Erkältung: Ursachen

Erkältung durch Schwangerschaft

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Erkältungen und grippale Infekte umfassen das Auftreten einer akuten Infektion der Nasenschleimhäute und möglicherweise der Nasen-Nebenhöhlen, Hals oder Bronchien. Diese Bereiche können entweder einzeln, oder bei einer schweren Erkältung, gemeinsam betroffen sein. Eine derartige Infektion wird primär von Viren verursacht, aber auch seltener von Bakterien. In schweren Fällen kann es zusätzlich zu einer Sekundärinfektion kommen, die von Bakterien verursacht werden kann. In diesem Fall spricht man dann von einer bakteriellen Superinfektion. Im Falle einer unzureichenden Immunantwort, kann diese Superinfektion auch durch den selben Erreger der Erstinfektion- also primär Viren- ausgelöst werden. [1]

Generell kann jede Person an einer viralen oder bakteriellen Infektion erkranken. Dennoch gibt es Risikogruppen, die ein erhöhtes Risiko haben eine Erkältung zu bekommen. Zu diesen Risikogruppen zählen u. a. ältere Menschen, Personen mit bestehenden Grunderkrankungen, Schwangere und Kinder, die wegen ihres „schwächeren“ Immunsystems für Erreger anfälliger sind. [2][3] Eine häufige Annahme ist, dass werdende Mütter anfälliger für Viren und Bakterien sind, da sie ein temporär geschwächtes Immunsystem haben, um ihr Baby zu schützen. Neueste Studien zeigen aber, dass man diese Hypothese nicht pauschalisieren kann. Im Folgenden wird auf diese Fragestellung eingegangen, aber auch auf Schwangerschaftskomplikationen durch Erkältung, Prophylaxe und Therapie.

Medizinische Fakten

Es wurde kontrovers diskutiert, ob das Immunsystem der werdenden Mutter während der Schwangerschaft unterdrückt (supprimiert) ist oder ob es lediglich beeinflusst (moduliert) wird. Einige Studien zeigen verschiedene Faktoren auf, die eine Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppression) einleiten, wie z. B. Progesteron und Östrogen. Diese beiden Hormone sind v. a. in der Schwangerschaft erhöht und sind daher als natürliche Unterdrücker des Immunsystems (Immunsuppressoren) beschrieben. Östrogen und Progesteron werden deshalb unter anderem als Auslöser des Schwangerschaftsschnupfens (Schwangerschaftsrhinitis) beschrieben. Dies unterstützt die Hypothese, dass das Immunsystem während der Schwangerschaft supprimiert ist. Es sollte jedoch zwischen dem „normalen“ Schnupfen, der z. B. durch eine Erkältung ausgelöst werden kann und dem Schwangerschaftsschnupfen unterschieden werden. An diesem erkranken ca. 30 % aller Schwangeren auf Grund des veränderten Hormonhaushaltes. Im Unterschied zum Erkältungsschnupfen, fehlen bei dem Schwangerschaftsschnupfen typische Erkältungssymptome wie beispielsweise Hals- und Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Husten oder erhöhte Körpertemperatur. Die Ursachen für den Schwangerschaftsschnupfen sind bisher noch nicht vollkommen geklärt. Es wird aber vermutet, dass vor allem der erhöhte Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen während der Schwangerschaft für den Schwangerschaftsschnupfen verantwortlich ist. Neben den zahlreichen Wirkungen im gesamten Körper, koordinieren die erhöhten Östrogenspiegel während der Schwangerschaft das Wachstum und die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut und Plazenta. Der durchblutungsfördernde Effekt des Östrogens könnte für das Anschwellen der Nasenschleimhäute während der Schwangerschaft zumindest mitverantwortlich sein und die Produktion von Nasensekret ebenfalls erhöhen. [4]

Allerdings gibt es einige evolutionsbiologische Faktoren, die gegen diese Hypothese sprechen. Denn Schwangerschaft ist essentiell für die „Vermehrung“ der Menschheit und deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, mit allen Mitteln die Mutter und ihre Nachkommen zu schützen. Der natürliche, körpereigene Schutz der Mutter ist ihr Immunsystem, das sie und den Fötus vor Erregern schützt, die Erkältungen und andere Infektionserkrankungen hervorrufen. Erstaunlicherweise modifiziert das aktiv entwickelnde Immunsystem des Fötus die körpereigene Immunantwort der Mutter auf äußere Umwelteinflüsse, wie z. B. Erreger. Der Fötus ist an dem Implantationsort – der Ort (bei einer normalen Schwangerschaft in der Gebärmutterschleimhaut), an dem sich der Fötus einnistet – von zahlreichen Immunzellen umgeben. Immunzellen sind die Wächter des Körpers, die „fremde“ Erreger erkennen und diese abtöten. Im Implantationsort sind die Immunzellen versammelt, um den Fötus zu beschützen. Deshalb ist das Immunsystem an dem Einnistungsort nicht supprimiert, im Gegenteil, es ist dort sehr aktiv und für Schutz zuständig. [3]

Die oben genannte Hypothese kann deshalb nicht vollständig bestätigt werden, da das Immunsystem der Mutter während der Schwangerschaft weniger supprimiert wird, sondern vielmehr beeinflusst wird, was aber trotzdem zu einer erhöhten Erkältungsrate führt.

Biologischer Zusammenhang

Die meisten viralen Infektionen bei Schwangeren verursachen keine fötale Infektion. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Plazenta eine wichtige Rolle als Immunregulator spielt. Die Plazenta ist eine Art Barriere, die den Schutz des Fötus vor einer systemischen Infektion anstrebt. Viren, die trotzdem über die Plazenta zum Fötus gelangen, können Missgeburten oder angeborene bzw. später auftretende geringgradige Fehlentwicklungen oder Entwicklungsstörung von Organen (Anomalie), hervorrufen. Dies ist aber nur der Fall, wenn eine besonders starke Erkältung oder eine andere Infektionserkrankung vorliegt, die das körpereigene Immunsystem nicht abwehren kann. Obwohl virale Infektionen während einer Schwangerschaft sehr häufig sind, ist wie oben beschrieben, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Viren über die Plazenta zum Fötus gelangen, eher eine Ausnahme. Dennoch, auch wenn Viren nicht über die Plazenta zum Fötus gelangen, kann der Fötus beeinträchtigt werden. [5] Bei einer viralen Infektion der Plazenta werden entzündungsfördernde (proinflammatorische) Botenstoffe (Interleukine) ausgeschüttet, die das mütterliche Immunsystem überaktivieren und folglich kann die Plazenta beschädigt werden, ohne dass die Viren über die Plazenta zum Fötus gelangen. Eine mögliche Folge könnte eine Früh-, Fehlgeburt sein. Wenn aber nur eine milde, entzündliche Immunantwort auf eine Plazentainfektion folgt, so führt das höchstwahrscheinlich nicht zum Abbruch der Schwangerschaft, aber es kommt zur Aktivierung des mütterlichen und fötalen Immunsystems. Diese Aktivierung hat einige Konsequenzen. Zum Ersten: Sensibilisierung der Mutter gegen andere Mikroorganismen, d. h. das Risiko für andere bzw. weitere Infektionen ist dann bei den betroffenen Schwangeren erhöht. Und zweitens, kommt es zu einer entzündlichen Immunantwort im Fötus, obwohl gar keine Viren über die Plazenta wandern. [3]

Dennoch muss zusammengefasst werden, dass es bei einer normalen Schwangerschaftserkältung unwahrscheinlich ist, dass eine derart starke Immunreaktion ausgelöst wird, die den Fötus beeinträchtigen könnte. Da dies aber nicht komplett ausgeschlossen werden kann, sollte man Erkältungen prophylaktisch vorbeugen bzw. bei bestehender Erkältung einen Arzt aufsuchen. 

Zu beachten

Generell gibt es keinen Weg, um einer Erkältungen und einem grippalen Infekt perfekt vorzubeugen. Die meisten prophylaktischen Maßnahmen verfolgen das Ziel, das mütterliche Immunsystem zu stärken. Hierzu zählen Vitamine (v. a. Vitamin C) und Mineralien, die über eine ausgewogene, reichhaltige Ernährung in ausreichendem Maße aufgenommen werden. Empfohlen werden ebenfalls verschiedene Kräuter- und Früchtetees sowie frisch gepresste, vitaminreiche Fruchtsäfte. Auf Zucker sollte verzichtet werden, da dieser als optimaler Nährboden für unerwünschte Keime dient. Ein weiterer wichtiger Punkt, der das Immunsystem schwächt, ist Stress. Deshalb sollte die werdende Mutter darauf achten, so viel wie möglich zu schlafen und sich genügend Ruhepausen zu gönnen. Ebenfalls sollte während der Schwangerschaft auf keinen Fall geraucht werden, denn dies kann nicht nur beim Baby zu Missbildungen führen, sondern schwächt auch das mütterliche Immunsystem durch Bildung reaktiver Sauerstoffspezies. [6] Reaktive Sauerstoffspezies sind ungewollte, schädliche Verbindungen, die im Körper Schäden an Proteinen, Fetten und der Erbinformation (Desoxyribonucleinsäure, DNS) verursachen können.

Welche Therapiemaßnahmen sind in der Schwangerschaft zu verantworten? Immer wiederkehrende Erkältungen in der Schwangerschaft können nach Rücksprache mit einem Arzt u. a. sehr gut mit homöopathischen Mittlen wie mit Allium cepa (Küchenzwiebel), Gelsemium sempervirens (gelber Jasmin), Hydrastis (Goldsiegelwurzel), Luffa operculata (getrocknete Kürbisfrucht), Pulsatilla pratensis (Küchenschelle) behandelt werden. [7]

Es gibt aber auch sehr gute Hausmittel und unbedenkliche Medikamente, die bei Schwangerschaftserkältungen eingesetzt werden. Diese wirken den typischen Erkältungssymptomen wie Schmerzen, Fieber, Schnupfen und Übelkeit entgegen. Ein bekanntes Hausmittel gegen Schnupfen ist beispielsweise die Inhalation, das zur Abschwellung der Nasenschleimhäute führt und wieder eine freie Nasenatmung erzielt. Die im Folgenden beschriebenen Medikamente sind „Over The Counter (OTC)“ Präparate. Diese Medikamente können ohne Rezept vom Arzt in der Apotheke gekauft werden. Dennoch sollte man vor einem Medikamentenkauf immer den behandelnden Arzt konsultieren.

Ungefähr 15 % der schwangeren Frauen nehmen während der Schwangerschaft Antihistaminika gegen Schwangerschaftsrhinitis ein, aber auch bei Übelkeit. Antihistaminika stellen vermutlich in keinem Trimester ein erhöhtes Risiko für den Fötus dar. Die erste-Generation-Antihistaminika wie Chlorpheniramine, welche in dem Paper von Servey et al. beschrieben wurden, scheinen kein deutliches (signifikantes) Risiko von fetalen Missbildungen hervorzurufen und deshalb wurden diese Medikamente als sicher angesehen. Es gibt einige laufende Studien über die zweite-Generation Antihistaminika, welche größtenteils wahrscheinlich ebenfalls kein erhöhtes fetales Risiko darstellen. Trotzdem ist Chlorpheniramine immer das Medikament erster Wahl. Anstelle dieser Medikamente ist zunächst die Verwendung von gewöhnlichen Hausmitteln empfohlen.

Kommen zu einer Erkältung noch Schmerzen und Fieber hinzu, nehmen mindestens 2 von 3 Frauen während der Schwangerschaft ein Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetoaminophen ein, 50 % der Frauen während des ersten Trimesters. Acetoaminophen ist besser bekannt unter dem Namen Paracetamol. Solange Acetoaminophen als Einzeldosis eingenommen wird, besteht in keinem der Trimester ein erhöhtes Risiko für das Kind, weshalb es als sichere Anwendung in der Schwangerschaft beschrieben wird. [8]

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass durch Viren oder Bakterien ausgelöste Erkältungen in der Schwangerschaft häufiger auftreten, da das mütterliche Immunsystem in dieser Zeitperiode geschwächt ist. Zum Schutz des Kindes wird Schwangeren von Selbstmedikation abgeraten. Alle Medikamente sollten immer zuerst mit dem Arzt abgeklärt werden.  


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung