Erkältung: Ursachen

Erkältung durch Nasse Haare?

© PantherMedia / Werner Heiber

Der Begriff „Erkältung“ impliziert, dass die Erkankung durch Unterkühlung in der kalten Jahreszeit hervorgerufen wird. Auch das Verlassen das Hauses mit nassen Haaren wird von Vielen als Ursache für eine Erkrankung der Atemwege angesehen.

Im Folgenden sollen medizinische Fakten, biologische Zusammenhänge und Risiken der Auswirkung von Kälte auf Atemwegsinfekte besprochen werden.

Medizinische Fakten

Der Begriff Erkältung ist in der Medizin eine nicht scharf abgegrenzte Bezeichnung für einen grippalen Atemwegsinfekt. Jemand der erkältet oder verkühlt ist, leidet meist unter [1]

  • Schnupfen mit behinderter Nasenatmung und Niesen
  • Halsschmerzen, Halskratzen
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit
  • Husten, Schluckbeschwerden
  • Kopf- und Ohrenschmerzen

Diese Symptome werden durch Erreger hervorgerufen, die die ersten Immunbarrieren des Körpers überwunden haben und am dem Ort der Infektion durch Immunzellen bekämpft werden. Zu den mechanischen und physiologischen Barrieren, auf die die Erreger zunächst treffen, zählen zum Beispiel die Haut, Schleimhäute, Härchen, die kleinste Fremdkörper festhalten und abtransportieren können und ebenso Körpersekrete (Speichel, Trännenflüssigkeit, Magensäure und andere). Kälte kann nun verschiedene Auswirkungen auf diese Barrieren haben und das Eindringen von Krankheitserregern erleichtern.

Biologische Zusammenhänge

Ein direkter Zusammenhang zwischen Kälte und dem Auftreten von grippalen Infekten ist noch nicht nachgewiesen. Viele Studien zeigen jedoch, dass Kälte die Entstehung von Infekten begünstigen kann. Der Grund dafür ist, dass sich bei kälteren Temperaturen die Blutgefäße in den peripheren Körperregionen, also in den Akren (Zehen, Fingern) und auch in den Schleimhäuten der oberen Atemwege, wie der Nase, zusammenziehen (Vasokonstriktion). Durch die Vasokonstriktion der Gefäße in der Haut der Akren, gelangt weniger Blut in diese Regionen, wodurch ein großer Wärmeverlust verhindert werden soll.[2][3]

Nachteile dieses Zustandes sind jedoch, die Minderdurchblutung der Finger und Zehen, aber auch die der Schleimhäute, die hierdurch erkalten und mit weniger immunaktiven Blutzellen versorgt werden. Viren und Bakterien können so leichter die erste Immunbarriere des Körpers umgehen bzw. schon eingedrungene Erreger können nicht mehr effizient bekämpft werden.[4]

Eine weitere immunschwächende Auswirkung der Kälte auf die Atemwege ist die mögliche Verminderung des aktiven Abtransportes von Fremdpartikeln und Keimen. Die Atemwege sind zum Großteil von einem respiratorischen Flimmerepithel überzogen. Dieses enthält zum einen schleimproduzierende Becherzellen, zum anderen Zellen mit Flimmerhärchen (Kinozilien). Diese können durch aktive und Richtung Rachen koordinierte Bewegungen (Flimmerhärchenschlag) im Schleim sitzende Fremdkörper abtransportieren. Kälte wirkt hemmend auf diese aktive Bewegung. Der Flimmerstrom, der durch die Schläge verursacht wird, erlischt und Viren bzw. Bakterien können die Atemwege angreifen.[5]

Nun kühlen nasse Haare aber auch nasse Kleidung den Körper. Bei diesem Prinzip der Kühlung handelt es sich um den gleichen Ablauf wie beim Schwitzen. Die Flüssigkeit an der Oberfläche der Haut verdunstet zum Teil, das heißt das einige Teilchen aus der Flüssigkeit in Luft übergehen. Die Flüssigkeit kühlt daraufhin unter die Umgebungstemperatur ab und entzieht nun der Haut, der sie aufliegt die Wärme (Verdunstungskälte).[6]

Zu beachten

Zwar stehen akute grippale Erkrankungen der Atemwege nicht in direktem Zusammenhang mit Kälte, können sie aber durch Kälte gefördert werden. Wenn draußen ohnehin schon kalte Temperaturen herrschen, sollte deshalb darauf verzichtet werden mit nassen Haaren aus dem Haus zu gehen.

Nicht jede Erkältung benötigt eine ärztlichen Behandlung. Bei anhaltenden Erkältungen mit hohem Fieber (39°C), starken Schmerzen und großen Schluckbeschwerden sollte jedoch nicht auf den Arzt verzichtet werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung