Halsschmerzen: Im Alltag

Sport bei Halsschmerzen u. Schnupfen

© PantherMedia / TONO BALAGUER

Die Nase läuft, der Hals kratzt und langsam fühlt man sich rundum unwohl. Diese Zeichen eines meist durch Viren verursachten grippalen Infekts spüren Erwachsen zwei bis dreimal im Jahr und Kinder sogar fünfmal im Jahr. [1] Neben Hausmitteln wie Honig, Zwiebelsaft oder Kräutertees soll auch Sport das Immunsystem stärken. Doch sollte Sport bei Schnupfen und Halsschmelzen betrieben werden oder ist eine Woche im Bett zu bevorzugen? Der nachfolgende Text soll Informationen über Sport bei Halsschmerzen und Schnupfen vermitteln und ein kleine Entscheidungshilfe darstellen.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen machen über 10 % der hausärztlichen Beratungsanlässe im Jahr aus und entstehen meist durch eine Entzündung des Rachens (Pharyngitis).[1-2]  Diese Entzündung ist in50-80 % durch Viren bedingt, am häufigsten durch Rhinoviren. [3] Doch auch Bakterien wie zum Beispiel Streptokokken können bei einigen Patienten nachgewiesen werden. [3] Diese befinden sich allerdings auch im Rachen gesunder Menschen, ohne krank zu machen.[2] Im Mittel dauernHalsschmerzen etwa 3,5-5 Tage an und verschwinden dann von alleine wieder. [3] Auch beimSchnupfen (Rhinitis) kommt es zu einer Entzündung der Schleimhaut, die die beiden Nasenhöhlen auskleidet. [4] Auch hier stellen Viren und Bakterien eine häufige Ursache der Infektion da. Aber auch Pilze, starke Temperaturwechsel oder Stress können eine laufende Nase bedingen. [4] Ein akuter Schnupfen ist in der Regel auch nach etwa einer Woche wieder verschwunden. Einige Hausmittel wie zum Beispiel Inhalieren oder Wärme können dabei Linderung verschaffen. [4] Übertragen werden grippale Infekte meist durch den Handkontakt von Personen, weshalb ein einfaches Händewaschen die beste Präventionsmethode darstellt.[1]

Über 30 % der Sportler trainieren auch bei Husten und Schnupfen und sogar 60 % helfen sich dabei mit Arzneimitteln.[5] Viele Sportler wollen also auch während eines grippalen Infektes nicht auf ihr tägliches Sportprogramm verzichten. Auch Studien konnten zeigen, dass eine tägliche sportliche Betätigung von 30 Minuten das Risiko eines grippalen Infektes um 27 % senken kann. [6] Allerdings konnten  diese positiven Effekte eher bei einer moderaten körperlichen Belastung festgestellt werden.[7] Bei einer sehr starken Beanspruchung des Körpers kommt es eher zu einer negativen Wirkung auf das Immunsystem und damit verbunden auch einer größeren Anfälligkeit für grippale Infekte. [8] Da das Immunsystem im Falle eines grippalen Infektes ohnehin schon stark beansprucht ist, wird nicht empfohlen, Sport zu treiben. [9] Handelt es sich allerdings nur um einen leichten Schnupfen kann ein trainierter Sportler auch weiterhin sein Training fortsetzten. Durch den Sport kommt es zu einer Steigerung der Durchblutung und somit auch zu einer Linderung des Schnupfens. [10]

Biologischer Zusammenhang

Das Immunsystem besteht aus einer Vielzahl von Zellen, wie zum Beispiel Zytokinen, die wesentlich an der Abwehr von Krankheiten beteiligt sind. [8] Zytokine sind vom menschlichen Körper gebildetete regulatorische Eiweiße (Peptine), die der Steuerung der Immunantwort dienen. Zu den Zytokinen gehören unter anderem Makrophagen und Lymphozyten.  [11] In zahlreichen Studien wurde der Einfluss sportlicher Betätigung auf das Immunsystem untersucht, wobei verschiedene Ergebnisse festgestellt werden konnten. [6, 12-13] Eine starke körperliche Anstrengung führt im Körper zu einem Anstieg der Entzündungswerte (Inflammationsmarker)wie zum Beispiel dem C-reaktiven-Protein (CRP). [8] Dieser Anstieg lässt sich über das Zytokin IL-6 erklären, welches zur vermehrten Bildung von CRP führt und  während einer Muskelbewegung (Kontraktion) beim Sport vermehrt ausgeschüttet wird. [8] Bei Marathonläufern konnte eine Reaktion des Immunsystems beobachtet werden, die ähnlich der Reaktion auf einer Verletzung ist. [8] Es kam zu einer akut Phase Reaktion, einer durch Zytokine vermittelte Allgemeinreaktion des Körpers, die sonst im Rahmen einer Entzündung auftritt. [8]

Eine geringe körperliche Aktivität hingegen soll das Immunsystem fördern und so für eineerhöhte Resistenz gegenüber Erkrankungen sorgen. [6-7] Eine Studie mit 115 Frauen konnte zeigen, dass eine moderate sportliche Aktivität von fünf mal 45 Minuten in der Woche über 12 Monate zu einer Reduktion der grippalen Infekte um etwa ein Drittel führt.[14] Weitere Studien konnten den positiven Effekt von moderater Bewegung auf den Alterungsprozess, Erkrankungen des Herz-Kreislauf Systems oder akute virale Infektionen (z. B. AIDS) darstellen. [8]

Insgesamt kommt es also auf die Sportart und den Trainingszustand, sowie die Schwere der Erkrankung an, ob Sport empfohlen werden kann oder nicht. Da es im Falle eines grippalen Infektes mit Schnupfen und Halsschmerzen aber ohnehin zu einer Aktivierung des Immunsystems kommt, sollte man es durch starke sportliche Aktivitäten nicht weiter beanspruchen. [9]

Zu beachten

Bevor das Training wieder aufgenommen wird, ist darauf zu achten, mindestens zwei Tage fieberfrei gewesen zu sein. [15] Besser ist es, bis zu eine Woche auf das Training zu verzichten. [9] Ratsam ist es auch, das Training langsam wieder aufzunehmen, da es bei einer Überbelastung schnell zu einem Rückfall kommen kann. [15] Zunächst ist es oft hilfreich auf Ausdauersport zu setzten, bevor man wieder mit der vollen Belastung beginnt. Durch Sport können außerdem die Viren im Körper schneller transportiert werden und es kann im schlimmsten Fall zu einerHerzmuskelentzündung  (Myokarditis) kommen. [9] Es ist außerdem wichtig, bei extremen Außentemperaturen auf Sport zu verzichten, oder die Belastung anzupassen, da der Körper dann ohnehin vermehrt beansprucht wird. [9]

Eine individuelle Abschätzung der Belastbarkeit ist im Falle eines leichten grippalen Infekts wichtig. Fühlt man sich bei einem Spaziergang wohl, so ist dieser durchaus zu empfehlen. Auf starke Beanspruchung sollte allerdings verzichtet werden. Für Sportler, die für einen Wettkampf trainieren, ist es ratsam einen Arzt zu kontaktieren und sich über mögliche Belastungen zu informieren. Auch bei weiteren Symptomen wie zum Beispiel Fieber oder einem Anhalten der Symptome über einer Woche sollte ein Arzt aufgesucht werden. [9] Bei Fieber oder einer echten Grippe (Influenza) sollte ganz auf Sport verzichtet werden. [9] Hinter Symptomen wie Schnupfen oder Halsschmerzen können auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel  Allergien, eine Mandelentzündung  (Angina tonsillaris) oder Infektionen stecken. [1-2] Bei einer Veränderung oder einer Verschlechterung der Symptome ist es daher ratsam, einen Arzt aufzusuchen.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen