Grippe: Im Alltag

Sport nach Grippe

© PantherMedia / Warren Goldswain

Das Krankheitsbild der Grippe (Influenza) wird durch das Influenza-Virus verursacht und geht mit einem vor allem plötzlich einsetzenden und schweren Krankheitsverlauf einher. Sie ist als echte Grippe von einem grippalen Infekt, auch Erkältungskrankheit genannt, anhand ihrer stark ausgeprägten Symptomatik leicht zu unterscheiden. Um eine solche Krankheit vollständig auskurieren zu können und Komplikationen zu verhindern, bedarf es viel Ruhe und körperliche Schonung, weshalb auf Sport nach Grippe unbedingt verzichtet werden sollte. Im Folgenden soll auf das Krankheitsbild Influenza im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung genauer eingegangen werden, wobei medizinische Fakten, der biologische Zusammenhang und zu beachtende Informationen im Detail erläutert werden.

Medizinische Fakten

Das Influenza-Virus, auch Grippe-Virus genannt, lässt sich in die drei Gruppen A, B und C unterteilen, wobei das Influenza-A-Virus, wiederum in Unterklassen gegliedert wird, welche anhand von Oberflächenproteinen mit den Buchstaben H für das Protein Hämagglutinin (H1-H6), sowie N für Neuraminidase (N1-N9) gekennzeichnet werden (Bsp. H1N1). Das Virus kann sowohl beim Menschen, als auch anderen Säugern, wie Schweinen, vorkommen und dort zu einer Virusgrippe führen. Bei dem Influenza-Virus handelt es sich um einen hoch infektiösen Erreger, welcher durch Tröpfcheninfektion innerhalb geringer Distanzen leicht übertragbar ist. Nach Infektion mit dem Virus treten nach zwei bis fünf Tagen (Inkubationszeit) typischerweise sehr plötzlich folgende Symptome auf:

  • Kopfschmerzen (Cephalgien)
  • Hohes Fieber, teilweise über 40°C
  • Schüttelfrost
  • Trockener Husten
  • Muskelschmerzen (Myalgien)
  • Übelkeit (Emesis)
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • Asthenie (Kraftlosigkeit)
  • Starkes Krankheitsgefühl

Bei erkrankten Kindern kann es zusätzlich zu Fieberkrämpfen kommen.[1]
Die Krankheitsdauer liegt meist bei fünf bis sieben Tagen, wobei in seltenen Fällen schwere Verläufe mit Komplikationen auftreten können. Hierzu zählen vor allem:

  • Die Lunge betreffend (pulmonale Komplikationen):
    – Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Das Herz betreffend (kardiale Komplikationen):
    – Herzmuskelentzündung (Myokardititis)
  • Die Muskulatur betreffend (myopathische Komplikationen):
    – Auflösung der Muskulatur (Rhabdomyolose)
  • Das Gehirn betreffend (zerebrale Komplikationen):
    – Entzündung des Hirngewebes (Enzephalitis)[2]

Bei einem schweren Krankheitsverlauf kann die Influenza-Grippe tödlich (letal) verlaufen. Um eine vollständige Genesung zu erreichen, ist vor allem körperliche Schonung, sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr essenziell. Daher sollte Sport vor allem während aber auch nach der Erkrankung vermieden werden. Experten empfehlen hierbei pro Tag Fieber über 38°C eine Woche auf Sport nach Grippe zu verzichten, um die oben genannten Komplikationen zu verhindern. Erst danach darf wieder langsam mit körperlicher Belastung begonnen werden.[3] Grund hierfür ist, dass selbst schon bei einer banalen Erkältung der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden kann, in dem der Erreger die Herzzellen (Kardiomyozyten) befällt. Die dadurch entstehende Herzmuskelentzündung (Myokarditis) wird oft nicht bemerkt, jedoch ist genau bei Vorhandensein dieser eine körperliche Schonung essenziell, um eine weitere Schädigung des Herzens zu verhindern. Schlimmstenfalls droht der plötzliche Herztod bei Überlastung, weshalb unbedingt bei jeglichen Erkältungssymptomen, sowie auch im Anschluss an die Genesung absolute körperliche Ruhe angezeigt ist. Um alle Risiken zu vermeiden sollte daher ein Sportverzicht von sogar drei Monaten eingehalten werden, um dem Herzen im Falle einer Myokarditis genügend Zeit zur Regeneration geben zu können.[4]

Biologischer Zusammenhang

Das hochinfektiöse Virus wird vor allem über den Luftweg in Form kleiner Viruspartikel (Aerosole) übertragen. Diese Art der Tröpfcheninfektion wird dabei durch Niesen oder Husten verursacht, wodurch die Aerosole in die Luft abgegeben werden. Treten die Aerosole hierdurch in Kontakt mit den im Nasen- und Mundraum befindenden Schleimhäuten einer weiteren Person, kommt es zur Kontamination mit dem Virus. Eine Infektion ist auch über die Inhalation der Aerosole mit der Einatemluft möglich. Dringt das Virus in den Körper ein, werden spezifische Immunzellen (T-Lymphozyten) aktiviert, die sich auf die Abwehr genau dieses Virussubtypen spezialisieren. Die Produktion jener spezialisierten T-Lymphozyten dauert in der Regel ein bis zwei Tage, ist jedoch von großem Nutzen, da eine anschließende Infektion mit dem gleichen Virussubtypen eine sofortige Immunabwehr sicherstellt. Zusätzlich werden im Verlauf spezifische Antikörper gegen das Virus gebildet, die eine lebenslange Immunität gegen den gleichen Virussubtypen gewährleisten.[5]

Die Abwehrreaktion des Körpers beansprucht diesen stark, so dass zusätzliche körperliche Belastung durch Ausschüttung von Stresshormonen eine Genesung verzögert oder sogar verhindert. Das Immunsystem ist dann nicht mehr in der Lage den Erreger vollständig zu eliminieren, so dass das Virus im Körper weiter persistieren kann. Das Influenzavirus hat dadurch die Möglichkeit sich weiter auszubreiten und in diesem Zusammenhang beispielsweise das Herz zu befallen. Dringt das Virus in die Kardiomyozyten ein, werden spezifische Proteine (Proteasen) vom Virus freigesetzt, welche die Herzzellen auflösen (lysieren), was zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) führt. Wird in diesem Krankheitsstadium das Herz weiterhin übermäßig belastet, zum Beispiel durch Sport, schafft es das Immunsystem nicht den Erreger abzutöten, wodurch es zu progredienten Herzmuskelschädigung kommt, die zu einer Funktionsunfähigkeit (Herzinsuffizienz) oder sogar zum vollständigen Funktionsverlust (plötzlicher Herztod) führen kann.[6]
Aus diesem Grund ist Sport in jedem Fall bei und nach Grippe zu vermeiden. Prinzipiell sollte bei jeder fieberhaften Erkrankung eine ausreichende Schonung des Körpers eingehalten werden, um Folgeschäden, sowie einen schweren Krankheitsverlauf zu vermeiden.

Interessanterweise ist jedoch Sport als Präventionsmaßnahme für Infektionskrankheiten bestens geeignet. Körperliche Bewegung steigert nämlich den Transport von Lymphflüssigkeit. In dieser bewegen sich die Immunzellen durch den Körper und gelangen so zu den Lymphknoten, der Schaltstation des Immunsystems. Darüber hinaus wird die Produktion von Immunzellen durch körperliche Bewegung gesteigert, sowie auch die Produktion von Botenstoffen (Entzündungsmediatoren, wie Zytokinen). Hierbei sollte auf eine regelmäßige, moderate Bewegung geachtet werden, da körperliche Verausgabung wiederum zur Ausschüttung von Stresshormonen, wie Cortisol, führt, was dem Körper eher schadet und somit der schützenden (protektiven) Funktion von Sport entgegenwirkt.[7]

Zu beachten

Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Influenza-Virus sollte schnellst möglich ein Arzt aufgesucht werden, um bei Bedarf eine medikamentöse Therapie einleiten zu können, sowie schwere Verläufe rechtzeitig erkennen zu können. Aufgrund der schnellen Ausbreitung des Virus ist eine Isolation des Erkrankten zu gewährleisten. Besonders gefährdet für komplizierte Krankheitsverläufe sind ältere Menschen über 65 Jahre, Kinder, Schwangere, sowie Menschen mit unterdrücktem Immunsystem (immunsupprimierte Personen). Diesen wird als besonders wirksame Präventionsmaßnahme eine Grippeschutzimpfung empfohlen.[1]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe