Erkältung: Häufige Fragen

Cannabis gegen Erkältung

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Eine Erkältung (grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung) kann durch eine Vielzahl von Hausmitteln wirkungsvoll behandelt werden. Die Wirkung einiger Hausmittel ist wissenschaftlich belegt, andere hingegen gelten eher als Mythos und es konnte bisher keine heilende Wirkung festgestellt werden. Ob Cannabis möglicherweise eine heilende Wirkung bei einer Erkältung hat, soll im nachfolgenden Text, anhand der biologischen Wirkweise der Cannabis-Inhaltsstoffe und der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen erläutert werden.

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Cannabis ist die wissenschaftliche Bezeichnung der Pflanzengattung Hanf. Die Cannabispflanze enthält verschiedene wirksame Inhaltsstoffe, die zur Gruppe der Cannabinoide gehören. Der bekannteste und wirksamste Inhaltsstoff der Cannabispflanze ist das D 9-Tetrahydrocannabinol.[1]

Cannabinoide wirken auf das zentrale Nervensystem. Im menschlichen Körper gibt es ein körpereigenes Cannabinoid-System (Endocannabinoid-System). Bisher sind zwei Rezeptorklassen des Endocannabinoid – Systems bekannt:

  • CB1 – Rezeptoren
  • CB2 – Rezeptoren

CB1-Rezeptoren sind vorwiegend im Gehirn lokalisiert. CB2-Rezeptoren befinden sich hauptsächlich auf den Zellen des Immunsystems (Abwehrsystem). Wird ein CB1-Rezeptor durch ein Cannabinoid besetzt, wird die Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn gehemmt. Dieser Effekt kann unter anderem zu folgenden Wirkungen führen:

  • Entspannung und Wohlbefinden
  • Leichte Euphorie
  • Intensivierung der Sinneswahrnehmung
  • Müdigkeit
  • Apathie
  • Hunger
  • Schmerzlinderung
  • Antiemetische Wirkung (gegen Übelkeit und Erbrechen)

Die genauen Wirkmechanismen der Cannabinoide im menschlichen Organismus sind noch nicht vollständig geklärt. Besonders der Einfluss des CB2-Rezeptors auf das Immunsystem ist noch weitgehend unbekannt.[2]

In der Medizin werden die Wirkstoffe der Cannabispflanze zur Therapie von chronischen Schmerzen und Tumorschmerzen eingesetzt. Die appetitanregende Wirkung der Cannabinoide findet Anwendung bei starkem, ungewolltem Gewichtsverlust („Waisting – Syndrom“) im Rahmen einer Grunderkrankung, wie beispielsweise eine HIV-Infektion. Auch bei medikamenteninduzierter Übelkeit und Erbrechen, während einer Chemotherapie, wird Cannabis aufgrund der antiemetischen Wirkung eingesetzt.[3]

Trotz der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Cannabinoiden bei schweren Erkrankungen, ist die Linderung oder Heilung einer Erkältung durch Cannabis-Wirkstoffe bisher nicht bekannt. Es scheint sich hierbei wohl eher um einen Mythos zu handeln. Vor allem, wenn die Erkältungssymptome die Atemwege betreffen, ist das Rauchen von Teilen der Cannabispflanze eher schädlich. Rauch vermindert die Aktivität der Flimmerhärchen in den Atemwegen, sodass die körpereigene Reinigung der Atemwege durch die Flimmerhärchen langsamer vorangeht und die Krankheitserreger länger im Körper verbleiben. Dies kann dazu führen, dass die Erkältung langsamer abheilt.[4]

Anwendung und Dosierung

Es gibt verschiedene Zubereitungsformen für Cannabis:

  • getrocknete Blätter und Blüten (Marihuana)
  • Harz der Blüten (Haschisch)
  • Öliges Haschischextrakt (Haschischöl)

Die Aufnahme (Resorption) von Cannabis-Wirkstoffen ist beim Rauchen höher als bei der oralen Aufnahme. Die Wirkung beginnt innerhalb von wenigen Minuten und hält etwa 3-4 Stunden an.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung