Erkältung: Ursachen

Erkältung durch Allergie?

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Eine Erkältung, auch grippaler Infekt genannt, wird meist durch Viren verursacht und manifestiert sich klassischerweise mit Schnupfen, Husten und allgemeinem Krankheitsgefühl. Ganz ähnliche Symptome werden auch bei Allergien beobachtet, sodass eine Differenzierung nicht immer leicht ist. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass beide Krankheitsbilder im Zusammenhang miteinander stehen, sodass durchaus Erkältungen und andere Infekte der Atemwege besonders häufig bei Allergikern zu finden sind.

Im folgenden Text soll sowohl auf das Krankheitsbild der Erkältung als auch der Allergie kurz eingegangen werden, wobei medizinische Fakten und der biologische Zusammenhang genauer betrachtet werden sollen.

Medizinische Fakten

Die Erkältung ist ein Krankheitsbild mit sehr hoher Prävalenz, wobei davon auszugehen ist, dass vor allem Schulkinder von der Erkältungskrankheit betroffen sind. Bei Erwachsenen ist von einer Erkrankungsrate von zwei bis fünf Erkältungen pro Jahr zu rechnen, wobei Kinder durchaus doppelt so häufig erkranken. Vorwiegend wird die Erkältungskrankheit durch eine virale Infektion bedingt, wobei vor allem Rhinoviren eine zentrale Rolle spielen. [1]

Typische Symptome hierbei sind:

  • Schnupfen (Rhinorrhö) mit anfangs glasigem und später gelb-grünlichem (purulenten) Nasensekret
  • Husten (Tussis)
  • Abgeschlagenheit
  • Halsschmerzen und Schluckbeschwerden (Dysphagien)
  • Kopfschmerzen (Cephalgien)
  • Muskelschmerzen (Myalgien)
  • Gelenkschmerzen (Athralgien)
  • selten Fieber[2]

Klassischerweise sind die Beschwerden innerhalb weniger Tage vollständig rückläufig. Allergien hingegen werden durch Stoffe (Allergene) verursacht, auf die das Immunsystem zu stark reagiert (Hyperreagibilität). Hierbei lösen vor allem Substanzen, die eingeatmet werden können (Inhalationsallergene, Aeroallergene), eine Immunreaktion aus, welche dem Erkrankungsbild der Erkältung ähneln können. Klassische Inhalationsallergene sind:

  • Hausstaubmilbe
  • Tierhaar
    – Katze
    – Hund
  • Baum- und Gräserpollen
    – Hasel
    – Erle
    – Birke
    – Roggen
    – Beifuß
    – Raps
  • Schimmelpilze [3]

Hierbei können verschiedene Verläufe der allergisch bedingten Atemwegserkrankungen auftreten, wobei zwischen allergischer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) und allergischem Asthma unterschieden werden muss. Natürlich können beide Erkrankungen auch simultan auftreten, wenn es im Rahmen der Immunreaktion zu einer entzündlichen Reizung sowohl der oberen, als auch unteren Atemwege kommt. Die klinische Rhinitis ist gekennzeichnet durch:

  • Schnupfen mit hellem, glasigen Nasensekret
  • Eine über längere Zeit behinderte Nasenatmung
  • Häufiges Niesen
  • Juckreiz in der Nase
  • Evtl. begleitende Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Die Auftrittshäufigkeit von Allergien (Prävalenz) nimmt stetig zu, sodass mittlerweile davon ausgegangen werden muss, dass bis zu 20% der Bevölkerung von der allergischen Rhinitis betroffen sind. Die Gründe für diesen Anstieg werden derzeit kontrovers diskutiert. Mögliche Ursachen sind unter anderem Passivrauchen oder auch genetische Veranlagungen. [4]

Das allergische Asthma weist, im Gegensatz zur allergischen Rhinitis, auf einen Entzündungsprozess in den tiefen Atemwegen hin. Hierbei treten meist folgende Symptome auf:

  • Brustenge, Beklemmungsgefühl
  • Husten mit glasigem Auswurf
  • Ggf. pfeifendes Atemgeräusch bei der Ausatmung (exspiratorisches Giemen)
  • Atemnot (Dyspnoe) [2]

Biologischer Zusammenhang

Vor allem im Rahmen der asthmatischen Erkrankung kann es zu einer vermehrten Infektanfälligkeit kommen. Grund hierfür sind Umbauprozesse im Epithel der Atemwege, welche durch die Entzündungsreaktion beim Asthma hervorgerufen werden. Ausgelöst wird jene überschießende Immunreaktion durch den Kontakt zwischen dem Allergen und einer Immunzelle (z.B. dendritische Zelle), welche sich im Epithel der Atemwege befindet. Die dendritische Zelle nimmt hierauf hin das Allergen auf und zerteilt es in seine Einzelteile (Phagozytose).

Anschließend werden kleine Bruchstücke (Peptidfragmente) des Allergens auf der Oberfläche der dendritischen Zelle präsentiert, um weitere Immunzellen davon in Kenntnis zu setzen. Mobile Immunzellen (T-Lymphozyten) binden sich an jene Oberflächenfragmente und werden dadurch aktiviert. Dies hat sowohl eine Zellzunahme (Proliferation) der T-Lymphozyten zur Folge als auch das Ausschütten von Entzündungsmediatoren (z.B. Zytokine und Chemokine), welche den Entzündungsprozess auslösen bzw. aufrechterhalten. Zusätzlich werden weitere Entzündungsmediatoren aus sogenannten aktivierten Mastzellen freigesetzt. Diese sezernieren vor allem Histamin, welches für die allergische Sofortreaktion verantwortlich ist. Durch eine explosive Histaminfreisetzung kommt es zu den typischen Kardinalsymptomen der Entzündung im Gewebe:

  • Rötung (Rubor)
  • Schmerz (Dolor)
  • Überwärmung (Calor)
  • Schwellung (Tumor)

Erst zwei bis vier Stunden nach Allergenkontakt finden sich weitere Immunzellen im entzündlichen Gewebe ein. Hierzu zählen vor allem eosinophile Granulozyten, welche für eine andauernde Entzündungsreaktion verantwortlich sind. Sie lösen im Zusammenspiel mit den anderen Entzündungszellen einen Umbauprozess im Epithel aus. Dieser ist gekennzeichnet durch eine Abnahme an Flimmerepithelzellen, welche mit ihren kleinen Härchen für die Reinigung der Atemwege sorgen. Dies geschieht wiederum in dem sie mit gezielten Bewegungen der Flimmerhärchen Zellabfallprodukte und Schadstoffe aus dem Respirationstrakt herausbefördern.

Die Zerstörung des Epithels führt zu einer eingeschränkten Barriere, was das Eintreten von Infektionserregern erleichtert. Zudem sind die Reinigungsmechanismen der Atemwege durch das verminderte Flimmerepithel gehemmt, was wiederum die Entstehung von respiratorischen Infekten begünstigt.[5]

Zu beachten

Bei vorbestehenden allergischen Erkrankungen kann ein Infekt zu einer drastischen Verschlimmerung der Beschwerden führen (akute Exazerbation), welche unter Umständen mit schwerwiegender Atemnot einhergehen kann.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung