Schnupfen: Begleiterscheinungen

Schnupfen (ohne Fieber)

© PantherMedia / Kasia Bialasiewicz

Schnupfen (Rhinitis) ist ein sehr häufiges Symptom, welchem jedoch unterschiedliche Auslöser zu Grunde liegen.

Einerseits tritt Schnupfen sehr häufig im Zuge einer Erkältung (akute Rhinitis, common cold) auf, die gehäuft in den kälteren Jahreszeiten vorkommt, wo es durch virale Infektionen zu Entzündungen im Hals-, Nasen- und Rachenraum kommt.

Auf der anderen Seite ist er ein typisches Symptom allergischer Reaktionen auf verschiedenste Auslöser wie etwa Pollen (Heuschnupfen), Milben oder auch Nahrungsmittel.

In diesem Text sollen die medizinischen Fakten und biologischen Zusammenhänge des Schnupfens näher betrachtet werden sowie Tipps diesbezüglich gegeben werden.

Medizinische Fakten

Schnupfen ist ein typisches Symptom der oberen Atemwege (Respirationstrakt), welches aufgrund einer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) unterschiedlichen Ursprungs entsteht.

Sehr häufig ist ein Schnupfen begleitet von weiteren Symptomen wie etwa häufigem Niesen, einer rinnenden oder verstopften Nase mit gestörter Nasenatmung sowie auch Halsschmerzen.

Anhand der Dauer der Schnupfenbeschwerden unterscheidet man zwischen einer akuten Rhinitis, welche nur über wenige Tage andauert sowie einer chronischen Rhinitis, bei welcher die Beschwerden über Wochen vorhanden sein können.[1] Die genaue Grenze zwischen akut und chronisch wurde bei zwölf Wochen gesetzt.[2]

Des Weiteren unterscheidet man aufgrund der auslösenden Mechanismen zwischen infektiöser und allergischer Rhinitis:

  • Die infektiöse Rhinitis entsteht auf dem Boden entzündlicher Schleimhautveränderungen im Nasen- und Rachenraum aufgrund einer Besiedelung mit Viren oder seltener Bakterien.

Typische virale Erreger sind unter anderem Rhinoviren, Adenoviren, ECHO- Viren, Coxsackieviren oder Parainfluenzaviren, welche durch Tröpfeninfektion (Husten, Niesen) oder Schmierinfektion (z. B. durch einen Händedruck oder Anfassen von Türgriffen) vorwiegend in den Wintermonaten übertragen werden, wenn das Immunsystem geschwächt ist.[1] Im Allgemeinen spricht man in diesem Fall von einer Erkältung. Zu Beginn dieses Krankheitsbildes sind allgemeine Abgeschlagenheit, Muskel-oder Kopfschmerzen sowie Frösteln typisch.

Über die nächsten Tage entwickelt sich eine zunehmende Verstopfung der Nase, was eine verringerte Nasenatmung, gestörte Geruchswahrnehmung sowie eine veränderte Stimmlage zur Folge hat.

Etwa drei bis vier Tage nach erstmaligem Auftreten der Symptome zeigt sich meist eine stark erhöhte Sekretproduktion der Nasenschleimhaut, wodurch das Bild der „rinnenden Nase“ (Rhinorrhö) zustande kommt. Das Sekret ist in der Regel glasig und schaumig, selten auch eitrig verändert.

Während Kinder im Verlauf einer Erkältung häufig unter Fieber leiden, ist dies bei Erwachsenen selten. Eventuell kann sich eine leicht erhöhte Temperatur zeigen.

Bei der Erkältung handelt es sich um eine selbstlimitierende Erkrankung, das bedeutet, die Beschwerden klingen meist innerhalb einer Woche von selbst aus. Eine kausale Therapie ist aus diesem Grund nicht zu empfehlen. Bei Bedarf kann jedoch mit diversen Hausmitteln, abschwellenden Nasentropfen oder Rotlichtbehandlung eine Besserung der Beschwerden erzielt werden.[3]

Viel seltener sind Bakterien die auslösenden Erreger einer Rhinitis. Die gängigsten Vertreter sind Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Staphylokokken oder Streptokokken, welche wie auch Viren über Tröpfen-und Schmierinfektion übertragen werden.

Typisch für bakterielle Infektionen ist ein länger andauernder Krankheitsverlauf (chronische Rhinitis) sowie eine weitaus schlimmere Symptomatik mit starkem Krankheitsgefühl und meist hohem Fieber.[2]

Gefährdete Personengruppen für bakterielle Infektionen sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem (durch Vorerkrankungen oder diverse immunsuppressive Medikamente, die eine immunsystemunterdrückende Wirkung haben) sowie auch ältere Menschen.

Bestehen immer wiederkehrende (rezidivierende) virale Rhinitiden, ist das Risiko einer sekundären bakteriellen Besiedelung der vorgeschädigten Schleimhaut gegeben, man spricht dann von einer bakteriellen Superinfektion.[1]

  • Die allergische Rhinitis (Rhinitis allergica) ist im Gegensatz zur infektiösen Form nicht mit Erregern assoziiert, sondern entsteht auf dem Boden einer allergischen Reaktion des Immunsystems gegenüber verschiedensten Auslösern (Allergene).

Meist zeigt sich ein chronischer Verlauf der Beschwerden, es ist jedoch auch ein immer wiederkehrendes Muster akuter Schübe möglich. Die Art des Krankheitsverlaufes ist hierbei stark von der Exposition gegenüber den Allergenen abhängig.

Häufig allergen wirkende Substanzen sind Baum- oder Gräserpollen (Heuschnupfen), Milben, Schimmelpilze sowie auch Nahrungsmittel (häufig sind Nüsse, Kernobst, Sellerie oder Milchprodukte).[1]

Während für Heuschnupfen aufgrund des Allergenvorkommens ein saisonal schwankender Verlauf (besonders Frühjahr und Sommer) typisch ist, können andere allergische Reaktionen ganzjährig in Erscheinung treten.

Ein weiteres Indiz für eine allergische Genese ist das Auftreten der Beschwerden im Kindesalter sowie zusätzlich vorhandene allergische (atopische) Erkrankungen wie Neurodermitis oder Asthma bronchiale.

Zu den Symptomen einer allergischen Rhinitis treten zusätzlich zu jenen einer infektiösen ein vermehrtes Niesen, Juckreiz in der Nase oder am Gaumen sowie auch Bindehautentzündungen (Konjunktivitis) auf.[3] Bei Kindern kann sich durch die immunologischen Veränderungen auch eine Konzentrationsschwäche oder Schlafstörung entwickeln.[4]

Fieber tritt im Verlauf allergischer Rhinitiden nicht auf![5]

Biologischer Zusammenhang

Einer Rhinitis liegen entzündliche Veränderungen der Nasenschleimhaut (Nasenmukosa) zu Grunde, welche durch infektiöse oder auch allergische Mechanismen entstehen können.

Bei der infektiösen Rhinitis kommt es aufgrund einer Besiedelung der Schleimhaut mit Viren oder Bakterien zur Freisetzung verschiedenster schädigender Substanzen (Noxen) und dadurch zur Aktivierung des Immunsystems. Die als Folge entstehende Entzündung läuft in mehreren Schritten ab:

Einerseits kommt es zur lokalen Ausweitung der Blutgefäße (Vasodilatation) mit dem Sinn einer verstärkten Durchblutung des betroffenen Areals. Dadurch kann ein verbesserter Abtransport der krankmachenden (pathogenen) Keime erzielt sowie zusätzlich ein vermehrtes Einschwemmen (Infiltration) des Entzündungsherdes mit weißen Blutkörperchen (Leukozyten) erzeugt werden.

Die diversen Leukozyten (Makrophagen, Granulozyten, Lymphozyten) können die Erreger durch unterschiedlichste Mechanismen bekämpfen, eindämmen und in vielen Fällen auch eliminieren.[6]

Unterstützend wirkt zusätzlich eine verstärkte Sekretproduktion von sogenannten Becherzellen der Nasenschleimhaut, wodurch Keime gebunden und vermehrt ausgeschieden werden können.[3]

Als Resultat dieser immunologischen Prozesse entstehen eine Schwellung, Rötung und Schmerzhaftigkeit der Schleimhäute sowie ein verstärktes Nasenlaufen (Rhinorrhö) – das klassische Bild der Rhinitis, mit Schnupfen und verstopfter oder rinnender Nase.

Die Mechanismen der allergischen Rhinitis laufen auf völlig andere Weise ab:

Zuerst muss es zu einer Sensibilisierung der betroffenen Person kommen. Hierbei wird das auslösende Allergen von speziellen Immunzellen gebunden und von diesen in kleine Fragmente zerlegt. Diese Fragmente führen im weiteren Verlauf zur Aktivierung sogenannter B-Lymphozyten (eine Untergruppe der Leukozyten), welche dadurch große Mengen spezifischer IgE-Antikörpern produzieren (die Antikörper passen auf das Allergen wie „ein Schlüssel ins Schloss“). Die IgE Antikörper binden darauf an die Oberfläche von Mastzellen, histaminhaltigen Immunzellen, wo sie auf einen erneuten Kontakt mit dem Allergen „warten“.

Der Prozess der Sensibilisierung führt somit zu einer Aktivierung des Immunsystems gegenüber dem speziellen Allergen; Symptome treten jedoch erst bei einem zweiten Allergenkontakt auf.

In diesem Fall kommt es zu einer sofortigen „Degranulation“ der Mastzellen mit Freisetzung großer Mengen an Histamin (ein Gewebshormon), welches für die allergischen Entzündungsprozesse im Körper verantwortlich ist.[3]

Zu beachten

Die akute Rhinitis ist in der Regel ein harmloses und unkompliziertes Krankheitsbild, bei welchem es auch ohne Therapie meist innerhalb weniger Tage zur Symptombesserung kommt.

Die Möglichkeit einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sollte jedoch auch in Erwägung gezogen werden, welche in manchen Fällen im Verlauf einer Rhinitis (kombinierte Rhinosinusitis) auftreten kann.

Typische Beschwerden sind Druck-und Schmerzgefühl im Bereich der Stirn und neben der Nase. Bei häufig wiederkehrenden (rezidivierenden) Rhinosinusitiden, sollte an die Möglichkeit vorhandener Polypen gedacht werden, weshalb ein Besuch des HNO-Arztes zu empfehlen ist.[7]

Bei starker Beteiligung der Augen im Zuge allergischer Rhinitiden, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Durch die richtige antiallergische Therapie kann die Symptomatik häufig gebessert werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei Schnupfen