Halsschmerzen: Im Alltag

Schmerzen im Hals (beim Essen)

© PantherMedia / Jonathan Ross

Halsschmerzen, die vor allem beim Essen auftreten, können eine Begleiterscheinung vieler unterschiedlicher Erkrankungen sein. Vor allem bei Entzündungen der Schleimhäute des Mund-Rachen-Raums sowie des Kehlkopfes führt der Schluckvorgang häufig zu Schmerzen. Auch Erkrankungen des Magens und der Speiseröhre sind keine seltene Ursache für Schluckbeschwerden.

Der folgende Artikel informiert über die häufigsten Ursachen für schluckabhängige Beschwerden und deren Behandlung, Risiken und die besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen.

Ursachen von Schmerzen im Hals beim Essen

Eine häufige Ursache für schluckabhängige Schmerzen ist eine Entzündung der Mandeln (Angina tonsillaris). Dabei handelt es sich um eine bakterielle Entzündung, die in den allermeisten Fällen durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A hervorgerufen wird. Zu Beginn der Erkrankung kommt es häufig zu hohem Fieber und starken Schluckbeschwerden, die unter Umständen ins Ohr ausstrahlen können. Oft sind die Halslymphknoten vergrößert und die Schwellung im Rachen verursacht eine kloßige Sprache [1].

Treten dazu eine starke Rötung der Zunge und ein Ausschlag auf, der am Oberkörper beginnt und den Bereich um den Mund ausspart, kann es sich um eine Scharlachangina handeln. Diese wird von den gleichen Bakterien verursacht, die auch für die Angina tonsillaris verantwortlich sind.
Zusätzlich bilden diese ein bestimmtes Toxin (Gift), wodurch sie besonders gefährlich sind [2].

Ein plötzlicher Beginn der Schluckbeschwerden mit Fieber, Hals- und Kopfschmerzen sowie den Beschwerden einer Erkältung und Husten kann einen Hinweis auf eine Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) sein. Diese wird häufig durch Viren hervorgerufen. Die Schleimhaut des Rachens ist gerötet und zusätzlich häufig belegt und die Lymphknoten unterhalb des Unterkiefers können geschwollen sein [3].

Auch eine bakterielle Entzündung des Kehlkopfeingangs(Epiglottitis) kann zu ausgeprägten Schluckbeschwerden führen. Dazu treten häufig hohes Fieber, ein lautes, pfeifendes Geräusch beim Einatmen und möglicherweise Atemnot auf. Es kann zu einer kloßigen Sprache kommen. Im Verlauf kann die Verlegung der Atemwege zu vermehrten Atemanstrengungen mit Einziehungen über der Drosselgrube und zwischen den Rippen kommen. Heiserkeit und Husten können fehlen. In schweren Fällen kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) oder zum Erstickungstod kommen [4].

Eine Reizung der Schleimhaut der Speiseröhre durch aufsteigende Magensäure (Refluxösophagitis) kann eine Entzündung des Kehlkopfes und damit Schluckbeschwerden verursachen. Begleitet wird diese häufig von schwer therapierbarer Heiserkeit und Husten. Zusätzlich kann ein Fremdkörpergefühl im Rachen, Brennen hinter dem Brustbein und vermehrtes Aufstoßen von Luft oder saurem Mageninhalt auftreten. Die Beschwerden verstärken sich häufig nach dem Essen und vor allem im Liegen [5].

Fremdkörper wie z. B. Fischgräten oder Knochensplitter können sich in die Schleimhaut des Mund-Rachen-Raums bohren und dort oft gut lokalisierbare schluckabhängige Schmerzen verursachen [6].

Bösartige Neubildungen des Kehlkopfes(Larynxkarzinom) können im Verlauf ebenfalls zu Schluckbeschwerden führen. Außerdem treten häufig ein Fremdkörpergefühl und ein Räusperzwang auf. Bei Fortschreiten der Erkrankung kann es zu atemabhängigen, pfeifenden Geräuschen, Atemnot und blutigem Auswurf beim Husten kommen. Erstes Symptom ist unter Umständen eine nicht therapierbare Heiserkeit [7].

Behandlung von Schmerzen im Hals beim Essen

Eine durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A ausgelöste Mandelentzündung sollte dringend antibiotisch behandelt werden. Mittel der Wahl ist Penicillin G. Bei Unverträglichkeit können auch Makrolid- oder Cephalosporin-Antibiotika verabreicht werden. Bei starken Schmerzen können Analgetika (schmerzstillende Medikamente) eingenommen [8]. In jedem Fall ist eine ärztliche Behandlung angezeigt. Außerdem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Vorsichtiges Gurgeln mit verdünntem Kamillenextrakt kann die entzündeten Schleimhäute beruhigen.

Die Behandlung der Scharlachangina entspricht der Behandlung der Mandelentzündung. Zusätzlich kann eine Mundpflege mit einem milden Desinfektionsmittel erfolgen [2].

Eine antibiotische Behandlung der Entzündung der Rachenschleimhaut ist selten angezeigt, da sie in den allermeisten Fällen viral bedingt ist. Hier sollte vor allem schmerzlindernde Maßnahmen ergriffen werden. Neben kalten Halswickeln sollte auch hier wieder auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, wobei milde Kräutertees beruhigend auf die gereizte Rachenschleimhaut wirken können [3]. Bei starken Schmerzen kann der Arzt Analgetika verschreiben.

Führt eine Refluxerkrankung zu einer Entzündung des Kehlkopfes, kann nur eine Behandlung der Grunderkrankung die Beschwerden beheben. Auslösende Faktoren sind vor allem Nikotin, Alkohol, säure- und kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee und Schokolade oder andere Süßspeisen. Ein weitgehender Verzicht auf diese Speisen und Getränke, vor allem am Abend, kann die Beschwerden lindern. Außerdem sollte auf große, fettreiche Mahlzeiten verzichtet werden. Stattdessen sollten mehrere kleinere und leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt verzehrt werden. Auch eine Gewichtsreduktion, lockere Kleidung und Schlafen mit erhöhtem Oberkörper können helfen. Sind diese Maßnahmen erfolglos, ist eine medikamentöse Therapie möglich, wobei Protonenpumpenhemmer das Mittel der Wahl sind. Sie hemmen die Sekretion der Magensäure [9].

Fremdkörper sollten aufgrund der Gefahr einer Infektion durch einen Arzt entfernt werden. Von eigenständigen Versuchen ist aufgrund der Verletzungsgefahr abzusehen.

Zur Behandlung einer Krebserkrankung des Kehlkopfes stehen operative, chemo- und strahlentherapeutische Verfahren zu Verfügung [10]. Die Entscheidung über die Therapie wird je nach Fortschritt der Erkrankung durch ein interdisziplinäres Ärzteteam getroffen. In jedem Fall ist die Behandlung in einer Klinik notwendig.

Zu beachten

Vor allem Kinder und Jugendliche sind gefährdet, an einer Mandelentzündung, einer Entzündung des Rachens oder des Kehldeckels zu erkranken. Ihr Immunsystem ist häufig noch nicht vollständig ausgereift, wodurch sie anfälliger für viele Infektionserkrankungen sind. Aber auch Menschen in sozialen Berufen, alte Menschen und Menschen mit schweren Vorerkrankungen können betroffen sein.

Die Refluxerkrankung ist in den westlichen Industrienationen aufgrund von Überernährung und Genussmittelkonsum sehr häufig. Bis zu 20% der Bevölkerung sind erkrankt [11].

Bösartige Neubildungen des Kehlkopfes sind in 90–95% der Fälle Plattenepithelkarzinome und werden insbesondere durch Schadstoffe von außen verursacht. Neben Nikotin und hochprozentigen Spirituosen sind Schadstoffe wie Ruß, Teer und Nickel zu erwähnen. Auch eine chronische Entzündung des Kehlkopfes erhöht das Krebsrisiko [12].

Treten neben Schluckbeschwerden auch Fieber, Atemnot oder blutiger Auswurf auf, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Eine über zwei bis drei Wochen bestehende Heiserkeit sollte ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.

Wird eine Mandelentzündung nicht konsequent antibiotisch behandelt, kann es im Verlauf zu einem rheumatischen Fieber kommen. Dieses kann unter Umständen zu einer Entzündung der Gelenke (Arthritis), des Herzens (Endo-, Myo-, Perikarditis) oder der Nieren (Glomerulonephritis) führen und damit schwere Folgeerkrankungen auslösen [2][13].

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Bewegung und der Vermeidung von Stress sowie der Verzicht auf Nikotin und allzu häufigen Alkoholkonsum stärken das Immunsystem und können helfen, die beschriebenen Erkrankungen zu verhindern.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen