Erkältung: Anwendungen

Inhalieren bei Erkältung

© PantherMedia / Olaf von Lieres

Ärzte empfehlen eine Vielzahl von Methoden, um die Beschwerden einer Erkältung zu lindern. So zum Beispiel auch die Inhalation von Dampf mit oder ohne Zusatz von ätherischen Ölen. Dies soll dabei helfen, Schnupfenbeschwerden zu lindern und die Nase wieder freizubekommen. Die medizinische Wissenschaft ist sich jedoch nicht darüber einig, ob eine Inhalation tatsächlich die ihr nachgesagte Wirkung erbringen kann, ohne dabei dem Betroffenen zu schaden.

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Bei der Inhalation von Dampf kommt heiße Flüssigkeit mit der Atemluft als Flüssigkeits-Gas-Gemisch (Suspension) direkt an die Schleimhäute von Nase und Rachenraum. Dies soll die Durchblutung fördern und den Schleim lösen.

Anstelle von Wasserdampf als Basis wird oft auch Kamillentee empfohlen. Ebenso können dem Wasser ätherische Öle zugesetzt werden. Diese Inhaltsstoffe werden dann zusammen mit dem Dampf direkt an die Schleimhäute gebracht und können dort die ihnen zugeschriebene Wirkung entfalten. Üblich sind zum Beispiel Thymian- (antibakteriell), Eukalyptus- (desinfizierend) oder Pfefferminzöle (entzündungshemmend).

Neben diesen positiven Wirkungen können ätherische Öle jedoch die Schleimhäute reizen und so – insbesondere bei Kleinkindern unter 3 Jahren – die Erkältungssymptome noch deutlich verschlimmern. Außerdem kann es unter Umständen bei entsprechend veranlagten Personen zu allergischen Reaktionen oder lebensbedrohlichen Asthmaanfällen (Erstickungsanfall mit Schwierigkeiten bei der Ausatmung) kommen. Aus diesen Gründen ist die Verwendung von ätherischen Ölen als Zusätzen zu Dampfinhalationen mit Vorsicht zu genießen.

Doch auch die wissenschaftliche Betrachtung der reinen Dampfinhalation liefert ein ernüchterndes Ergebnis: In einer großen Studie, die 2003 im British Medical Journal veröffentlicht wurde, konnte bei einer Gruppe von 889 Patienten mit Erkältungen kein nachweisbarer Vorteil und kein klinischer Nutzen gezeigt werden. Im Gegenteil erlitten sogar 2 % der Patienten leichte Verbrennungen der Atemwege. Das Deutsche Ärzteblatt rät darum von Dampfinhalationen zur Behandlung der Erkältung ab. Allerdings darf die Möglichkeit nicht vergessen werden, dass einige Probanden die Inhalation falsch angewendet haben könnten, sodass nicht gleich dem ganzen Verfahren der Nutzen abgesprochen werden muss.

Anwendung und Dosierung

Viele Patienten empfinden Dampfinhalationen bei Erkältungen als angenehm und wirkungsvoll. Soll eine Dampfinhalation sicher durchgeführt werden, so benötigt der Betroffene:

  • Eine große Schüssel oder ein ähnliches hitzebeständiges Gefäß
  • Ein großes Tuch (z.B. Badehandtuch, Kopfkissenbezug)
  • 3-5 l heißes (Salz-)Wasser (möglichst nicht kochend, um Verbrennungen zu vermeiden)

Das heiße Wasser wird in die Schüssel gegeben und der Kopf des Patienten über das Gefäß gehalten. Kinder können zu diesem Zweck auf den Schoß genommen werden. Anschließend wird das Tuch gleichzeitig über den Kopf des Patienten und über die Schüssel gelegt. Dies dient dazu, den Dampf aufzufangen, damit eine möglichst große Menge eingeatmet wird. Auf die Verwendung von ätherischen Ölen oder anderen Zusätzen sollte verzichtet werden. Üblicherweise wird eine Dampfinhalation 2-3x/Tag durchgeführt.

Zu beachten

Sollen Dampfinhalationen zum Einsatz kommen, müssen folgende Hinweise beachtet werden:

  • Keine Ätherischen Öle oder sonstige Zusätze verwenden
  • Kein kochend heißes Wasser verwenden, um Verbrennungen zu vermeiden
  • Keine Plastiktüten oder andere luftdichte Materialien zur Abdeckung verwenden – Erstickungsgefahr!
  • Dampfinhalationen nicht bei Kleinkindern unter 3 Jahren anwenden
  • Bei starken Erkältungssymptomen, insbesondere bei hohem Fieber: Arzt aufsuchen!

Weiterhin besteht bei jeder Erkältung die Gefahr einer bakteriellen Superinfektion (Besiedelung erkrankter Schleimhaut mit Bakterien). Zeichen hierfür sind zum Beispiel übel schmeckender, gelblicher Schleim und hohes Fieber. Besteht zusätzlich starker Husten, kann dies auch auf eine Lungenentzündung (Pneunomie) hindeuten. Treten entsprechende Symptome auf, sollte auf eine Therapie mit Dampfinhalationen verzichtet und ein Arzt aufgesucht werden.[1][2]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung