Erkältung: Ursachen

Erkältung nach Grippe

© PantherMedia / Andriy Popov

Nach einer überstandenen Grippeinfektion ist das Immunsystem besonders anfällig für weitere Erkrankungen. Grippeviren beschädigen vor allem die oberste Schicht der Atemwege und schaffen so einen idealen Nährboden für Bakterien, die gefürchtete Superinfektionen auslösen können. Diese können tödlich verlaufen.

Was, wenn nach einer kurzfristigen Besserung der Grippe das Fieber wieder ansteigt und der Betroffene auch nach einigen Tagen nicht auf die Beine kommt? [1]

Medizinische Fakten

Grippeviren werden über die Luft per Tröpfcheninfektion übertragen und sind extrem ansteckend. Über die Atemwege bahnen sie sich ihren Weg in den menschlichen Körper. Die Immunabwehr verfügt über ein ausgeklügeltes System, das ihr erlaubt, die verschiedensten Krankheitserreger zu bekämpfen. Allerdings können Grippeviren bereits in der Lunge eine Stressreaktion auslösen, die es dem Körper beinahe unmöglich macht, auf eine folgende Infektion angemessen zu reagieren. [2] 

Daher kann nach einer überstandenen Grippe eine durch bakterielle Erreger hervorgerufene Erkältung hinzukommen. Besonders gefährdet sind vor allem Patienten, deren allgemeiner Gesundheitszustand bereits geschwächt ist. [3]

Biologischer Zusammenhang

Da Grippeviren bevorzugt die äußeren Zellen der Atemorgane befallen um sich zu vermehren, gibt es angeborene Abwehrmechanismen, die eine unkontrollierte Ausbreitung der Viren verhindern. Mit Hilfe von Gewebshormonen, den so genannten Interferonen, signalisiert eine infizierte Zelle dem Körper, dass sie von einem Mikroorganismus befallen ist. Sie versetzt die sie umgebenden Zellen in einen schützenden Zustand, in welchem Viren sie nicht befallen können. Allerdings bremsen Interferone auch das Zellwachstum, was für das Immunsystem besonders wichtig ist, um sich gegen Bakterien zu verteidigen. [4]

US-Amerikanische Forscher fanden anhand von Mäusen heraus, dass aufgrund des geschädigten Lungengewebes die Produktion des Stresshormons Cortisol anstieg, was wiederum eine adäquate Reaktion des Immunsystems auf die bakteriellen Erreger unterdrückte. Durch ihre schnelle und starke Vermehrung hinderten die Erreger das Immunsystem daran, wichtige Fresszellen zu bilden, die in der Abwehrreaktion eine zentrale Rolle spielen. Daher hatten die Erreger bei den Mäusen, die zuvor mit dem Grippevirus infiziert wurden, ein leichtes Spiel. [1] [3]

Überlebenswichtiges Stresshormon

Doch der Versuch, die Stressantwort der Mäuse zu unterdrücken, scheiterte. Cortisol wird zwar als Stressreaktion ausgeschüttet, verfügt jedoch auch über wichtige entzündungshemmende Eigenschaften. Folglich geriet die Entzündungsreaktion bei den Mäusen außer Kontrolle. Die meisten verstarben an den Folgen einer Lungenentzündung. Um bakterielle Infektionen zukünftig besser behandeln zu können, suchen die Forscher nach einem Ansatz, der die bakterielle Abwehrreaktion des Immunsystems stärkt und dabei gleichzeitig überschießenden Entzündungsreaktionen entgegenwirkt. [3]

Zu beachten

Im Gegensatz zu einer Erkältung beginnt eine Grippe plötzlich und wird häufig von zwei bis drei Tage andauerndem Fieber, Frösteln und einem starken Krankheitsgefühl begleitet. An das Auftreten einer bakteriellen Superinfektion sollte gedacht werden, wenn das Fieber nach ursprünglicher Besserung wieder ansteigt. [4]

Gefährdet sind vor allem Personen über 65 Jahre, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder oder Menschen, deren Immunsystem bereits durch chronische Krankheiten an Herz, Lunge, oder Nieren geschwächt ist. Diesen Risikogruppen wird eine Grundimmunisierung in Form einer Impfung zu Beginn des Winters empfohlen. Da bei der Impfstoffherstellung jedes Jahr die neusten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berücksichtigt werden, sollte eine jährliche Auffrischimpfung erfolgen, deren Zusammensetzung die sich ständig ändernden Virus-Suptypen einbezieht. Beim Vorliegen einer Hühnereiweißallergie können hühnereiweißfreie Impfstoffe verabreicht werden. [4] [2]


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung