Husten: Ursachen

Husten durch Lungenkrebs?

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Lungentumore bleiben meist lange asymptomatisch und dadurch unerkannt. Frühsymptome können sich einstellen, sind aber unspezifisch. Ein andauernder Husten kann auf eine Schädigung der Lunge hinweisen. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Erkrankungen, die mit dem Leitsymptom Husten einhergehen. Hierbei zu nennen sind die (chronische) Bronchitis, die Pneumonie, die COPD oder das Asthma bronchiale, aber auch die Refluxösophagitis bei rezidivierendem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Diese Erkrankungen gehen in der Regel mit chronischem Husten einher und sind weit häufiger als Lungenkrebs. Daher müssen sie als wichtige Differentialdiagnosen beachtet werden. Bei etwa drei Viertel der betroffenen Lungenkrebs-Patienten ist Husten ein Begleitsymptom. Daher sollte ein länger anhaltender Husten immer von einem Arzt untersucht werden.

Dieser Text beschäftigt sich mit den medizinischen Fakten, biologischen Hintergründen und wichtigen Hinweisen im Zusammenhang von Husten und Lungenkrebs.

Medizinische Fakten

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) gehört zu den häufigsten malignen Erkrankungen des Menschen. Eine möglichst frühzeitige Diagnose ist für die Gesamtprognose entscheidend. Frühsymptome wie ein chronischer Husten sind dabei zu beachten. Leider treten Symptome meist erst in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung auf. Dazu gehören Allgemeinsymptome wie Atemnot (Dyspnoe), Fieber, Gewichtsverlust oder Schmerzen. Diagnostisch wegweisende Begleiterscheinungen wir Heiserkeit, Schluckstörungen, Rippendestruktionen oder blutiger Husten (Hämoptyse) markieren häufig eine bereits weit fortgeschrittene Krebserkrankung. [1]

Die Einteilung des Bronchialkarzinoms erfolgt anhand histologischer Kriterien. Grundsätzlich werden zwischen kleinzelligen Bronchialkarzinomen (SCLC; ca. 20%) und nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen (NSCLC; ca. 80%) unterschieden. Wichtig ist diese Einteilung für die Therapieplanung und gibt Auskunft über das Wachstums- und Streuungs- bzw. Metastasierungsverhalten des Tumors.

Klinisch wird Husten nach seiner Dauer in eine akute (< 8 Wochen) und eine chronische (> 8 Wochen) Form eingeteilt. Für Husten als Begleitsymptom eines Bronchialkarzinoms ist ein chronischer Verlauf charakteristisch. Dabei zeichnet sich die Hustensymptomatik entweder in Form eines neu auftretenden Hustens aus, oder im Fall eines schon zuvor bestehenden chronischen Hustens durch Änderung des Hustencharakters.

Endokrine paraneoplastische Symptome, bedingt durch Bildung und Freisetzung von hormonell aktiven Stoffen, treten bei Bronchialkarzinomen relativ häufig auf. Folgen sind u.a. eine Hyperkalzämie (zu hohe Kalziumwerte), Hyperkortisolismus (zu hohe Kortisolwerte) oder wiederkehrende (rezidivierende) Thrombosen. [2]

Biologischer Zusammenhang

Bei Husten handelt es sich um einen komplexen physiologischen Reflex (Hustenreflex), welcher durch Irritation von Hustenrezeptoren in den oberen sowie unteren Atemwegen entsteht. Diese Rezeptoren werden von unterschiedlichsten Auslösern aktiviert, wie etwa verschmutzter Luft oder inhalierten Noxen (z. B. Zigarettenrauch). Aber auch geschädigte Epithelien, wie sie im Zuge von Lungenerkrankungen auftreten, können irritierend wirken.[3] Dadurch stellt der Husten einen wichtigen Reinigungsmechanismus dar.

Werden Hustenrezeptoren stimuliert, kommt es zur Aktivierung eines Reflexbogens: Über zuführende (afferente) Nervenfasern (N. vagus, N. glossopharyngeus) wird die Information des Hustenstimulus zum Hustenzentrum im Gehirn geleitet und von dort über ableitende (efferente) Nervenfasern in die Effektororgane (Kehlkopf-, Brust- und Bauchmuskeln) geleitet. Durch die so provozierte Muskelkontraktion wird der Hustenmechanismus ausgelöst.

Im Fall des Bronchialkarzinoms kann die Tumormasse selbst oder durch infolge der Erkrankung geschwollene Lungenlymphknoten zur Irritation der Atemwegsepithelien führen und dadurch Hustenrezeptoren aktivieren. [4]

Weiterhin kann es im Zuge des Tumors zur verminderten Belüftung bestimmter Lungenareale kommen. Dies kann die Entstehung von Lungenentzündungen (Pneumonien) begünstigen. Im Rahmen einer Pneumonie können wiederum die Hustenrezeptoren gereizt werden und so zu Husten führen.[5]

Zu Beachten

Die Ursache eines lang anhaltenden Hustens (über 3-4 Wochen) sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da schwerwiegende Erkrankungen wie bspw. Lungenkrebs ursächlich sein können. Bei blutigem Auswurf (Hämoptoe) sollte an ein Bronchialkarzinom gedacht werden.

Ein Selbsttest zur Entdeckung eines Bronchialkarzinoms ist aufgrund der spät auftretenden Beschwerden schwierig; eine genaue Beobachtung der Symptome und ein frühes Aufsuchen eines Lungenfacharztes sind jedoch wichtige Maßnahmen.

Wichtigster Risikofaktor für die Entwicklung des Lungenkrebses ist das Zigarettenrauchen (Inhalation und Exposition), welches bei 80 bis 90% einen assoziierten Faktor darstellt. Die im Rauch enthaltenden Substanzen (Nitrosamine, Benzpyrene etc.) führen über neurotoxische, entzündungsfördernde und karzinogene Mechanismen zur Entwicklung einer Epithelmetaplasie mit folgender Malignomentstehung. Aus diesem Grund stellt eine vollständige Vermeidung von Tabakkonsum bzw. Rauchexposition die mit Abstand wichtigste prophylaktische Maßnahme dar. [1]