Grippe: Häufige Fragen

Was tun bei Grippe mit Fieber?

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Fieber kann sehr viele verschiedene Ursachen haben, im Rahmen einer Grippe ist es ein sehr oft auftretendes Symptom. Die Grippe kommt vor allem während der Wintermonate gehäuft vor und bedarf in der Regel keiner spezifischen Therapie, wenn kein Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Bei Risikogruppen oder kompliziertem Verlauf kann allerdings eine antivirale Behandlung angezeigt sein. Im Folgenden soll auf die medizinischen Fakten, den biologischen Zusammenhang und die Behandlung einer Grippe mit Fieber eingegangen werden.

Medizinische Fakten

Die Influenza oder auch „echte“ Grippe wird durch Influenzaviren der Typen A, B und C verursacht und tritt vor allem während der kalten Jahreszeit, häufig in Erkrankungswellen, auf. Während der Typ B nur Menschen infiziert, kann das Typ A Virus auch Tiere befallen und so immer wieder weltweite Infektionswellen (Pandemien) durch mutierte Varianten verursachen. Generell zeigen Infektionen vom Typ A am häufigsten schwere Verläufe, während Typ C zumeist sehr mild verläuft.

Influenzaviren besitzen auf Ihrer Oberfläche zwei charakteristische Proteine, die Neuraminidase (NA) und das Hämagglutinin (HA). Ein Influenza-Stamm wird je nach dem Typ seiner Oberflächenproteine klassifiziert, wie beispielsweise H5N1 für die Vogelgrippe oder H1N1 für die Schweinegrippe.[1] Bis jetzt wurden 16 Formen der HA und 9 Formen der NA entdeckt. Durch die ständigen Veränderungen des Erbgutes (Mutationen) dieser Oberflächenantigene kommt es immer wieder zu neuen Varianten des Virus.[2] Beide Oberflächenproteine haben wichtige Funktionen für die Vermehrung und Verbreitung der Viren. Während das Hämagglutinin für die Bindung des Virus an die Wirtszelle sorgt, ist die Neuraminidase essentiell für die Ausschleusung neu gebildeter Viren aus der befallenen Zelle. Die freigesetzten Viren wiederum können dann weitere Zellen befallen. Vor allem das Hämagglutinin sorgt beim Menschen für eine starke Immunreaktion in Form der typischen Symptome, die im Rahmen einer Influenza-Infektion auftreten.

Jährlich kommt es während der Wintermonate zur epidemischen Ausbreitung der Influenza („Grippewelle“). Dies beruht vor allem auf den folgenden zwei Mechanismen: Einerseits kommt es laufend zu Veränderungen des Erbgutes (Mutationen) der Viren, was zu einer Vielfalt von verschiedenen Influenza- Subtypen führt. Dieses Geschehen wird auch als Antigen- Drift bezeichnet. Der zweite Grund für die epidemische Ausbreitung der Influenza wird auch als Antigen- Shift bezeichnet und betrifft nur den Typ A: Das Virus befällt nämlich neben dem Menschen auch Tiere und kann sich dort derart wandeln, dass es für den Menschen schädlich wird, was vor einigen Jahren bei der Schweinegrippe (H1N1) beobachtet wurde. Außerdem ist die Influenza sehr ansteckend und weist eine Inkubationszeit (Zeit zwischen dem Eindringen des Virus in den Körper und dem Auftreten der ersten Symptome) von nur wenigenTagen auf, was eine rasche Verbreitung weiter begünstigt.[1][2]

Die Influenza kann meistens anhand der typischen Symptomatik diagnostiziert werden: Plötzlich einsetzendes Krankheitsgefühl „von einer Minute auf die andere“ mit hohem Fieber (≥ 38,5 °C), trockenem Reizhusten, Halsschmerzen und Muskel- oder Kopfschmerzen sind charakteristische Zeichen der Grippe. Weitere unspezifische Symptome können körperliche Abgeschlagenheit, Schwäche, Schweißausbrüche, oder Übelkeit/Erbrechen sowie Durchfall sein.[3]

Allerdings ist zu beachten, dass nicht alle Patienten die typischen Symptome zeigen. Rund ein Drittel der Erkrankten zeigt den typischen fieberhaften Verlauf, ein Drittel einen leichteren Verlauf und ein Drittel zeigt überhaupt keine Symptome. Die Krankheitsdauer beträgt in der Regel rund eine Woche, je nach Komplikationen und Risikofaktoren kann sie aber auch deutlich länger sein. Vor allem Kinder, ältere Menschen über 65 Jahre und chronisch Kranke sind häufiger von schwereren Verläufen betroffen. Ein schwerer Krankheitsverlauf zeichnet sich meist nach 3 bis 5 Tagen ab und zeigt sich wie folgt[3]:[2][3]

  • über 3 Tage kontinuierlich hohes Fieber (>38,5°C)
  • Atemnot, Schwierigkeiten beim Atmen oder Kurzatmigkeit
  • extreme Abgeschlagenheit und Schwäche, Blutdruckabfall
  • Brustschmerzen, blutiger Hustenauswurf

Biologischer Zusammenhang

Wenn Influenzaviren die Nasen- oder Rachenschleimhaut befallen und dort eindringen werden die dort ansässigen Zellen in ihrer Funktion beeinträchtigt. Körpereigene Botenstoffe werden freigesetzt und es kommt zu einer lokalen Entzündung mit Rötung und Schwellung, außerdem werden Immunzellen angelockt, darunter vor allem Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten. Diese Zellen schütten ihrerseits wiederum Botenstoffe aus, was die Entzündungverstärkt. Einige dieser Entzündungsmediatoren erreichen über das Blut den Hypothalamus, ein wichtiges Steuerorgan im Gehirn, das dafür sorgt, dass die Körpertemperatur konstant bleibt. Dort regulieren sie die Soll-Temperatur des Körpers nach oben, was zu Fieber führt. Die körpereigenen Abwehrzellen arbeiten bei 38- 41°C am effektivsten, während die Vermehrung des Virus durch dieerhöhte Temperatur beeinträchtigt wird.[4]

Behandlung

Bei unkompliziertem Verlauf erfolgt die Behandlung rein symptomatisch. Dabei können ausreichende Bettruhe, das Vermeiden von Stress aller Art und viel Flüssigkeit eine rasche Genesung fördern.

Fieber ist in der Regel nicht behandlungswürdig, bei erhöhter Temperatur arbeitet das Immunsystem effektiver und sorgt damit für eine rasche Elimination der Erreger. Ist das Fieber allerdings sehr hoch (> 40°C) oder dauert länger als eine Woche, kann eine Fiebersenkung mittels kühlender Wickel angedacht werden. Auch temperatursenkende Medikamente können die Beschwerden bei hohem Fieber lindern.[4]

Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder wenn ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht, z.B. bei Senioren, Personen mit chronischen Krankheiten oder bei Schwangeren, sollte eine antivirale Therapie erwogen werden. Dabei sind die Neuraminidasehemmer das Mittel der Wahl. Sie blockieren das gleichnamige Enzym des Influenzavirus und verhindern damit die Freisetzung und die Ausbreitung der Viren im Körper. Die Therapie führt zu einer Linderung der Beschwerden und kann die Krankheitsdauer und das Komplikationsrisiko verringern. Allerdings macht deren Einsatz nur im Frühstadium der Erkrankung, zum Zeitpunkt der viralen Vermehrung (innerhalb von 48 Stunden), Sinn.[1]

Seit einigen Jahren existiert ein präventives Impfprogramm gegen die Influenza, der Impfstoff wird dabei jedes Jahr im Herbst den aktuellen Influenzavarianten angepasst. Die Impfung wird älteren und chronisch kranken Menschen, Diabetikern, Patienten mit einem Immundefekt und Personen, die im Gesundheitssystem tätig sind, empfohlen.[5]

Zu beachten

Fieber ist an sich heilungsfördernd und sollte nur bei sehr hohen Temperaturen, einer Dauer über 7 Tagen oder bei starken Beschwerden gesenkt werden.

Eine Grippe ist in den allermeisten Fällen selbstlimitierend und bedarf keiner spezifischen Therapie. Allerdings ist körperliche Schonung dringend angezeigt, da es ansonsten zu einer Verschlimmerung der Beschwerden kommen kann.

Während ein grippaler Infekt meist sehr mild verläuft, kann eine Influenza-Infektion auch mit schwererer Symptomatik einhergehen.

In schweren Fällen und bei Risikopatienten wie Kindern, Senioren über 65 Jahren oder immungeschwächten und chronisch kranken Menschen ist eine antivirale Therapie mit Neuraminidashemmern innerhalb der ersten 48 Stunden angezeigt.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe