.B. geschlossene Räume mit vielen Menschen) gemieden werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen