Grippe: Im Alltag

Sauna bei Grippe

© PantherMedia / Rüdiger Rebmann

Der regelmäßige Gang in die Sauna stärkt das Immunsystem und kann dadurch Infektionskrankheiten, wie der Grippe (Influenza) vorbeugen. Bei einer akuten Erkrankung ist jedoch das Saunieren zu unterlassen, da in diesem Fall die Hitze eine zusätzliche Belastung für den Körper darstellt und zudem die Ansteckung anderer Saunagäste provoziert wird.

Im folgenden Text sollen anhand von medizinischen Fakten und biologischen Zusammenhängen die Effekte des Saunierens auf das Immunsystem genauer erläutert werden. Darüber hinaus wird erklärt, warum der Gang in die Sauna bei einer Infektionserkrankung, wie beispielsweise der Grippe, kontraindiziert ist.

Medizinische Fakten

Thermische Reize, egal ob warm oder kalt, lösen bestimmte Reaktionen im Körper aus, wobei zwischen akuter und langfristiger Reaktion unterschieden werden muss. Die Saunaanwendung stellt dabei eine Schnittstelle zwischen der Wärme- und Kältebehandlung dar, da bei richtiger Anwendung ein mehrmaliger Wechsel zwischen heiß und kalt durchgemacht wird.

Prinzipiell führt eine Wärmebehandlung zu folgenden Effekten:

  • Gesteigerte Durchblutung
  • Schmerzlinderung
  • Muskelentspannung
  • Seelische Entspannung

Hingegen werden durch eine Kälteanwendung folgende Effekte ausgelöst:

  • Verengung der Gefäße (Vasokonstriktion)
  • Hemmung von Entzündungsreaktionen (antiphlogistische Wirkung)
  • Atemstimulation
  • Anhebung des Blutdrucks

Eine Kombination von Wärme-und Kälteanwendungen, wie beim Saunieren, bewirken zusätzlich zu den oben genannten:

  • Optimierung der Thermoregulation
  • Verbesserte periphere Durchblutung
  • Herz-Kreislaufstabilisierung
  • Verbesserung des Stoffwechsels
  • Anregung des Immunsystems[1]

Biologischer Zusammenhang

Die bei regelmäßigem Saunieren beobachtete positive Beeinflussung des Immunsystems beruht hauptsächlich auf einer Durchblutungssteigerung, wodurch der schnelle Transport von Stoffen, wie beispielsweise Entzündungsmediatoren, sowie Immunzellen, die zur Abwehr von Infekten benötigt werden, gewährleistet werden kann. Dies ist besonders wichtig im Nasen- und Rachenraum, dem Ort, wo die meisten Infektionserreger ihren Eingang in den Körper finden. Besonders hier wurde eine gesteigerte Durchblutung im Zusammenhang mit regelmäßigem Saunieren gefunden.

Darüber hinaus konnten Studien eine Vermehrung von spezifischen Immunzellen (T-Lymphozyten) feststellen. Diese haben bei der Abwehr von Infekten eine entscheidende Rolle, indem sie schädliche Substanzen erkennen und somit deren Eliminierung einleiten können. Zusätzlich konnte in einer anderen Familiengruppe der Immunzellen, den natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) eine gesteigerte Stimulierbarkeit beobachtet werden. Jene Zellen sind für das Abtöten von Krankheitserregern von besonderer Bedeutung und sind demnach ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.
Die positiven Effekte auf das Immunsystem können jedoch nur bei Gesunden beobachtet werden. Es muss hingegen von einerVerschlechterung (Exazerbation) der Krankheitsbeschwerden ausgegangen werden, wenn bei einer akuten Infektionserkrankung ein Saunagang erfolgt.[2]
Ein Beispiel für eine solche Infektionskrankheit ist die Grippe. Hierbei handelt es sich um eine durch das Influenza-Virus verursachte Erkrankung, welche durch einen plötzlichen Beginn der Krankheitsbeschwerden, wie hohes Fieber, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, sowie ein starkes Krankheitsgefühl charakterisiert ist. Die Symptomatik ist bei der echten Grippe, auch Influenza genannt, viel schwerer ausgeprägt, als bei einem grippalen Infekt, der auch als Erkältung bezeichnet wird. Beide Erkrankungen werden durch Tröpfcheninfektion verbreitet, weshalb schon allein der Gang in die Sauna unterlassen werden sollte. Die Ansteckungsgefahr ist in dieser Umgebung besonders hoch, da Wärme und Feuchtigkeit die Erregerübertragung fördern. Der enge Kontakt zu anderen Saunagästen fördert die Verbreitung der Viruspartikel (Aerosole) zusätzlich, die über die kurze Distanz leicht über die Schleimhäute anderer Personen aufgenommen werden können. Da besonders bei der echten Grippe körperliche Schonung zur Genesung eine Grundvoraussetzung darstellt, um Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) oder Lungenentzündungen (Pneumonie) zu verhindern, sollte prinzipiell jegliche körperliche Belastung, wie Saunieren oder auch Sport vermieden werden.[3]
Unabhängig von der Art der Infektionskrankheit stellt ein Saunabesuch bei Erkrankung ein zusätzliches Risiko für einen komplizierten Krankheitsverlauf dar. Dies ist darin begründet, dass bis zu zwei Tage nach dem Saunieren die Zellzahl spezieller weißer Blutkörperchen (Granulozyten) verringert ist. Diese sind im Rahmen der Abwehr von Infekten zur Abtötung und Elimination des Krankheitserregers von großer Bedeutung.[2]

Zu beachten

Eine Infektion mit dem Influenza-Virus ist eine ernstzunehmende Erkrankung, welche bei sehr schweren Krankheitsverläufen auch tödlich (letal) ausgehen kann. Besonders Risikogruppen sind von einem komplizierten Verlauf betroffen. Hierzu gehören:

  • Personen > 65 Jahre
  • Kinder
  • Schwangere
  • Personen mit beeinträchtigtem (supprimiertem) Immunsystem
    – HIV-Infizierte
    – Personen, die mit immunsupprimierenden Medikamenten (bspw. Chemotherapeutika) therapiert werden
    – Personen mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen

Bei Personen aus der Risikogruppe sollte bei Verdacht auf Virusgrippe ein Arzt aufgesucht werden, um eine medikamentöse Therapie schnellstmöglich einleiten zu können. Davon abgesehen wird eine Prophylaxe durch eine Impfung empfohlen.[3]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe