Erkältung: Anwendungen

Erkältung ausschwitzen – ist das möglich?

© PantherMedia / Jan Mika

Machen sich erste Anzeichen einer Erkältung (grippaler Infekt, österreichisch: Verkühlung) bemerkbar, wird zu den unterschiedlichsten Mitteln gegriffen, um diese zu bekämpfen. Ein Kräuterlikör vor dem Schlafen, in dicker Jacke Sport treiben oder auch ein Saunabesuch- das Ausschwitzen der Erkältung soll helfen.

Ob diese Maßnahmen wirklich gesund und hilfreich sind und wie der Therapieeffekt zu erklären ist, soll im Folgenden geklärt werden.

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Eine Schwitzkur (Hyperhidrose) soll ein künstliches Fieber erzeugen, das hilft, die Viren abzutöten. Das Immunsystem kann bei erhöhter Temperatur effektiver arbeiten, wodurch der Genesungsprozess beschleunigt wird und gleichzeitig eine Abschwächung der Erreger erfolgt. Durch den beschleunigten Blutfluss gelangen die Abwehrstoffe schneller an den Infektherd.[1]

Dabei kann das Schwitzen bei einer Erkältung aber auch schaden:

  • Schwitzen durch Sport: Regelmäßig Sport zu treiben, stärkt zwar das Immunsystem und beugt Infektionskrankheiten vor, doch wenn bereits eine Erkältung vorliegt, schadet die zusätzliche körperliche Betätigung. Sport stellt dann eine weitere Belastung für den Körper und besonders das Herz-Kreislauf-System dar und verhindert, dass das Immunsystem seine Kräfte voll und ganz auf die Krankheit konzentrieren kann.[2]
  • Wegschwitzen durch Alkohol: Gerade von Männern wird bei beginnender Erkältung oft Hochprozentiges konsumiert. Zwar beginnt der Körper dadurch tatsächlich zu schwitzen, doch der Alkohol schadet und schwächt den Körper, da er viel Energie für den Abbau der Giftstoffe aufbringen muss.
  • Schwitzen durch Saunagänge: Die wechselnden Temperaturen zwischen heiß und kalt trainieren unser Herz-Kreislauf-System. Außerdem ist regelmäßiges Saunieren gesund und stärkt das Immunsystem. Dieses bildet durch den regelmäßigen thermischen Reiz mehr Immunzellen und Interferone. Letztere spielen als Botenstoffe im Rahmen der Abwehr bei Infektionen eine wichtige Rolle.[3] Doch die extreme Hitze und besonders der Wechsel hin zum anderen Extrem stellt eine große Belastung für unseren Kreislauf dar. Energie, die eigentlich das Immunsystem benötigt, wird nun für die Temperaturregulation gebraucht. Zudem stellt die feuchtwarme Luft ein ideales Klima für die Erreger dar und steigert die Ansteckungsgefahr in öffentlichen Saunen.
  • Wärme und Bettruhe: Wärme, die durch Wärmflaschen, heiße Teegetränke, Fußbäder und ein warmes Bett zugeführt wird, hat eine sehr positive Wirkung. Ein künstliches Fieber wird erzeugt, ohne den Körper zusätzlich zu belasten und sorgt so für einen schnelleren Genesungsprozess.

Anwendung und Dosierung

Bei einer klassischen Schwitzkur sollte folgendermaßen vorgegangen werden:

  • warme Kleidung samt Wollmütze anziehen
  • in einen Sessel sitzen und ein heißes Fußbad nehmen
  • Wärmflasche in den Nacken oder auf den Bauch legen
  • 0,5 l warmer Lindenblütentee mit Honig (wird zusätzlich schweißtreibend) in kleinen Schlucken trinken
  • danach abtrocknen und schweißnasse Kleidung gegen einen trockenen Schlafanzug wechseln
  • ins Bett unter eine Decke legen, nebenher immer warmen Tee trinken

Dieses Ausschwitz-Programm sollte nicht öfter als einmal am Tag durchgeführt werden um eine Überanstrengung zu vermeiden.

Zu beachten:

Schwitzkuren sind bei Herz- oder Kreislaufproblemen oder fortgeschrittenem Alter nicht zu empfehlen. Auch gesunde Personen sollten diese Anwendung lieber in Anwesenheit einer weiteren Person durchführen, die bei Kreislaufproblemen helfen könnte. [4]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung